Busverkehr gerät ins Schleudern

von Redaktion

Aus Angst vor Corona nutzen immer weniger Kunden den ÖPNV – Große Einbußen beim SVR

Rosenheim – Einer, der schwer mit den Folgen der Corona-Krise zu kämpfen hat, ist Ingmar Töppel. Der Geschäftsleiter des Stadtverkehrs Rosenheim kämpft um das Überleben seines Betriebes. Er will positiv bleiben und weiß doch, dass mit jeder Woche Lockdown die Lage dramatischer wird.

Busreisen und Tickets
nicht mehr gefragt

Wenn Töppel erzählt, wie es um den Stadtverkehr Rosenheim (SVR) steht, dann lacht er hin und wieder. Es ist ein bitteres Lachen. Dass der Ticketverkauf und das Geschäft mit den Busreisen praktisch tot ist, das erwähnt er beinahe nur nebenbei. Seit 16. März sind die Mitarbeiter dieser beiden Geschäftsfelder in Kurzarbeit. Das kulturelle Leben ist auf null gesetzt, niemand braucht mehr Konzerttickets oder Karten für ein Kabarett. Und die Busreisen? Auch sie sind nicht mehr gefragt. Stichwort: Ausgangsbeschränkung. Aber wie gesagt, das alles erwähnt Töppel nebenbei.

Ganz besonders sorgenvoll blickt der SVR-Geschäftsleiter auf die Entwicklung im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Rosenheim, den er mit seinen Fahrern eigenwirtschaftlich für die Stadt betreibt. Die Einnahmen in dieser Sparte seien seit Januar um 250000 Euro zurückgegangen. Die Zahl der Busfahrer sei um 40 Prozent gesunken. Viele von ihnen hätten sich krank gemeldet, sagt Töppel. Aus der Furcht, sich mit dem Coronavirus zu infizieren oder auch, weil daheim nun Kinder betreut werden müssen. Die Angst vor der Ansteckung mit Corona ist es gleichermaßen, die die Fahrgäste die ÖPNV-Busse meiden lässt. Dazu kommt, dass die Schulen geschlossen sind, kein Kind muss derzeit in einen Schulbus steigen. Insgesamt, rechnet Töppel vor, sind im März 50000 Menschen in seine Busse eingestiegen. In Nicht-Corona-Zeiten sind es rund 250000 im Monat. Mit den Fahrgastzahlen sinken die Einnahmen, zumal viele Kunden mit Monats- oder Jahreskarten unterwegs sind, ihr Geld also bereits ausgegeben haben. Geld, das Töppel so dringend bräuchte, um seinen Betrieb sicher durch die Krise zu steuern.

Derzeit gilt beim SVR der Ferienfahrplan: In der Fläche bedienen die Fahrer einen Halbstunden-Takt, in der Verdichtungsregion kommt der Bus alle 15 Minuten. Der Nachtverkehr ist bis kurz nach 22 Uhr im Einsatz. Das Angebot weiter einzuschränken, ist kaum möglich. Busse zählen ebenso wie Taxis zur Daseinsvorsorge, haben Betriebspflicht. Dabei weiß Töppel schon jetzt: Für den April wird die Bilanz erneut düster ausfallen. „Dann wird es noch dramatischer.“

Einen Ausweg? Gibt es eine Lösung für diese verfahrene, existenzbedrohende Situation? Töppel hat bei der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft (ROVG), die Aufgabenträger ist, eine sogenannte Notvergabe beantragt. Würde diese genehmigt, bekäme er von der Stadt rund 30000 Euro pro Woche, sagt er. Doch noch steht eine Antwort aus. Und Töppel weiß natürlich, dass die Kommune selbst finanziell zu kämpfen hat.

Soforthilfe
hilft kaum

Sein Geschäft wird selbst die Soforthilfe, die er für den SVR sowie den Ticket- und Reise-Shop beantragt hat, nicht retten. 15000 Euro für den SVR, das decke noch nicht einmal die Hälfte einer Kraftstoffrechnung, sagt Töppel. Von den Personalkosten ganz zu schweigen. Trotzdem will er nicht aufgeben. „Wir fahren eigenwirtschaftlich in einem Oberzentrum. Wenn wir es nicht schaffen, wer dann?“, sagt er. Und lacht sein bitteres Lachen.bw

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