Die Kunst vor der Haustür

von Redaktion

Wie der Rosenheimer Stadtjugendring mit Bildern Mut machen will

Rosenheim – Corona hat das Leben in Rosenheim auf den Kopf gestellt. Schulen und Geschäfte sind seit Wochen geschlossen. Das gesellschaftliche Leben ist praktisch zum Erliegen gekommen. Aber es gibt Lichtblicke: Menschen werden in der Krise erfinderisch, versuchen, das Beste aus den Einschränkungen zu machen. Auch die Mitglieder des Rosenheimer Stadtjugendrings.

Kostenloses Angebot für die ganze Familie

Sonnja Menzel (30) arbeitet seit einem halben Jahr als Pädagogin beim Rosenheimer Stadtjugendring. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Klaas Prößdorf leitet sie den Aktivspielplatz Hüttenstadt und den Hüttenstadt-Treff. Kinder haben hier – seit elf Jahren – die Möglichkeit, handwerklich zu arbeiten, Hütten zu bauen, Lagerfeuer zu machen und Ausflüge zu unternehmen. Doch seit dem Beginn der Corona-Krise ist dieses Angebot vorübergehend eingestellt. Für Sonnja Menzel stand fest: Ein neues Projekt muss her. Eins für die ganze Familie, an der frischen Luft, ohne finanziellen Aufwand. „Es war uns wichtig, dass wir die Kinder trotzdem dazu animieren, raus zu gehen. Ohne dabei natürlich die Ausgangsbeschränkungen zu verletzen“, sagt sie.

Die Idee: eine Land-Art-Kunstaktion. Direkt vor der Haustür. Das Motto: „Mutmach-Bilder“. Aus Ästen, Zweigen, Blättern, Steinen und anderen Gegenständen, die sich in der Natur finden lassen, sollen Kinder, gemeinsam mit ihren Eltern, ein Kunstwerk bauen. Dieses kann direkt unterwegs entstehen, im Garten oder in den eigenen vier Wänden. „Wer Lust hat, kann die Materialien auch auf einem Spaziergang sammeln und das Kunstwerk zu Hause basteln“, sagt Menzel. Der Ort spiele bei der Aktion keine Rolle. Steht das Kunstwerk direkt vor der Haustür, kann es Nachbarn und Familienmitglieder erfreuen.

Die Werke, die im Wald entstehen, könnten „zur Nachahmung“ dienen oder anderen Spaziergängern „eine Freude machen“.

Sonnja Menzel will mit ihrer Aktion der „Kreativität einen Raum geben“, ein „Gemeinschaftsgefühl schaffen“. Will, dass Menschen sich miteinander verbunden fühlen. Wenn auch nur aus der Ferne.

Ob und wie gut die Aktion ankommt, darüber kann sie nur Vermutungen anstellen. In ihrem Freundeskreis seien viele begeistert gewesen, auch ihre Kollegen hätten sie von Anfang an unterstützt. „Ich bin von dem Konzept überzeugt“, sagt sie. Schon jetzt denkt sie darüber nach, wie sie die Aktion erweitern könnte. Sie spricht von der Möglichkeit, Pflanzen zu bestimmen, mehr über die verschiedenen Lebensräume zu erfahren. Um so neben der Kunst auch noch etwas über die Natur zu lernen. „Schauen wir erst mal, wie es läuft“, sagt sie.

Fotos machen und
an den SJR schicken

Damit sich nicht nur die großen und kleinen Künstler über ihre Land-Art-Werke freuen können, fordert die Pädagogin dazu auf, Fotos zu machen und sie an aktivspielplatz@stadtjugendring.de zu schicken. Einige werden anschließend auch im OVB abgedruckt. „Es soll kein Wettbewerb sein, das passt nicht in unser Konzept“, sagt Sonnja Menzel. Trotzdem soll die Plattform des Stadtjugendrings dazu dienen, die Kunstwerke der Öffentlichkeit vorzustellen – und sich gegenseitig Mut zu machen.

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