Eltern sprechen von Skandal

von Redaktion

Prinzregentenschule: Kritik an Kommunikation der Stadt

Rosenheim – Die Prinzregentenschule in Rosenheim wird deutlich erweitert. Parallel dazu sollen die Stadträte einen Standort suchen für eine weitere Grundschule. Zwei Beschlüsse aus der jüngsten Stadtratssitzung, die auf die Zukunft der Rosenheimer Schullandschaft gerichtet sind. Eigentlich gute Nachrichten. Gebe es nicht einen offensichtlich nachhaltigen Kommunikationskonflikt zwischen der Stadt und Vertretern der Prinzregentenschule.

Zusätzliches Geschoss
bringt mehr Platz

Die Wege waren kurz zwischen der jüngsten Haupt- und Finanzausschuss-Sitzung und der Stadtratssitzung: Die Stadt prüfte auf Anregung der Räte, ob der geplante Neubau aufgestockt werden kann und legte bereits Pläne zum Beschluss vor.

Demnach soll das Gebäude auf der anderen Straßenseite der Schule entstehen, auf einem Teil des Rasenspielfeldes. Und es soll nicht nur ein Obergeschoss bekommen, sondern zwei. Diese Stockwerke werden, wenn möglich, in Holzbauweise errichtet. Im Idealfall, wenn es zeitlich nicht zu aufwendig ist, sogar der gesamte Komplex. In diesem Zusammenhang regte Stadträtin Christine Degenhart (Freie Wähler/UP) an, grundsätzlich vor jedem Bauvorhaben zu prüfen, ob aus Holz gebaut werden kann. Dr. Beate Burkl befand: Ein Neubau ganz aus Holz stünde der Prinzregentenschule gut. Gelte sie doch als „Keimzelle der Hochschule“.

Die Kosten für das zusätzliche, zweite Stockwerk liegen nach Aussage von Oberbürgermeister Andreas März (CSU) bei rund 600000 Euro. Inklusive dieser Kosten ist der gesamte Neubau mit rund 5,5 Millionen Euro veranschlagt. Die Stadt hofft auf Fördermittel. Das Aufstocken um ein weiteres Geschoss sei „nicht ganz billig“ und aufgrund der Haushaltssperre „nicht einfach so zu machen“, sagte März. Aber doch wichtig genug, um der Raumnot an der Schule endlich Herr zu werden.

Platzmangel
ist unstrittig

Seit Langem ist unstrittig, dass der Platz knapp ist, rund 1000 Quadratmeter Fläche fehlen. Sie soll der Neubau bringen. Dort einziehen werden vor allem der Hort St. Vinzenz und die Mittagsverpflegung der Grundschule. Beide schaffen mit ihrem Umzug Freiraum im Hauptgebäude. Von rund 470 Quadratmetern frei werdender Fläche ist die Rede. Im Kinderhort selbst sollen in drei Gruppen 75 Kinder betreut werden, heute sind es 65. Die Mittagsbetreuung wird für rund 210 Schulkinder ausgerichtet. Derzeit sind es etwa 160 Buben und Mädchen, die im Hort essen.

Die überarbeitete Planung kommt bei den Stadträten gut an. Der Beschluss fiel einstimmig. Einig sind sie sich auch, dass Eile geboten ist – und dass die Stadt engen Kontakt halten sollte mit der Schule. Insbesondere Florian Ludwig (CSU) mahnte an, sich gut mit Schulleitung und Elternbeirat abzustimmen. Schließlich habe es erst im Februar eine „sehr emotionale Diskussion gegeben“. Ludwig sprach damit den Streit um eine Diskussionsveranstaltung zur Raumsituation an, die der Elternbeirat organisiert hatte. Weil diese Veranstaltung aber mitten im Kommunalwahlkampf lag und zu ihr auch die Oberbürgermeisterkandidaten eingeladen waren, hatte die Stadt als Sachaufwandsträger nur Stunden vorher verfügt, dass der Mehrzweckraum der Schule nicht der richtige Ort sei für eine solche Diskussionsrunde, die als politisch gelte. Letztlich fand die Veranstaltung im Pfarramt St. Marien statt. Im Nachgang dazu hat der Elternbeirat nach eigenen Angaben einen Fragenkatalog an die Stadt formuliert. Er sei bisher unbeantwortet geblieben.

Ebenso wie ein Schreiben, das Anfang März an die Stadt gegangen sei, mit der Bitte, den Dialog wieder aufzunehmen. Zuletzt in der vergangenen Woche habe man den Kontakt gesucht und bisher ebenfalls keine Antwort bekommen, sagt eine Sprecherin des Elternbeirats. Demnach habe selbst Schulleiterin Helga Wagner zuletzt am 13. März Informationen bekommen. Wagner lässt über den Elternbeirat ausrichten, sie sei „nicht über die weitere Planung informiert“. Von den Überlegungen, den Neubau aufzustocken, habe man aus der Zeitung erfahren. Eine Einladung zur jüngsten Stadtratssitzung habe es ebenfalls nicht gegeben. Das immerhin hätte doch ein Zeichen sein können, findet die Sprecherin. Nun aber fühle man sich „vollkommen außen vor“. Es sei ein „Skandal“, der Schulfamilie das Recht auf Information zu verwehren. Niemand habe die Raumplanung näher erläutert oder mit den Vertretern der Schule darüber gesprochen, wie die Kinder sicher über die Straße gehen könnten, um den Neubau zu erreichen.

Informationsfluss
stockt offenbar

Niemand habe konstruktiv nach einer Lösung gesucht, um einen Unterrichtsraum anbieten zu können, in dem der Förderlehrer all jene Kinder unterstützt, die während der Corona-Krise vom Unterricht abgeschnitten waren, weil es Probleme mit dem Homeschooling gab. Es bestehe die Gefahr, diese Kinder „zu verlieren“. Sie drohten „abgehängt“ zu werden –wie die Schule selbst dann wieder hinterherhinke.

In Summe müsse sich die Schulfamilie die Informationen „zusammenklauben“, was nicht nachvollziehbar sei. Zumal es nie darum gegangen sei, die Stadt anzugreifen, sondern darum, einen Diskurs zu führen. „Da ist aber nur Schweigen. Es ist skandalös“, sagte die Sprecherin.

Dass die Stadt weiterhin an einem Austausch mit dem Elternbeirat interessiert sei, bekräftigte Pressesprecher Thomas Bugl auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen: „Das gehört sich ja auch so.“ Allerdings machte Bugl auch klar: „Letztlich muss der Stadtrat die Entscheidungen treffen.“

Erste Ideen ins Gespräch gebracht

Parallel will die Stadt die Suche nach einem Standort für eine weitere Grundschule vorantreiben. Sie soll zusätzlich Entlastung bringen für die Prinzregentenschule, aber auch für die Astrid-Lindgren-Schule und die Schule in der Erlenau. Erste Ideen, wo die Schule gebaut werden könnte, brachten die SPD-Stadträtin Elisabeth Jordan und die Dritte Bürgermeisterin Gabriele Leicht (SPD) ins Spiel. Jordan wies auf die Lena-Christ-Straße und auf die Marienberger Straße hin: An beiden entstünden große Wohnareale. Eine nahegelegene Grundschule könne von Vorteil sein. Leicht argumentierte grundsätzlicher: Wo immer eine neue Schule gebaut würde, müsse es an einem Ort sein, „der auch fröhlicher ist für die Kinder“.

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