Rosenheim – Man sieht es ihm nicht an. Nicht seine Anspannung, nicht das, was er erlebt hat in diesem bemerkenswerten Frühjahr. Gebräuntes Gesicht, kein Bauchansatz, breites Kreuz: Markus Berwanger, Rosenheimer Eishockey-Legende, strahlt Fitness aus. Markus Berwanger sagt aber auch: „Corona hat uns ganz schön derbröselt.“
57 Jahre ist er am Sonntag geworden, wahrscheinlich ist er besser in Form als der durchschnittliche 40-Jährige. Ziemlich sicher nicht Risikogruppe, erwiesenermaßen aber Mitglied in einem erlauchten Kreis: Berwanger zählt zu den ganz wenigen Spielern, die bei allen drei Meistertitel des Sportbund Rosenheim dabei waren.
Bei allen Titeln des
SB Rosenheim dabei
Und er zählt vermutlich zu den ersten, die in Rosenheim mit Corona zu tun bekamen. Schlappheit, Atemnot – so äußerte sich die Krankheit bei ihm und seiner Lebensgefährtin Heike Bosch, die in einer Orthopädie-Praxis arbeitet. „Wir waren ja doch beide topfit“, erzählt er, mit ausreichendem zeitlichem Abstand zur Erkrankung und räumlichem Abstand zum OVB-Reporter. „Wir rauchen nicht, bewegen uns, achten auf die richtige Ernährung. Aber dann bist du auf einmal schon nach einer Treppe außer Atem, ich hab auch Halsweh gehabt, und Schmerzen am Rippenbogen.“
Berwanger sagt, er verstehe jeden, der um seine berufliche Existenz fürchte, möglichst schnell Corona hinter sich lassen und in sein normales Leben zurückkehren wolle. Eine Lappalie aber sei dieses neue Virus nicht: „Das ist schon ein bisserl mehr als eine Grippe.“
Bei einer Untersuchung wurde die Lungenleistung gemessen. Der Sportler kam gerade eben mal über die Hälfte seiner normalen Leistungsfähigkeit, ist jetzt, zwei Monate später, auf zwei Dritteln. „Das dauert“, sagt er und lacht. „Ich hab einige Tugenden, Geduld gehört aber leider nicht dazu.“ Und doch muss er sich zügeln. Er macht gerne Krafttraining, die Studios aber sind seit dem Lockdown geschlossen. Machte für ihn eh nicht den großen Unterschied, weil – „bis vergangene Woche konnte ich nicht mal ein Gewicht stemmen“. Er behalf sich mit Liegestützen, Klimmzügen und dergleichen zu Hause.
Vor wenigen Wochen, er hatte die akute Krankheit gerade hinter sich, starb seine Mutter, im 90. Lebensjahr. „Sie hat einen Rollator gebraucht, nicht mehr gut gehört. Aber sie war sonst fit.“
Sie sei nicht mit Corona gestorben, stellt er fest, aber doch auch ein wenig an Corona: an der bleiernen Stimmung, die sich übers Land gelegt habe, an den Sorgen, der Angst, die viele Menschen in ihrer Umgebung so spürbar niederdrückten. Vielleicht auch daran, dass sie wegen ihrer Einschränkungen beim Hören doch so auf das Ablesen der Lippenbewegung angewiesen war. Die Menschen mit Maske vorm Gesicht konnte sie nicht mehr verstehen.
Corona wirft einen langen, langen Schatten. Markus Berwanger trainierte seit dem Beginn seiner zweiten Laufbahn als Trainer des EHC Bad Aibling im Jahr 2000 verschiedene Eishockey-Teams, zuletzt den EC Bad Tölz. Trainer will er bleiben, sagt er, „ich werde wieder eine Mannschaft übernehmen“.
Profibetrieb vor ungewisser Zukunft
Aber welche? Zurzeit kann er, kann vielleicht niemand sagen, wie es genau mit dem Profibetrieb im Eishockey weitergeht. Der Abbruch der Eishockey-Spielzeit kostet die Clubs viel Geld, mit den Play-offs ist der besonders lukrative Endspurt einer erfolgreichen Saison gekappt worden. Schon in der obersten deutschen Spielklasse, der DEL 1, könnten „vier, fünf Clubs“ Corona wegstecken. Aber die Clubs dahinter, die Ligen darunter? „Da wird‘s schon den einen oder anderen an die Wand drücken.“
Berwanger zuckt mit den breiten Schultern. Sieht so aus, als müsste sich das Kraftpaket fürs erste weiter auf seine Ausdauer verlassen.