Klimastreik von zu Hause

von Redaktion

So demonstrieren die „Fridays for Future“-Aktivisten während der Corona-Krise

Rosenheim – Netzstreik statt Demos in der Öffentlichkeit: Aufgrund der Corona-Krise mussten auch die Aktivisten der „Fridays for Future“-Bewegung einiges ändern. Wie sich die Jugendlichen trotzdem weiterhin für das Klima einsetzen. 

Eine ungewollte
Rückzugsphase

Eigentlich hätten am heutigen Freitag die Straßen wieder voll sein sollen: Die „Fridays for Future“-Bewegung hatte zum weltweiten Klimastreik aufgerufen. Doch die Lage um Covid-19 lässt keine Demonstrationen zu.  „Wir mussten unsere Demos natürlich auch absagen, genauso wie die „Scientists“ und die „Parents for Future“. Es ist eine ungewollte Rückzugsphase“, sagt Paula Reissinger. Die 17-jährige gehört zum Gründungsteam der „Fridays for Rosenheim“-Bewegung und hat neben ihrem Einsatz für die Klimagerechtigkeit zur Zeit auch mit Abiturstress zu kämpfen.

Zum weltweiten Klimastreik am Freitag wollen die Jugendlichen vor allem auf Aktionen des Dachverbandes „Fridays for Future Deutschland“ aufmerksam machen. Diese bieten unter anderem sogenannte „Webinare“ mit Vorträgen von Wissenschaftlern über Klimaschutz an. Auch die Demonstrationen auf der Straße sollen in das Internet verlegt werden: Schon seit einigen Wochen ruft die Bewegung zum „Netzstreik“ auf.

Der Netzstreik soll das Thema „Klimawandel“ in der Bevölkerung präsent halten. Wer Mitmachen will, muss nur ein Demoschild basteln, sich selbst damit fotografieren und dieses Bild am Freitag im sozialen Medium seiner Wahl posten.

„Fridays for Future Rosenheim“ will sich unter anderem mit einer Fotostrecke beteiligen, die sich mit den Auswirkungen der CoronaKrise auf den Klimaschutz beschäftigt.

Doch auch hinter den Kulissen wollen die „Fridays“, die „Parents“ und die „Scientists for Future“ in Rosenheim, die alle eng zusammenarbeiten, nicht untätig bleiben. „Wir betreiben gerade viel Lobbyarbeit bei den neu gewählten Stadträten, damit diese sich im Stadtrat für unsere Forderungen einsetzen“, sagt Manni Maier (53) von „Parents for Future“. „Wir schicken den verschiedenen Fraktionen, außer der AfD, vorformulierte Anträge zu konkreten Themen, wie die Wiederaufnahme des städtischen Klimaschutzkonzeptes, die Ausweitung der Fußgängerzonen und die Idee der ,grünen Stadt‘.“

Auch zum Planen weiterer Aktionen soll die Zeit während Corona genutzt werden. „Wir machen gerade viel Brainstorming, haben aber noch nichts Konkretes geplant“, sagt Reissinger.

Aufgrund des großen Angebots des Dachverbandes müsse man sich erst überlegen, was in Rosenheim noch angenommen werden könnte. Im Gespräch seien zum Beispiel Webinare von Professoren der Technischen Hochschule, die sich auch bei den „Scientists for Future Rosenheim“ engagieren.

Langfristige
Maßnahmen

Einig sind sich die Aktivisten, dass sie jetzt nicht aufhören dürften. „Genau so wie sich Gastronomen überlegen müssen, wie es weitergeht, müssen wir das auch“, sagt Reissinger. Der weltweite Lockdown habe vielleicht kurzfristig einen positiven Effekt auf den CO2-Ausstoß, beim Klimaschutz brauche man aber langfristige Maßnahmen. Für die Abiturientin ist klar: „Trotz der Corona-Krise dürfen wir andere Krisen nicht aus dem Blickwinkel verlieren.“ Kilian Schroeder

Artikel 10 von 11