Der Corona-Infektion auf der Spur

von Redaktion

80 Abstriche pro Tag – Testzentrum auf der Loretowiese hat Betrieb aufgenommen

Rosenheim – Vor dem roten Container der Feuerwehr, schräg gegenüber der Loretokapelle, hat sich eine lange Schlange gebildet. Rund 40 Menschen stehen an, warten darauf, getestet zu werden. Die meisten tragen Mundschutz, einige haben Handschuhe an. Ganz vorne in der langen Reihe steht eine junge Frau. Nervös schaut sie nach links und rechts. Ihr Gesicht ist fast vollständig von der Kapuze ihrer Winterjacke bedeckt. In der rechten Hand hält sie eine Tüte mit einem Teströhrchen und einem Überweisungsschein. Es sind die ersten Eindrücke vom Corona-Testzentrum, das gestern seinen Betrieb in Rosenheim aufgenommen hat.

Medizinstudenten
führen Tests durch

Langsam bewegt sich die Schlange vorwärts. Die junge Frau steht mittlerweile an der rot-weißen Absperrung und wartet auf ihren Abstrich. Um die Tests kümmern sich vier Medizinstudenten sowie Allgemeinmediziner Simon Weber (44). Außerdem etliche seiner Kollegen, die sich freiwillig angeboten haben, zu helfen. Alle tragen Handschuhe, Mundschutz, Schutzbrille und ein Haarnetz. Weber trägt außerdem ein Visier.

Labor übernimmt
Auswertung

Schräg hinter ihm führt eine Medizinstudentin gerade bei einem Patienten einen Test durch. Nach wenigen Minuten ist alles vorbei. „Wir nehmen erst einen Abstrich aus der Rachenhinterwand und dann einen aus der Nase“, sagt Weber. Angenehm sei das nicht. „Es macht ein bisschen Pipi in den Augen.“ Die Tests werden anschließend ins Labor geschickt. Die Ergebnisse bekommt der Hausarzt, der dann den Patienten informiert. Bis es soweit ist, sind die Menschen aufgefordert, in häuslicher Quarantäne zu bleiben, meldet die Stadt.

Rund 80 Patienten werden pro Tag auf der Loretowiese getestet. „Es ist wichtig, dass die Leute wissen, dass man nicht einfach so hingehen kann“, sagt Weber. Denn nur wer von seinem Hausarzt eine entsprechende Überweisung, ein Teströhrchen und auch einen Termin für den Test mitbekommen hat, darf sich anstellen. Getestet werden lediglich Menschen, auf die gleich mehrere Kriterien zutreffen: Zum Beispiel stärkere Symptome bei gleichzeitigen Vorerkrankungen haben, oder in einem Beruf arbeiten, in dem das Infektionsrisiko besonders hoch ist.

Dem Testzentrum in Rosenheim vorausgegangen sei ein Auftrag vom bayerischen Staatsministerium des Inneren an alle Landkreise und kreisfreien Städte, dass Corona-Testzentren verstärkt aufgebaut werden sollen, sagt Hans Meyrl, der Amtsleiter für Brand- und Katastrophenschutz. Dass der ärztliche Kreisverband Rosenheim diese Dringlichkeit schon im Vorfeld erkannt hat, sei eine sehr positive Sache. „Wir waren dem Ganzen ein, zwei Tage voraus“, sagt er.

Hausärzte sollen
entlastet werden

Das Testzentrum an der Loretowiese soll ermöglichen, dass „ressourcenschonend getestet“ wird. Hausärzte sollen entlastet und knappes Infektionsschutzmaterial eingespart werden. „Deshalb machen wir das Ganze zentral und stellen junge und fachkundige Medizinstudenten an die Spitze, um den Abstrich zu nehmen“, sagt Weber.

Viel verändern soll sich am Aufbau des Zentrums nicht. „Es kommt noch ein Zelt dazu, damit wir vor der Witterung geschützt sind“, sagt Meyrl. Die Anlage sei so aufgebaut, dass der Abstrich auch aus dem Fahrzeug heraus gemacht werden könnte.

Wann das Testzentrum in Rosenheim wieder abgebaut werden kann, ist offen. Niemand weiß, wie lange die Corona-Krise dauern wird. Aber immerhin wird die junge Frau bald Gewissheit haben. Wie alle, die an diesem Tag mit ihr in der langen Schlange gestanden sind.

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