Rosenheim – Lange Schlangen, Absperrungen und Schilder mit Hygienehinweisen: So sah er aus, der erste Tag in Rosenheims Gartencentern und Baumärkten nach vier Wochen Zwangspause aufgrund der Corona-Krise. Ein Besuch vor Ort.
425 Kunden sind im
Gartencenter erlaubt
Für Maximilian Prentl (48) und Florian Nickl (37) war der gestrige Tag so etwas wie der Anfang der Rückkehr in die Normalität. „Ich bin froh, dass wir endlich wieder geöffnet haben“, sagt Nickl, der Geschäftsführer des „Bellandris Gartencenter Rosenheim“. Vor seinem Geschäft sind Metallzäune aufgebaut, Ein- und Ausgang sind strikt voneinander getrennt. Überall hängen Schilder, die die Kunden auf den Mindestabstand und die Hygieneregeln hinweisen. Direkt am Eingang steht ein Mitarbeiter, der wegen des Coronavirus Einkaufswagen desinfiziert und anschließend an die Kunden verteilt. „Über die Einkaufswagen regulieren wir die Besucheranzahl“, sagt Nickl. Pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche darf er maximal einen Kunden einlassen. Heißt: Bei einer Verkaufsfläche von 8500 Quadratmetern dürften 425 Kunden zeitgleich im Gartencenter einkaufen.
Eine Tafel mit den
wichtigsten Regeln
Im Gartencenter selbst herrscht reges Treiben. Auf dem Boden sind Markierungen angebracht, die den Mindestabstand kennzeichnen. An den Kassen und Beratungstheken hängen Plexiglasscheiben. Die Mitarbeiter und etliche Kunden tragen einen Mund-Nasen-Schutz.
Ähnlich die Situation in der Gärtnerei Prentl: Auf einer Tafel am Eingangsbereich stehen die wichtigsten Vorschriften. So dürfen Kunden das Geschäft nur mit einem Mund-Nasen-Schutz und einem Einkaufswagen betreten. Direkt am Eingang steht ein Spender mit Desinfektionsmittel, ein zweiter steht an der Kasse. Insgesamt dürfen sich nur 50 Kunden zur gleichen Zeit in der Gärtnerei aufhalten. „Bis jetzt funktioniert es ganz gut. Fast alle Kunden halten sich an die Regeln“, sagt Geschäftsführer Maximilian Prentl. Tagelang habe er sich auf die Wiedereröffnung vorbereitet. Er hat, gemeinsam mit dem bayerischen Gärtnereiverband, zwei Vorrichtungen zum Spuckschutz bestellt, dazu Visiere für seine zwölf Mitarbeiter.
Der von Prentl befürchtete Ansturm aber blieb aus. Zum Glück. „Eigentlich ist es wie ein ganz normaler Tag“, sagt er.
Einen größeren Ansturm gab es dafür im Baumarkt OBI im Aicherpark. „Wir haben unheimlich viel zu tun“, sagt der Geschäftsführer schon am Vormittag am Telefon. Ein Besuch vor Ort bestätigt das. Freie Parkplätze gibt es kaum noch. Auch hier stehen Metallzäune, ein Mitarbeiter kümmert sich um das Desinfizieren der Einkaufswagen. Im Einkaufsbereich hängen Schilder, die auf die Verhaltensregeln hinweisen. Im Kassen- und Servicebereich wurden Plexiglasscheiben aufgestellt, an der Kasse dürfen maximal fünf Menschen stehen. Beratungstermine finden zum Schutz von Kunden und Mitarbeitern nicht mehr statt. Die meisten Kunden reagieren verständnisvoll, nehmen das lange Anstehen klaglos hin. „Hilft ja nichts“, sagt ein älterer Herr, als er seinen Einkaufswagen in Richtung Auto schiebt.
Und auch Maximilian Prentl und Florian Nickl nehmen die Regeln und Vorschriften ohne Zögern in Kauf. Zu groß ist die Erleichterung, nach vier Wochen Zwangspause wieder geöffnet zu haben. „Wir haben über 90 Prozent Umsatz verloren“, sagt Nickl.
Onlinehandel und
Parkplatzverkauf
Während der Schließung hat er, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern, einen Onlinehandel ins Leben gerufen. Sie haben sich ein Sortiment überlegt, von den 250 Artikeln Fotos gemacht und einen kurzen Text dazugeschrieben. Auch die Auslieferungen übernahmen sie selbst. „Es war eine richtige Nacht- und Nebelaktion“, sagt Nickl. Zudem gab es täglich einen Parkplatzverkauf mit Vertrauenskasse. Das hat finanziell ein wenig geholfen. Trotzdem sei die Situation schwierig. „Wir müssen jeden Euro zweimal umdrehen“, sagt er.
100 Bestellungen
am ersten Tag
Etwas besser geht es Maximilian Prentl, auch weil der „Lieferservice wahnsinnig gut angenommen wurde“. Bereits am ersten Tag habe es 100 Bestellungen gegeben. Außerdem bot auch Prentl einen Parkplatzverkauf an.
Und auch wenn die beiden Männer die Krise kreativ gemeistert haben, freuen sie sich doch über ein Stück Normalität, die seit gestern Einzug gehalten hat.