Muskelspiel auf Instagram

von Redaktion

Franziska Lohberger (24) aus Rosenheim ist Fitnessmodel und Influencerin

Rosenheim – Franziska Lohberger (24) aus Rosenheim ist Wettkampfathletin, Trainerin und Influencerin. Als Sportlerin hat sie bereits nationale und internationale Erfolge gefeiert, auf der digitalen Fotoplattform Instagram ist ihr, mit 182000 Followern, der Durchbruch schon vor drei Jahren geglückt. Doch seit der Corona-Krise hat sich für die 24-Jährige einiges verändert. Beruflich, aber auch daheim, in ihrem Wohnzimmer.

Fitnessstudio
im Wohnzimmer

Die weiße Hantelbank hat sich Metzgertochter Franziska Lohberger nach dem Corona-Lockdown als Erstes besorgt. Dazu einige Bänder, Gewichte, Hantelstangen und eine Klimmzugstange. Einen Teil der Geräte hat sie in der Abstellkammer untergebracht, die Hantelbank samt Gewichten steht mitten im Wohnzimmer. An der Wand hängt ein Spiegel. Direkt neben dem Eingang steht ein Stepper. Hier hat Franziska Lohberger seit der coronabedingten Schließung der Fitnessstudios trainiert. Sie hat Gewichte gestemmt, Klimmzüge gemacht und sich im Handstand geübt. Sie habe vorsichtiger trainiert, aus Angst, dass bei ihrem Krafttraining ein Möbelstück kaputt geht. „Es ist eben ein Kompromiss“, sagt sie. Ein Kompromiss, den Franziska Lohberger in Kauf nimmt. Denn die junge Frau ist eine Bikini-Fitness-Athletin, kann sich ein Leben ohne ihre Sportart nicht mehr vorstellen.

Harte Vorbereitung,
strenge Diäten

Sie ist zweimalige deutsche Juniorenmeisterin, hat die bayerische Meisterschaft dreimal gewonnen und an internationalen Wettkämpfen in Europa teilgenommen. „Ich habe Blut geleckt. Der Erfolg, aber auch das Wettkampfgeschehen machen einfach Spaß“, sagt sie.

Sie mag die strengen Diäten, die monatelange Vorbereitung. Sie mag den Moment, wenn die Scheinwerfer angehen, sie auf die Bühne tritt und ihren hart erarbeiteten Körper in den vorgegebenen Posen präsentiert. Lange hat sie an der perfekten Präsentation gefeilt. „Bei meiner Sportart kommt es auf das Gesamtbild an“, sagt sie. Bei Wettkämpfen werden nicht nur die Muskeln, Definition und Linie bewertet, sondern auch das Styling und eine selbstbewusste, ästhetische Präsentation. Nach fünf Jahren weiß Franziska Lohberger, worauf es ankommt. Sie kennt ihren Körper, stimmt Ernährung, Training und Regeneration optimal aufeinander ab.

Und trotzdem scheint es ein Leben voller Einschränkungen und Selbstdisziplin zu sein. „Die Vorbereitung ist hart“, gibt sie zu. Spaß mache es ihr trotzdem. Sie hat den Willen, will immer „ein Prozent besser sein als gestern“. Aber sie spricht auch offen über die schwierigen Momente. Über das „verzerrte Bild“, das man als Athlet von sich hat. Wenn sie sich nicht auf einen Wettkampf vorbereitet, sieht sie sich als „junge, sportliche Frau“. Ihr gefällt, was sie sieht. Aber sie weiß eben auch, wie sie aussehen kann. Dann, wenn sie mitten im Wettkampf ist, jeder Muskel ganz genau definiert, kein Gramm Fett zu viel an ihrem Körper ist. „Über die Jahre musste ich lernen, dass es einmal das normale Ich gibt und einmal das Wettkampf-Ich. Aber ich muss mich jedes Jahr neu daran gewöhnen“, sagt sie.

Wettkampfsaison
ausgefallen

In diesem Jahr bleibt die Gewöhnung aus, denn aufgrund der Corona-Krise ist die Wettkampfsaison ausgefallen. Ob und wann die 24-Jährige wieder auf der Bühne stehen kann, steht nicht fest.

