Die Grande Dame geht

von Redaktion

Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer legt ihr Amt nieder – Viel Lob für ihr Engagement

Rosenheim – Keine Feier, keine Posaunen und kaum Publikum: Nach 18 Jahren als Oberbürgermeisterin der Stadt Rosenheim legt Gabriele Bauer (CSU) ihr Amt nieder. Leise. Aufgrund der Corona-Krise wird es vorerst keine Feierlichkeiten geben. Im jüngsten Pandemie-Rat lobten die Stadträte Bauers Führungsstil und würdigten ihre Verdienste um die Stadt und ihre Menschen mit einem minutenlangen Applaus.

Es war ein emotionaler Abschied. Am Ende der Sitzung, der letzten, die sie leitete, war Gabriele Bauer (68) sichtlich gerührt. Sie lobte die Arbeit des Stadtrats, die der Verwaltung. „Es geht nur, wenn alle gemeinsam arbeiten“, sagte sie, sprach davon, dass auch eine Oberbürgermeisterin nur „eine Stimme“ habe. Sie entschuldigte sich für gemachte Fehler, für „Dinge, die sie übersehen habe“. „Es war nie meine Absicht, jemanden zu verletzen.“ Zufrieden sei sie trotzdem, übergebe ihren Posten gerne an Nachfolger Andreas März (CSU). Sie wünschte ihm und dem neuen Stadtrat Glück und Erfolg, aber auch Kraft, um die Krise „gemeinsam zu bewältigen“.

Glückwünsche und Lob gab es auch von etlichen Stadträten und Fraktionschefs. Einige äußerten sich bereits im Pandemie-Rat, andere später. Ein Überblick.

Andreas März (CSU): „Sie ist eine Persönlichkeit in Rosenheim. Eine Erscheinung. Man hat immer sofort gespürt, sie ist die erste Bürgerin der Stadt. Sie hat jeden einzelnen Bürger ernst genommen und sie hat jedem Bürger das Gefühl gegeben, dass er wichtig ist und sein Problem zu ihrem gemacht. Das hat sie wirklich exzellent beherrscht. Sie hat die Mitmenschlichkeit in der Stadt gelebt, ihr Schwerpunkt war der soziale, gesellschaftliche Zusammenhalt und dessen Förderung. Kennengelernt habe ich sie in den 1990er-Jahren. Damals saß sie manchmal neben meinem Vater beim Eishockey. Ich war auch dabei, aber ich wusste nur, dass sie die „Frau Bauer“ ist. Heute bin ich ihr Nachfolger.“

Daniel Artmann (CSU): „Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer gehört für mich zu den besten und profiliertesten Kommunalpolitikern in unserem Land. Für Rosenheim war sie 18 Jahre lang ein echter Glücksfall. Mit der Bewerbung und Durchführung der Landesgartenschau hat sie das Rosenheimer Stadtbild positiv geprägt und ein wunderbares Naherholungsgebiet an Inn und Mangfall geschaffen. Aber auch in schwierigen Zeiten wie dem Hochwasser 2013 hat sie Führungsstärke und absolute Empathie für ihre Bürger bewiesen. Sie ist Tag und Nacht in Gummistiefeln nah am Geschehen gewesen und hat sofort unbürokratische Hilfen gewährt. Ihr Ergebnis von knapp 70 Prozent bei der letzten Wahl hat gezeigt, dass Gabriele Bauer über alle Partei- und Gesellschaftsgrenzen hinweg, Oberbürgermeisterin für alle Rosenheimer war.“

Herbert Borrmann (CSU): „Ich fand immer, dass sie mit den Menschen auf Augenhöhe gesprochen hat. Sie hat sie angenommen, in dem, was sie sind, ganz gleich, aus welcher Schicht oder aus welchem Bildungsmilieu sie kamen. Das war unheimlich toll. Außerdem hatte sie eine unglaubliche Präsenz vor Ort. Ihre Arbeitsleistung war unglaublich und reichte weit über die Oberbürgermeister-Pflicht hinaus. Was mir auch immer gefallen hat: Dass sie sich interessiert hat für die persönlichen Probleme der Menschen. Mit dieser Eigenschaft hatte sie etwas Übergreifendes, ich möchte fast sagen, etwas Präsidiales. Gerne erinnere ich mich daran, dass wir so manches Mal bei Veranstaltungen nicht vorne, sondern ganz hinten gesessen sind und dann gemeinsam über Politik und Menschen diskutiert haben.“

