Wissen auf den Punkt

von Redaktion

Volkshochschule Rosenheim bietet Studium ohne Prüfungen und Diplome an

Rosenheim –Seit 14 Jahren bietet die Volkshochschule Rosenheim das „Studium Generale“ an. Aus ganz Bayern kommen hierzu Referenten nach Rosenheim, um Vorträge über aktuelle gesellschaftliche und politische Themen zu halten. Erwachsene haben die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten zu lernen, ohne sich dabei auf Prüfungen oder Diplome vorbereiten zu müssen.

Jeder kann
teilnehmen

„Es ist einfach eine persönliche Bereicherung, die Themenbereiche sind immer interessant“, sagt Barbara Frowein (65). Für die ehemalige Nachrichtensprecherin und jetzt freiberufliche Sprechtrainerin ist der Donnerstagvormittag seit zwei Jahren für die Veranstaltungen geblockt. „Das Studium ist für jeden zugänglich, ich frische damit vieles wieder auf, was ich früher schon einmal gehört habe.“ Die Dozenten bereiteten die Themen ansprechend und verständlich auf.

Das „Studium Generale“ entstand aus einer Idee des deutschen Volkshochschulverbands und wird deutschlandweit angeboten. In Rosenheim besteht es aus jeweils neun bis elf Vorträgen in drei bis vier Themenblöcken. Täglich nehmen rund 49 Studierende teil, die meisten von ihnen sind 45 Jahre und älter. Die Dozenten arbeiten freiberuflich oder kommen im Rahmen einer Zusammenarbeit mit anderen Volkshochschulen, der Ludwig-Maximilians-Universität oder der Politischen Akademie Tutzing nach Rosenheim. Das Themenangebot richtet sich nach aktuellen Anlässen: In diesem Jahr gibt es beispielsweise Vorträge zur Wahl in den USA. Im kommenden Jahr, zur Bundestagswahl, eine Ringvorlesung über verschiedene Bundeskanzler. Die Veranstaltungen finden meist vormittags statt, sind also für Berufstätige nur schwer wahrnehmbar. Deshalb gibt es seit einem Jahr auch die „Studium Generale Night“.

Familie, Hobbys und
Vorträge in der VHS

„Ich hatte schon lange vor, in der Rente ein ,Studium Generale‘ anzufangen“, sagt Johannes Steffan (64). „Als es dann die Abendveranstaltungen in der ,Night-Version‘ gegeben hat, habe ich gleich zugegriffen.“

Der Diplomkaufmann arbeitet im Büro und versucht, alle Vorträge zu besuchen. Neben Familie, Hobbys und Beruf sei die Teilnahme aber nicht immer leicht zu bewältigen – Terminkollisionen seien unvermeidlich. „Dann muss ich nach Präferenz entscheiden und etwas anderes absagen“, sagt Steffan. Immerhin: Das Lernen zu Hause fällt im Vergleich zum Studium an einer Universität weg: „Ich vertiefe die Themen manchmal im Internet oder lese noch etwas nach, aber das mache ich alles freiwillig und aus Interesse.“ Das Studium soll für jeden zugänglich sein, Voraussetzungen gibt es keine. Für elf Vorlesungen fallen 110 Euro Unkostenbeitrag an. Neueinstieg ist immer zu Trimesterbeginn möglich, zum Start eines neuen Vortragsblocks. „Unsere Zielgruppe für das ,Studium Generale‘ sind Erwachsene, bisher nahmen vor allem Frauen das Angebot an“, sagt Sylvia Seiler (44), stellvertretende Leiterin der Volkshochschule.

Dank der vielfältigen Themen quer durch die Wissenschaften ist das „Studium Generale“ ein Studium für Menschen mit ganz unterschiedlichen Interessen.

Herausforderung
für Dozenten

Dr. Stefan Schmitt (59) ist freiberuflicher Dozent für Philosophie und Kunstgeschichte und hält im Hans-Schuster-Haus in Rosenheim eine Vortragsreihe über die italienische Hochrenaissance. „Ich will die Zuhörer nicht unterfordern, sie aber auch nicht mit zu vielen Details überlasten“, sagt er. „Man muss die Themen runterbrechen, die Zusammenhänge im geistesgeschichtlichen Kontext aufzeigen, die Dinge vereinfachen, ohne der Sache zu schaden.“ Das Zusammenfassen so umfangreicher Themen sei die Herausforderung für die Dozenten. „Ich habe natürlich den Vorteil gegenüber der Schule, dass meine Zuhörer nur aus Interesse hier sind. Ich freue mich am meisten, wenn die Leute sich trauen, mitzureden, und aufgeschlossen sind. Das Schönste ist, wenn sie glücklich aus dem Vortrag herausgehen“, sagt Schmitt. Im „Studium Generale“ bekommt man, wie Seiler sagt, „Wissen auf den Punkt“. Wenn man sich die Zeit nehme, sich in den Vorträgen weiterzubilden, wüsste man hinterher tatsächlich mehr.

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