Rosenheim – Hat Rosenheim genug Hotelbetten oder sind es zu wenig? Kommt darauf an, wen man fragt. Thomas Bugl, Wirtschaftsdezernent der Stadt, und Klaus Stöttner, Tourismus-Experte der CSU-Landtagsfraktion, sind sich einig, dass Rosenheim noch nicht genug Betten hat, will sich die Stadt als Tagungsort etablieren. Dr. Thomas Geppert und Theresa Albrecht vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sowie Christina Pfaffinger, Geschäftsführerin des Chiemsee-Alpenland-Tourismus (CAT) zweifeln das an.
Weitere Projekte
in der Pipeline
Derzeit wird an der Gießereistraße ein Hotel mit 166 Zimmern gebaut. Das „Holiday Inn Express“ wird damit zu den „Top4“ in Deutschland gehören. Nicht der besten, sondern der größten Hotels, denn laut Theresa Albrecht, Dehoga-Kreisvorsitzende, haben nur vier Prozent aller Hotels in Deutschland 100 oder mehr Zimmer. Diese 166 Zimmer werden auch gebraucht, ist Thomas Bugl sicher. Und nicht nur diese. Es seien „noch ein, zwei Projekte in der Pipeline“. Werden die realisiert, „dann ist es genug“, so der Wirtschaftsdezernent.
Dann seien auch mehrtägige große Kongresse im Kultur- und Kongresszentrum (Kuko) möglich. „Bisher ist es ein logistischer Alptraum, genug Betten in erforderlicher Qualität anbieten zu können“, so Bugl mit Verweis auf Sparkassen- oder IFT-Fenstertage, bei denen mehrere hundert Teilnehmer unterzubringen sind.
„Wenn Rosenheim eine Tagungsstadt werden will, dann müssen Betten her“, sagt auch Klaus Stöttner. Mit der Stadthalle bestünden dafür durchaus Chancen, aber „zur Zeit sind keine 500 Betten für Kongresse vorhanden“.
„Das Kuko ist doch für größere Kongresse gar nicht geeignet“, hält Theresa Albrecht dagegen. Sie werde die Stadt daran messen, ob denn künftig wirklich gute, große Kongresse in Rosenheim stattfinden, so die Dehoga-Kreisvorsitzende. Wann wieder große Kongresse stattfinden können, so Christina Pfaffinger vom CAT, sei derzeit noch gar nicht abzusehen und wann sich dann die Lage in Sachen Messe und Kongresse in Nach-Corona-Zeiten wieder normalisiere auch nicht.
Erschwerend komme hinzu, so Dr.Thomas Geppert, Dehoga-Landesgeschäftsführer, dass nicht nur in Rosenheim in den letzten Jahren viele Hotelbetten entstanden. Viele Institutionen hätten Hotels als gute Geldanlage gesehen, so Geppert, also sei kräftig investiert worden. Auch und gerade in München, wo es mittlerweile Überkapazitäten gebe. Innerhalb von zehn Jahren wuchs in München die Bettenzahl von knapp 54000 auf gut 84000. „Weitere Hotels wurden gerade eröffnet oder stehen vor der Eröffnung“, fügt Albrecht an. Den „Überlauf“ aus der Landeshauptstadt, der bei den großen Messen oder beim Oktoberfest in der ganzen Region die Hotels und Pensionen füllte, den wird es nach Ansicht des Dehoga so künftig nicht mehr geben. Auch wenn die Corona-Pandemie vorbei ist nicht.
Dass vor zehn Jahren, als ein Masterplan für die Hotellerie in und um Rosenheim aufgestellt wurde, es in der Stadt einen Nachholbedarf an qualitativ guten Betten gegeben habe, darin sind sich die Fachleute weitgehend einig. „Den Bedarf hat die Stadt mittelfristig abgearbeitet“, so Christina Pfaffinger. Mit dazu beigetragen haben, da sind sich Theresa Albrecht, Christina Pfaffinger, Bugl und Stöttner einig, etliche inhabergeführte Häuser, die in den letzten Jahren viel taten, um ihren Standard zu heben.
Gerade denen tue aber die Entwicklung hin zu den vielen Budget-Hotels besonders weh, so Albrecht, Betriebswirtin und selbst Chefin eines Familienbetriebes. Denn die Budget-Hotels kämen mit weniger Personal aus, seien oft Teil großer Ketten und in der Lage, die Preise immer weiter nach unten zu treiben. „Familienbetriebe und Traditionsbetriebe haben das Nachsehen“ befürchtet Albrecht. Was Stöttner gar nicht recht wäre, denn „mir ist ein familiengeführtes Haus lieber als eine Hotelkette“.
Nur die eine
Seite der Medaille
Stöttner legt Wert darauf, dass die Tagungshotels nur die eine Seite der Medaille sind. Er sieht generellen Bedarf bei der Entwicklung der Hotellandschaft in der Stadt. Da sei Rosenheim nicht ideal aufgestellt. Themen- oder Boutiquehotels fehlten, es gebe kein Haus mit einem schönen Spa- oder Wellnessbereich, kein Hotel, das abends dank Restaurant und/oder Bar Treffpunkt der Rosenheimer sei. „Und wir brauchen eine Perle, einen Leuchtturm“, ein Haus mit vier oder mehr Sternen, so der CSU-Tourismusexperte.
Keine „gesichtlosen“ Billig-Anbieter
Da stößt er bei Theresa Albrecht auf Zustimmung: „Statt nur auf austauschbare, gesichtslose Budget-Billig-Hotels zu setzen, hätte die Stadt auf nachhaltige Qualitätshotellerie setzen sollen“. Bugls Ansicht: „Jeder Investor muss selber entscheiden, ob sich sein Projekt trägt oder nicht. Wir leben in einer sozialen Marktwirtschaft.“