Umso mehr Zeit bleibt für ihre zweite Leidenschaft: Instagram. Seit vier Jahren postet sie auf der digitalen Fotoplattform Bilder und Videos, verdient sie als Influencerin ihr Geld. Mittlerweile hauptberuflich.

1490 Beiträge hat sie inzwischen veröffentlicht. Auf den Meisten ist sie selbst zu sehen. Auf einem Bild hält sie Proteinriegel in die Kamera, ein anderes zeigt sie beim Shoppen. Es gibt Videos von ihren Trainingseinheiten. Die meisten hat ihr Freund Murat Demir gemacht – ebenfalls Profi-Bodybuilder, Trainer und Influencer. „Ich bin sehr selbstkritisch. Es dauert lange bis ich mit einem Bild zufrieden bin“, sagt Franziska Lohberger.

Unter jeden Post hat sie Texte geschrieben. Sie gibt Fitness-Tipps, erzählt aus ihrem Leben und spricht über ihren Kleidungsstil. Die meisten Bilder gefallen zwischen 4000 und 5000 Menschen. Hunderte hinterlassen Kommentare. Viele sind positiv. Hin und wieder erntet sie Kritik für ihr Aussehen. „Es kommt schon vor, dass mir Leute sagen, dass ich wie ein Mann aussehe“, sagt sie. Zu Herzen nimmt sie sich solche Aussagen nicht. Auch, weil die positiven Rückmeldungen überwiegen.

Tägliche Posts für
bessere Reichweite

Was einfach aussieht, ist in Wirklichkeit eine Menge Arbeit. Franziska Lohberger ist ständig am Telefon, freie Tage gönnt sie sich nur selten. Zu groß ist die Angst, dass ihre Reichweite darunter leidet. Genau die ist für Firmen entscheidend. Denn nur wer in der Instagram-Welt gefragt ist, bekommt lukrative Verträge. Also lädt sie fast jeden Tag ein Bild hoch, nimmt kleine Videos mit der Story-Funktion auf und gibt ihren Followern einen Einblick in ihren Tag.

„Ich mache es nicht nur für die Anerkennung und die Likes“, sagt sie. Viel mehr gehe es ihr darum, andere Leute zu inspirieren und einen Mehrwert zu bieten. Über die Jahre hat sie gelernt, ihr Privatleben und Instagram voneinander zu trennen. Die vielen Nachrichten lässt sie auch mal unbeantwortet, sie setzt mehr auf Qualität als Quantität. Trotzdem muss sie immer präsent sein, dabei „natürlich einigermaßen gut aussehen“. „Das ist einfach mein Selbstanspruch“, sagt sie. Völlig ungestylt sei sie deshalb nur selten. „Ich zeige mich täglich ja trotzdem Tausenden von Leuten. Auch wenn ich das Haus nicht verlasse.“

Wiedereröffnung
der Fitnessstudios

Ihre Familie hat sie immer unterstützt, auch wenn es anfangs schwierig für sie war diese ganz eigene Welt zu verstehen, sagt Franziska Lohberger. Für ihren Lebensstil habe sie sich früher oft rechtfertigen müssen. „In einer Phase der Wettkampfvorbereitung priorisiere ich Dinge wie Ernährung und Regeneration, sonst funktioniert es nicht. Man isoliert sich daher sozial doch teilweise sehr.“

Sie habe eben ein Ziel vor Augen, sagt sie. Jeden Tag aufs Neue. Dieses Ziel will sie auch in den kommenden Jahren verfolgen. Ans Aufhören denkt sie nicht. Wie schwer ihr das Leben ohne den Sport fällt, hat sie in den vergangenen Wochen extrem gespürt – trotz ihrem Fitnessraum im Wohnzimmer. „Es gab Tage, da fehlte mir jegliche Motivation für das Training Zuhause. Und das obwohl ich den Sport und den Glückshormonkick einfach liebe“. Umso größer sei die Freude gewesen, als sie erfuhr, dass die Fitnessstudios am 8. Juni wieder öffnen.

Wer ihr auf Instagram folgt, weiß das. Sie hat ein Video gedreht, sogar ein paar Tränen vergossen. Die weiße Hantelbank im Wohnzimmer jedenfalls braucht sie schon bald nicht mehr.

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