Rosenheim/Kapstadt – Eigentlich wollte sie am 22. März wieder zurück im heimischen Rosenheim sein, nach zehnwöchigem Aufenthalt im Krüger-Nationalpark im Nordosten von Südafrika. Doch der Ausbruch der Corona-Krise machte Sarah Wieser einen Strich durch die Rechnung: Annähernd vier zusätzliche Wochen musste sie in Kapstadt ausharren, unter strikten Ausgangsbeschränkungen. „Es war alles sehr streng dort. Man durfte das Haus nur verlassen, um einkaufen oder zum Arzt zu gehen. Draußen Sport oder Spaziergänge zu machen, war nicht erlaubt“, sagt die 18-Jährige. „Und wenn ich einkaufen war, musste ich das mit dem Kassenbon nachweisen können.“
Arbeit im Krüger-Nationalpark
Vor dem unfreiwilligen Aufschub der Heimreise hat sie acht Wochen lang im Krüger-Nationalpark in einem Freiwilligenprojekt gearbeitet. Daten von Tieren erfassen (Lebensraum, Population, Fortpflanzung) und die Instandhaltung des Reservats (Ausbesserung von Straßen) gehörten zu ihren Aufgaben. Und natürlich ganz oft wilde Tiere beobachten und Fotos schießen. „Das war bis jetzt die beste Zeit meines Lebens“, sagt Wieser, „auch wenn ab und zu der Strom ausgefallen ist und die Wasserpumpe mal kaputtgegangen ist.“
Im Anschluss an die acht Wochen im Reservat ging sie mit ein paar anderen Jugendlichen auf eine Rundreise in der Nähe von Kapstadt. Ein paar Tage vor ihrem Ende verkündete der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa in einer Fernsehansprache die Ausgangsbeschränkungen, die bald beginnen würden. „Mein ursprünglicher Flug am 21. März wurde abgesagt, die Ersatzflüge einen beziehungsweise elf Tage später dann auch“, sagt Wieser.
Da das Projekt, das vom den Reiseanbieter „Praktikawelten“ organisiert wurde, zu diesem Zeitpunkt bereits beendet war, musste sie sich selbst um ihre Heimkehr kümmern. „Zusammen mit meiner Mama habe ich versucht, noch einen Flug zurück nach Deutschland zu bekommen. Aber es waren alle ausgebucht und irgendwann gab es gar keine Flüge mehr ins Ausland“, erzählt die Rosenheimerin.
Was nun? „Am Anfang war ich etwas panisch, weil ich nicht wusste, wohin ich solle oder wann ich nach Hause kann. Das war unangenehm.“ Mit einer Freundin, die sie bei dem Projekt kennengelernt hatte und die auch in Südafrika festsaß, wandte sich Wieser an „Praktikawelten“. Die Organisation hat den beiden den Kontakt zu einer Frau in einem Vorort von Kapstadt vermittelt, die schon öfters Freiwillige von „Praktikawelten“ aufgenommen hat. Bei ihr fanden sie eine Unterkunft.
Diese war aber auch nicht umsonst, sondern kostet 200 Rand pro Nacht. Das entspricht ungefähr zehn Euro. Diese musste Wieser aus eigener Tasche zahlen. „Ich musste in den vier Wochen für alles selbst aufkommen. Das Projekt war ja vorbei“, sagt sie.
Hinzu kamen Unsicherheit bezüglich der Rückreise und – auch wenn es sich banal anhört – Langeweile. Da Ausgehen nicht wirklich erlaubt war, las sie viel oder schaute fern. „Natürlich habe ich in der Zeit auch meine Familie vermisst. Aber insgesamt war es nicht schlimm, denn uns ging es ja gut“, sagt die 18-Jährige.
Irgendwann kam die Nachricht: Es gibt einen Rückholflug, am 19. April, organisiert vom Auswärtigen Amt. Davor mussten Wieser und ihre Freundin erst einmal zum Sammelpunkt fahren, der sich im Fußballstadion von Kapstadt befand. „Dort wurde unsere Temperatur gemessen und Handschuhe sowie Mundschutz verteilt“, sagt sie. Anschließend ging es mit Bussen zum Flughafen, der pro Tag nur für einen Flug öffnet. „Das war ein sehr merkwürdiges Gefühl. Alles war leer und dunkel. Wir waren die Einzigen im gesamten Gebäude.“
Nach elf Stunden landete das Flugzeug in Frankfurt am Main. Von dort aus ging es für Wieser mit dem Zug nach München zurück. Das Zugticket musste sie nicht selbst bezahlen, da die Deutsche Bahn die Rückholaktionen der Bundesregierung unterstützt. Flugtickets gelten in DB-Zügen als Fahrkarten, falls Rückflüge nicht bis zum gesetzten Zielort ankommen. Anders sieht es bei den Kosten für den Rückflug aus. „Den habe ich noch nicht bezahlt und ich weiß auch noch gar nicht, wie viel er kosten wird“, sagt Wieser.
Rückreise nach Kapstadt fest im Blick
Bis zur Ankunft daheim in Rosenheim war sie über 24 Stunden unterwegs. Da war nicht nur sie, sondern auch ihre Eltern froh. „Die waren sehr gestresst, als ich noch in Südafrika festsaß. Sie haben permanent versucht, Flüge zu finden. Das war keine schöne Situation.“
Von den strengen Ausgangsbeschränkungen in Afrika ging es zurück in Deutschland in eine volle Quarantäne. Zwei Wochen durfte Wieser das Haus nicht verlassen. Sie sei froh, wenn sie wieder nach draußen dürfe. „Vor allem, weil ich in den Wochen in Südafrika so viel in der Natur war. Das geht mir schon ab.“ Die Situation in Deutschland sei jedoch um einiges angenehmer als in Kapstadt. „Hier sind die Beschränkungen nach der Quarantäne nicht so streng, man darf nach draußen und auch wieder Freunde treffen“, sagt sie.
Eines steht jedoch fest: Sobald die Corona-Krise vorbei ist, fliegt Wieser wieder nach Südafrika. „Mir gefällt es dort einfach so gut.“