Rosenheim – Ein Bild von einer Oberbürgermeisterin: 18 Jahre lang prägte Gabriele Bauer Rosenheim. Wie die 18 Jahre sie prägten, kann man nun im Rathaus sehen, dank des trefflichen Porträts, gemalt von Gerhard Prokop. Am Dienstag wurde es enthüllt.
Was Gabriele Bauers
Porträt zeigt
Bemerkenswert ist, dass der Künstler Gerhard Prokop ein Fotorealist mit feinem Strich ist. Resultat: Man sieht, wie mit Blitzlicht ausgeleuchtet, jede Strähne, jede Wimper, jede Falte. Man kann auch sagen: Es ist präzis, es ist sezierend, es ist unbestechlich oder gnadenlos, je nach Blickwinkel. Ganz am Anfang ihrer Zeit als Oberbürgermeisterin habe ihr jemand geraten, sie solle sich gleich fotografieren lassen, man glaube ja nicht, was das Leben in der Politik mit einem mache, sagte Gabriele Bauer den Gästen aus Kultur, Verwaltung und Stadtpolitik. „Es hat mich verändert, und ich bin dankbar dafür.“
Die Botschaft des
Porträts
Die Bildnisse der Ex-Oberbürgermeister sind keine Herrscherbilder wie das vom Prinzregenten im Königlich Bayerischen Amtsgericht, es ist kein gemalter Stellvertreter, vielmehr ist es eine Ehrung. Es zeigt, wie der Geehrte der Nachwelt in Erinnerung bleiben möchte. Im Falle Gabriele Bauers ist der Blick leicht über die linke Schulter des Betrachters hinweg in die Ferne gerichtet, der rechte Mundwinkel hauchzart nach oben gezogen. Man kann darin Weitsicht und ironische Distanz sehen, aber auch Entspannung und nachdenkliches Innehalten – gar nicht so einfach, das in einer Momentaufnahme unterzubringen. Auch der Hintergrund hat etwas zu sagen. Wir sehen die Täfelung des großen Sitzungssaals. Gabriele Bauer präsentiert sich nicht als Alleinherrscherin, sondern als Mitglied eines Gremiums, offen für Beratungen und Diskussionen.
Wer ist Gerhard
Prokop?
Gerhard Prokop (69) ist eine feste Größe der Rosenheimer Kunstszene. Der Maler, Fotorealist feinster Schule, ist bekannt vor allem für seine altmeisterlich gemalten, menschenleeren Landschafts- und Stadtporträts. Derzeit, Reisen geht ja nicht so gut gerade, fertigt er Gouachen an, Skizzen von Stadtansichten, gewonnen über Google Earth. „Mich hat der privilegierte Blick gereizt“, sagt er zu seinen „Quarantäne-Bildern“.
Eine schwierige
Kundin?
Überhaupt nicht, sagt Gerhard Prokop. Die Vorlage gewann er in Foto-Sitzungen. „Frau Bauer hat sich die Ergebnisse im Kamerabildschirm angesehen und auf einmal gesagt: ,Das ist es!‘ Ja, und das war es denn tatsächlich.“
Wie ist das Bild
entstanden?
Erst die Fotositzung, dann die Auswahl, dann das Komponieren, das Zusammensetzen in Photoshop. So geht Gerhard Prokop üblicherweise vor. In diesem Falle ist zum Beispiel der Hintergrund dazugestellt worden, die Täfelung des Sitzungssaals. Das markante Gittermuster entzerrte er perspektivisch und schob es so in den Hintergrund, dass die Linien nicht den Aufbau des Porträts an sich konterkarieren. Golden schimmerndes Braun mit blauen und türkisen Quadraten: erinnert ganz leicht an Gustav Klimts „goldene Adele“. Das Bild zu malen habe ihn „in Etappen“ über mehrere Wochen hinweg in Anspruch genommen.
Was sonst bei der
Enthüllung los war
Zwei Dutzend Gäste gaben sich mit viel Abstand die Ehre. Bauers Nachfolger Andreas März, ebenfalls CSU, hielt sich bei der Begrüßung kurz, schließlich stand da ja noch eine Sitzung auf dem Programm. Der Maler wiederum bekam von Gabriele Bauer eine Rose überreicht. Und ein Kompliment. „Es ist so toll“, sagte sie, und: „Ich würde ihn am liebsten drücken.“ Das ließ sie dann aber lieber sein, wegen Corona, auch wenn man sich zur Enthüllung kurz entschlossen aus dem Foyer in den Hof an die frische Luft begeben hatte. Und sonst? Das Leben im Ruhestand sei gut auszuhalten, erzählte Gabriele Bauer, sie nutze die Zeit, aufzuräumen, die neue Ordnung aber sei so ungewohnt, dass sie nichts mehr finde. Mit dem Rathaus war es das für sie, der allerletzte Termin, man kann sagen: Mit dem roten Tuch vor der Staffelei mit dem Bild fiel der Schlussvorhang für die 18 Jahre währende Ära Bauer.