Anton Heindl (CSU): „Es war eine schöne Zeit und eine große Ehre für mich, dass ich unsere Oberbürgermeisterin als Zweiter Bürgermeister begleiten durfte. Es war immer eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ich wünsche ihr alles Gute für die Zukunft und viel Zeit für angenehme Aktivitäten, für die Sie als Oberbürgermeisterin zu wenig Zeit gehabt hat.“

Robert Metzger (SPD): „Ich muss sagen, dass mich mit ihr eine tolle Zusammenarbeit verbindet, auch wenn ich eine kritische und manchmal auch emotionale Oppositionsarbeit geleistet habe. Ihre ruhige Hand, die habe ich sehr geschätzt, das war gut, gerade für so emotionale Menschen wie mich. Sie hat immer versucht, die Dinge auszuglätten, das Gemeinsame gesucht. Ihr Arbeitsstil war sachlich, zwar kritisch, aber nie persönlich. Man hat sich an einem Thema abgearbeitet, nicht am Menschen. Und so blieben am Ende einer Diskussion nicht beschädigte Menschen zurück, sondern ein geklärtes Thema.“

Elisabeth Jordan (SPD): „Ich möchte mich für die gute Zusammenarbeit über die Parteigrenzen hinweg bedanken. Es hat immer einen respektvollen Umgang miteinander gegeben. Ihre Art, auf die Menschen zuzugehen war immer einfühlsam und empathisch. Sie war eine sehr professionelle Oberbürgermeisterin.

Franz Opperer (Grüne): „Ein Bild, das mir in Erinnerung bleiben wird, ist ihr Engagement während der Flüchtlingskrise. Wir anderen Parteien haben ihr Applaus gezollt. Aber die eigene Partei hat ihr den Beifall verwehrt. Gabriele Bauer ist hochanständig und klar in ihrer Haltung. Eine äußerst integrative Frau, die es geschafft hat, Rosenheim ein neues Gesicht zu geben. Und sie hat die Stadt sehr stark nach außen repräsentiert. Ihre Arbeit im Stadtrat habe ich als sehr fleißig und ausgleichend erlebt. Und auch, wenn es ab und an temperamentvolle und emotionale Momente gab: Das konnte und kann ich gut nachvollziehen. Es spricht für ihre Leidenschaft in der Sache. Politisch waren wir nicht einer Meinung. Aber in den großen Themen, Flüchtlingsproblematik, Hochwasser und Landesgartenschau, da herrschte Einigkeit. Ich gönne ihr den Ruhestand und ich hätte ihr einen freundlicheren und auch öffentlicheren Abschied aus dem Amt gewünscht.“

Horst Halser (ÖDP): „Ich kenne Gabriele Bauer schon sehr lange und schätze sie sowohl als Mensch, als auch als Oberbürgermeisterin. Sie war immer für jedes Gespräch bereit, hatte immer ein offenes Ohr für soziale Fragen. Ich schätze sehr, dass sie von Anfang an Verständnis für mich als Einzelkämpfer hatte. Ich habe mich immer verstanden gefühlt. Sie war eine gute Stadtmutter und eine gute Oberbürgermeisterin für die Stadt Rosenheim.“

Beate Burkl (Freie Wähler/UP): „Ich habe in den vergangenen 18 Jahren eng mit der Oberbürgermeisterin zusammengearbeitet. Es waren prägende und sehr spannende Jahre für Rosenheim. Es ist ihr gelungen, als erste Frau an der Spitze der Stadt, viele Projekte anzustoßen und durchzuführen. Immer in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtrat. Sie hat Rosenheim sehr gut nach außen vertreten und hat sich immer für den Kontakt zu unseren Partnerstädten eingesetzt.“

Maria Knott-Klausner (FDP): „Sie ist mit allen Parteien sehr respektvoll umgegangen. Sie war eine Oberbürgermeisterin für alle, wollte immer, dass alle Stadträte hinter einer Entscheidung stehen. Sie ist auf die Bürger zugegangen, hatte für jeden ein offenes Ohr. Wir haben uns im Vorstand des Kinderschutzbundes kennengelernt, hatten seitdem eine sehr respektvolle Beziehung. Ich schätze sie sehr.“

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