Das Ende des Filmpalastes

von Redaktion

In der Samerstraße 1 entsteht mit „Roxy“ ein neues Wohn- und Geschäftshaus

Rosenheim – Das Erscheinungsbild der Samerstraße in Rosenheim wird sich in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Dort, wo seit mehr als 60 Jahren der Filmpalast steht, soll ein neues Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage entstehen. Im jüngsten Pandemie-Rat stimmten die Stadträte dem Vorbescheid für „Roxy“ einstimmig zu. Das Problem dabei: Die derzeitigen Mieter wissen noch nichts von dem Projekt.

Andreas Wimmer (49) hat große Pläne. Für sich selbst, sein Haus und die Nachbarschaft am Roxyberg. Wimmer ist der Eigentümer des Gebäudes in der Samerstraße 1, in dem einst „Bayerns modernstes Kino“ seinen Sitz hatte. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Aus dem Kinosaal ist mittlerweile eine Tiefgarage geworden, im ehemaligen Foyer verkauft das Bayerische Rote Kreuz Kleider und Haushaltswaren. In den fünf Stockwerken darüber befinden sich 21 Wohnungen. Außerdem vermietet Wimmer einen Teil seiner Räumlichkeiten an einen Friseur, ein Bistro und ein Eventbüro. Sie alle müssen sich im kommenden Jahr nach „einem alternativen Standort“ umsehen. Denn Wimmer lässt das alte Gebäude abreißen, will es durch ein „modernes Gebäude“ ersetzen. Eine Entscheidung, die unumgänglich war, wie Wimmer sagt.

Sanierung
nicht sinnvoll

„In den vergangenen Jahren haben wir die Mehrkosten nicht mehr über die Miete reinbekommen“, sagt er. Das Haus sei baufällig, eine Sanierung „aus vielerlei Gründen nicht sinnvoll und wirtschaftlich“. Wimmer spricht von „einer schlechten Bauweise“, „keiner Isolation“ und „nicht mehr zeitgemäßen Wohnungen“. Reparaturen und Ausbesserungen hätten von Jahr zu Jahr zugenommen. „Es ist immer schlimmer geworden. Es war ein Fass ohne Boden“, sagt Wimmer. Er wusste, dass er handeln muss. Gemeinsam mit Tobias Tomczyk (43), dem Geschäftsführer der „Herto Projektgesellschaft“ in Kolbermoor, arbeitete er an einer Idee, einem Plan, wie die Zukunft seines Gebäudes aussehen könnte. Heute, ein Jahr später, ist aus der Idee eine genaue Vorstellung geworden. Das Projektmanagement übernimmt die Herto Gruppe. Die „Roseus Projekt GmbH & Co. KG“ tritt als Bauherr auf.

Der Architekt Carl Schleburg hat „Roxy“ entworfen, ein „modernes Gebäude“ mit sieben gestaffelt angeordneten Geschossen und einer Wandhöhe von 24,3 Metern. Insgesamt sollen 46 Wohnungen entstehen. In den unteren Geschossen wollen Wimmer und Tomczyk „bezahlbaren Wohnraum“ schaffen. Zwei Drittel aller Wohneinheiten seien förderfähige Wohnungen nach dem EOF-Modell der Regierung von Oberbayern, teilen die beiden in einer Pressemeldung mit. Es gelten daher genaue Vorschriften: Unter anderem ist eine Größe zwischen 36 und 55 Quadratmeter vorgeschrieben, je nach der Zahl der Menschen, die in einem Haushalt leben.

Im oberen Teil des Gebäudes sollen, so sieht es die Planung des Architekten vor, größere Wohnungen entstehen, mit „viel Glasfläche und großzügigen Terrassen“. Angeboten werden sie als Eigentumswohnungen. Im Nordwesten ist ein „ruhiger Innenhof“ geplant. Der Neubau soll mit 24,3 Metern der „Hochpunkt des Areals“ werden. Dezernent Herbert Hoch gab im Pandemie-Rat zu bedenken, dass sich eben diese Höhenentwicklung in der Nachbarschaft „nicht fortsetzen sollte“. Die Stadtverwaltung schlug deshalb vor, ein Bebauungsplanverfahren durchzuführen, um die „weitere bauliche Entwicklung im Bereich Samerstraße, Schmetterstraße und Am Roßacker“ zu steuern. Die Stadträte stimmten diesem Vorschlag einstimmig zu. Eine Abstimmung, über die sich vor allem Andreas Wimmer freut: „Es ist ein gutes Zeichen und zeigt, dass wir mit unserer Idee nicht vollkommen falsch liegen.“

Wie hoch die Kosten des Neubaus sein werden, sei noch offen. „Wir rechnen mit einer zweistelligen Millionenhöhe“, sagt Tomczyk.

Eine hohe Summe, von der sich Andreas Wimmer nicht abschrecken lässt. Eben weil ihm das Grundstück am Herzen liegt, es seit fast 60 Jahren im Besitz seiner Familie und er selbst in dem grauen Gebäude in der Samerstraße 1 aufgewachsen ist.

Baustart für Herbst
2021 geplant

Seine Oma war im Jahr 1980 gestorben und hatte das Haus an Wimmers Mutter vererbt. Als diese vor 16 Jahren nach Spanien auswanderte, ging der Besitz in die Hände von Andreas Wimmer über. Und mit ihm jede Menge Arbeit. Und die wird auch in den kommenden Monaten nicht weniger. Der Baustart ist für Herbst 2021 geplant, der Abriss für einige Wochen davor.

Doch bevor es so weit ist, muss Wimmer noch eine Sache machen, die er schon seit einigen Monaten vor sich herschiebt: Er muss die Mieter informieren, denn das Haus ist voll bewohnt. Von Studenten, aber auch von Mietern, die seit mehr als 50 Jahren in dem Gebäude ihr Zuhause haben. „Meine damalige Nachbarin wohnt immer noch dort“, sagt Wimmer. Er sei sich der „sozialen Tragweite des Projekts“ bewusst, habe sich „sehr viele Gedanken gemacht“. Das Gespräch zu den Mietern habe er noch nicht gesucht, weil er sie „aufgrund der Corona-Krise nicht doppelt belasten wollte“. Dass jetzt viele ihr Schicksal aus der Zeitung erfahren, nehme er in Kauf.

Trotzdem will er in einigen Wochen auf die Mieter zugehen, will sie zu einem „persönlichen Gespräch“ einladen und nach Alternativen, Zuschüssen und Umzugshilfen suchen. Erst dann will und kann Wimmer seine Pläne für „Roxy“ in die Realität umsetzen.

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