Rosenheim – Die Anordnungen zum Schutz vor dem Coronavirus stellen auch das Rosenheimer Tierheim vor neue Herausforderungen. Zwar ist der normale Betrieb derzeit gewährleistet, doch die Vermittlung von Heimtieren ist ausgesetzt. Auch das Gassigehen mit den Hunden findet nicht mehr statt. Sollte es eine weitere Verschärfung der Anordnungen geben, könnte das lebensgefährlich werden für die Tiere.
Keine neuen
Vermittlungen mehr
Die Mitarbeiter versuchen, bei ihrer Arbeit jeglichen Kontakt zueinander zu vermeiden. „Wir haben schon vorletztes Wochenende strenge Sicherheitsvorkehrungen umgesetzt“, sagt Andrea Thomas, Vorsitzende des Tierschutzvereins Rosenheim, dem das Tierheim gehört. „Bis auf laufende Vermittlungen, die abgewickelt werden müssen, können wir derzeit keine Tiere übergeben.“
Auch der Besuch des Tierheims ist nicht möglich. Wer ein Tier übernehmen wolle, solle sich erst wieder melden, wenn sich die Corona-Lage entspannt hat, sagt Thomas. Nach wie vor aufgenommen werden aber Fundtiere oder Notfälle, etwa dann, wenn der Halter das Tier nicht mehr versorgen kann. Mitarbeiter des Tierheims holen die Tiere unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen ab und tragen dabei Schutzkleidung – jeder direkte Kontakt von Mensch zu Mensch soll dabei vermieden werden. Sollte das Tier aus einem mit COVID-19 infizierten Haushalt stammen, komme es im Tierheim in Quarantäne. Die Tiere könnten das Virus zwar nicht direkt übertragen, aber durch Tröpfchen im Fell könnten Viren trotzdem verbreitet werden, sagt Thomas.
55 Katzen, 17 Hunde
und 20 Kleintiere
Im Moment befinden sich 55 Katzen, 17 Hunde und 20 Kleintiere im Tierheim. Von den zwölf Tierpflegern, die im Tierheim arbeiten, sei keiner krank, sagt Thomas. Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, würden die Mitarbeiter in Abteilungen getrennt und im Schichtdienst arbeiten. Die Übergabe verläuft kontaktlos mit Hilfe eines Buchs, in dem täglich der Zustand der Tiere dokumentiert ist.
Natürlich brauchen die Tiere Bewegung. „Die Hunde müssen raus“, sagt Thomas. „Das Gassigehen übernehmen eigentlich ehrenamtliche Helfer, zurzeit geht aber nur ein festes Team an Personen, die schon lange dabei sind und sich gut mit den Tieren auskennen.“ Um auch hier die Hygienevorschriften umzusetzen, werden die Tiere über eine Schleuse zu den Ehrenamtlichen gebracht, es darf zu keinem Kontakt mit den Tierpflegern kommen. „Die Gassigeher müssen alle einzeln eine eigene Tour gehen, in Gruppen ist das nicht möglich“, sagt Thomas. Das liege aber auch daran, dass sich nicht alle Hunde untereinander gut verstehen.
Versorgung ohne
Einschränkungen
Ohne Einschränkung läuft bisher die Versorgung der Tiere im Rosenheimer Tierheim. Alle haben genug zu fressen. Hamsterkäufe im Bereich Tiernahrung hat es offensichtlich bisher nicht gegeben. Auch finanziell sei der Wegfall der Vermittlungsgebühren zu verkraften, der Tierschutzverein finanziere sich vor allem über Spenden und Mitgliedsbeiträge, sagt Thomas.
Die Sicherheitsvorkehrungen sollen in erster Linie den Betrieb aufrechterhalten. „Es wäre ein Drama, wenn das Tierheim unter Quarantäne gestellt werden müsste, denn niemand kann für uns einspringen, um die Tiere zu versorgen“, sagt Thomas. „Wir hoffen einfach, dass wir gut durchkommen und sich die Lage bald entspannt.“