Rosenheim – Kleine und mittelständische Unternehmen und Selbstständige sind von der Corona-Krise bedroht. Hilfsprogramme gibt es zwar viele – aber welches ist das geeignete? Die Website wir-bleiben-liqui.de beantwortet diese Frage. Die erste Idee dafür hatte Ludwig Gröber, 22, aus Rosenheim. Umgesetzt wurde sie von einem 30-köpfigen Team ehrenamtlich innerhalb eines Wochenendes – ohne, dass sie sich auch nur einmal in live gesehen haben. Für ihre Arbeit wurden sie jetzt ausgezeichnet.
Hunderte neue
Benachrichtigungen
Als Gröber am 22. März seinen Laptop öffnet, erscheinen auf einen Schlag Hunderte neue Benachrichtigungen. Er ist gerade dem Chat des großen #WirVsVirus-Hackathon beigetreten – gemeinsam mit 42000 anderen Menschen. Der „Hackathon“ ist ein Programmierwettbewerb, der unter der Schirmherrschaft der Bundesregierung steht. Von 20. bis 22. März haben sich 4200 Motivierte getroffen, um digitale Lösungen für Probleme zu finden, die durch die Corona-Krise entstehen – natürlich nur online via Chats und Videotelefonaten.
Anstellung
in einer Bank
Unter ihnen war auch der Rosenheimer Ludwig Gröber, 22 Jahre alt und dualer BWL-Student: „Weil ich bei einer großen Bank arbeite, wusste ich, dass die Corona-Krise besonders kleine und mittelständische Unternehmen hart treffen wird. Gleichzeitig war mir klar, dass es für sie sehr kompliziert wird, die richtige Hilfe zu finden, um die Krise zu überstehen, weil es einfach so viele Angebote gibt.“
Es braucht also ein Programm, das Betroffenen eine Übersicht bietet, möglichst schnell und unkompliziert. Gröber schlägt diese Idee vor – und wird prompt zusammen mit rund 1500 anderen Vorschlägen nominiert.
Als er die ersten Nachrichten in den großen Chat schickt, melden sich zahlreiche Leute, die mithelfen wollen. Unter ihnen sind IT-ler, Juristen, aber auch Designerinnen und Kreative, von Studierenden bis Berufserfahrenen. Eine von ihnen ist Bea Kusnitzoff. Die 44-Jährige kommt aus München und hilft Firmen als Projektleiterin bei Digitalisierungsprozessen. Von dem Hackathon erfährt sie durch eine Kollegin und will auch eine Idee einreichen, verpasst aber die Frist.
Als sie Gröbers Nachricht liest, schreibt sie ihm sofort. Gemeinsam mit rund 30 Leuten aus ganz Deutschland beginnen sie, an wir-bleiben-liqui.de zu arbeiten. Sie stellen ein Programm auf die Beine, das betroffenen Unternehmen und Selbstständigen nach der Beantwortung von wenigen Fragen die besten Finanzierungsmittel für ihre persönliche Lage präsentiert. Danach werden noch die nötigen Dokumente für die Antragstellung vorgestellt und beim Ausfüllen geholfen. Die Arbeit an so einer Website dauert normalerweise Wochen bis Monate. Sie haben dafür nur ein Wochenende gebraucht.
2000 Stunden
investiert
Das Besondere: Alle, die an wir-bleiben-liqui.de mitgearbeitet haben, haben das ehrenamtlich getan. Und zwar schon rund 2000 Arbeitsstunden lang, die meisten auch noch neben ihrem ganz normalen Beruf. Auch Kusnitzoff arbeitet eigentlich noch jede Woche 40 Stunden. Trotzdem sitzt sie für wir-bleiben-liqui.de jeden Tag mehrere Stunden vor dem Computer. „Bei uns waren alle einfach stark von sich heraus motiviert, einen Beitrag gegen die Corona-Krise zu leisten“, sagt sie.
Und die Arbeit, die auch nach dem 22. März nicht aufgehört hat, hat sich ausgezahlt: Das Projekt kam von den über 1500 eingereichten unter die besten 20 und wird von einem Kooperationspartner weiterhin als kostenloses Angebot aufrechterhalten. Als die Auszeichnung am vergangenen Montag verkündet wird, hat keiner damit gerechnet. „Ich hab mich wahnsinnig für das Team gefreut. Das waren 30 Leute, die konstant daran mitgearbeitet und ihr Herzblut da reingesteckt haben. Ich war froh, dass das Team dafür die Anerkennung bekommen hat“, sagt Gröber.
Funktionierende
Teamarbeit
Wir-bleiben-liqui.de und der ganze #WirVsVirus-Ha- ckathon sind der Beweis dafür, dass es mehr als gut funktionieren kann, nur online zusammenzuarbeiten, dass Teamarbeit vieles möglich macht und dass sich Ehrenamt in der Corona-Krise nicht nur darauf beschränkt, für andere einkaufen zu gehen – dem Internet sei Dank.