Rosenheim – Nach Wochen des Stillstands ist das die gute Nachricht mitten in der Corona-Krise: Geschäfte bis 800 Quadratmeter dürfen ab Montag, 27. April, wieder aufsperren. Zwar unter Auflagen und eine Woche später als etwa Baumärkte und Gartencenter. Doch die Hoffnung, dass es wieder aufwärtsgeht, ist groß – wenn auch nicht überall in der Stadt.
Lockdown fordert
vermutlich Opfer
Bereits jetzt, vier Wochen nach dem Lockdown, steht fest: Es wird in Rosenheim Geschäfte geben, die die Corona-Krise nicht überstehen werden. Davon geht zumindest Paul Adlmaier, der Vorsitzende des Rosenheimer City-Managements, aus. Und auch Hans Schussmann von der Interessensgemeinschaft Aicherpark blickt mit Sorge auf die kommenden Wochen. Denn die überwiegende Zahl der 118 Geschäfte im Gewerbepark sind größer als 800 Quadratmeter. Müssen also über den 27. April hinaus geschlossen bleiben.
Zwar werde mit der Öffnung von Baumärkten und Gartencentern wieder ein wenig Leben einkehren, sagt Schussmann am Telefon. Doch insgesamt seien „große Verwerfungen“ zu befürchten. Wer nicht im Internet aktiv sei, wer keine Ideen entwickelt habe, wer überwiegend Saisonware im Angebot führe, der habe es schwer. Gebe es dann erste Leerstände, könne rasch ein Domino-Effekt eintreten. Er hält den Aicherpark für „relativ robust“ und fürchtet doch, dass es „vor allem Verlierer“ geben wird. Viele der Einzelhändler hätten vermutlich Probleme, die Corona-Sicherheitsregeln einzuhalten. Vielfach stünde das Sortiment zu dicht, könnten die Hygienebestimmungen nur unter großer Anstrengung geleistet werden. Sollte es Kontrollen geben und bei Nichteinhaltung Strafen, könnten diese so hoch ausfallen, dass sie dann „den Todesstoß“ bringen, sagt Schussmann. Doch selbst, wenn das alles gelinge, stelle sich die Frage nach der Kaufkraft. Wenn aufgrund von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit zu wenig im Geldbeutel ist, werden das nach Schussmanns Einschätzung, vor allem auch Freizeiteinrichtungen zu spüren bekommen, etwa die Fitnessstudios, von denen es mehrere gibt im Aicherpark.
In der Rosenheimer Innenstadt, rund um den Max-Josefs-Platz, werden rund 70 Prozent der Geschäfte übernächste Woche aufsperren können. Einer, der mit seinem Geschäft gerade noch zur Kategorie „unter 800 Quadratmeter“ fällt, ist Paul Adlmaier. Auf vier Stockwerken verkauft er am Max-Josefs-Platz Herrenmode. Durchs Telefon hindurch ist seiner Stimme anzumerken, wie froh er ist. Und wo andere die 800-Quadratmeter-Regel von Ministerpräsident Markus Söder als willkürlich und unzureichend kritisieren, sagt er, es sei der richtige Weg, um nach und nach das Leben in der Stadt hochzufahren. Nun gelte es für ihn, wie für alle Mitglieder im City-Management, sich vorzubereiten auf die Wiedereröffnung. Wichtigste Voraussetzung: Pro Kunde müssen 20 Quadratmeter bereit stehen, wer 800 Quadratmeter Verkaufsfläche hat, darf also 40 Kauflustige auf einmal hereinlassen. Regeln lässt sich das auf verschiedenen Wegen, elektronisch, mit Abreißnummern oder Karten. Außerdem muss für Angestellte und Kunden Nasen-Mund-Schutz bereitliegen. Ausreichend Desinfektionsmittel ebenso vorhanden sein wie die Spuckschutz-Scheibe an der Kasse. Unterstützung dabei hat bereits der Gewerbeverband Rosenheim zugesagt. Und diese verbunden mit einem Appell des Vorsitzenden Anton Heindl. Er fordert die Kunden auf, weiterhin die Geschäfte vor Ort zu unterstützen, um die Umsätze in der Region zu halten. „Gesellschaft, Politik und Wirtschaft müssen zusammenarbeiten und gemeinsam das Augenmerk weiterhin auf unseren regionalen Einzelhandel und unsere Gastronomie richten“, schreibt Heindl in einer Mitteilung.
Gute Vorbereitung
ist unerlässlich
Damit der Neuanfang gelingt, rät Adlmaier den Mitgliedern im City-Management dazu, gut vorbereitet zu sein. Wer die Auflagen nicht erfülle und trotzdem aufsperre, der fahre „ein sehr großes Risiko“. Wie Hans Schussmann geht Paul Adlmaier davon aus, dass es Kontrollen geben wird. Doch die Freude über den Neustart soll das nicht trüben. Zumal Adlmaier zuversichtlich ist, dass die Rosenheimer eine gewisse „Lust aufs Einkaufen“ haben werden. Endlich wieder durch die Stadt schlendern und andere Menschen sehen, das sei doch Lebensqualität.