Leserforum

Punktgenauer Erlebnisbericht vom Kriegsende in Rosenheim

von Redaktion

Zum Bericht „Der Anfang nach dem Ende“ (Lokalteil)

Vielen Dank für diesen punktgenauen Erlebnisbericht aus unserer Region Rosenheim! Das haben die meisten von uns nicht persönlich erlebt, deshalb war dieser Beitrag sehr wichtig. Was den Verfasser Herrn Hilmar Mund auch ehrt, ist, dass er sich nicht politisch instrumentalisieren ließ: Ich konnte keinen belehrenden Fingerzeig auf die üblichen Schuldigen finden.

Dr. Reimar Fröhlich

Rosenheim

Im Artikel wird beschrieben, wie ein sechsjähriger Rosenheimer das Kriegsende erlebt hat. Ich bin zwei Jahre jünger, meine Erlebnisse waren ähnlich.

In der Kaiserstraße gab es ein Vorderhaus und ein Rückgebäude. Im Rückgebäude war ein Luftschutzkeller. Ich habe diesen Keller dieser Tage aufgesucht. In meiner Erinnerung hat er sich kaum verändert. Hier versammelten sich bei Fliegeralarm die Bewohner der beiden Häuser: drei ältere Männer, zehn Frauen und fünf Kinder. Zwei Kinder waren in meinem Alter, sie gehörten zur Familie Neubauer, die eine Metzgerei betrieb. Dies war insofern von Bedeutung, als eine Metzgerei trotz Lebensmittelknappheit etwas mehr Reserven hatte, was dazu führte, dass regelmäßig Wienerwürstchen an die Kinder verteilt wurden. Fliegeralarm war bei mir positiv besetzt.

Wie Herr Hilmar Mund hatte ich kein Gefahrenbewusstsein und war enttäuscht, wenn wieder nichts passiert war. Dies trug mir die Missbilligung der Hausgemeinschaft ein. Aber auch das Wohlwollen der Hausgemeinschaft habe ich erlebt, nämlich bei der Ankunft der US-Panzer. Hier war die Hausgemeinschaft dafür, dass ich die weiße Fahne schwingen sollte. Es gab nämlich das Verdikt der SS, dass jeder erschossen würde, der mit einer weißen Fahne erwischt wird. Im vierten Stock hielten mich zwei Erwachsene an den Füßen fest und ich schwenkte ein weißes Betttuch. Da kamen auch schon die Panzer die Kaiserstraße herauf. Im Vordersitz saß ein Afroamerikaner mit unglaublich schwarzer Haut und unglaublich weißen Zähnen. Er lachte und winkte mir zu. Damit war der Krieg für Rosenheim zu Ende. Für mich gab es in den nächsten Wochen Kaugummi, Cadbury-Schokolade und eine Orange. Für unser Land begann eine noch nie dagewesene Friedensperiode.

Dr. Heinz Brecht

Söchtenau

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