Stolz auf ein selbst genähtes Knopfloch

von Redaktion

Rotary Club Rosenheim unterstützt neues Modellprojekt von Pro Arbeit

Rosenheim – Mit insgesamt 90000 Euro wird der Rotary-Club Rosenheim das neue Modellprojekt des Vereins Pro Arbeit, „Start ins Berufsleben“, unterstützen. Mit dieser Summe wollen die Rotarier vor allem jungen Menschen den Weg in den Arbeitsmarkt ebnen.

Unterstützung
für „Spätzünder“

Das Projekt richtet sich vor allem an Menschen, die als Spätzünder zwar von einem Beruf träumen, aber vielleicht von dem falschen und denen oft das Selbstbewusstsein fehlt, sich ohne Hilfestellung in einer Firma zu bewerben. Das Besondere daran: Fachlich qualifizierte Ansprechpartner von Pro Arbeit stehen den Arbeitgebern während der gesamten Ausbildungszeit als Konfliktlöser zur Verfügung.

Das Ausland beneidet Deutschland um sein duales Ausbildungssystem. Wer es als junger Mensch in dieses System schafft, hat beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Wem dies nicht gelingt, hat schlechte Karten. So steht es in einer Bertelsmann-Studie. Für die Fachleute des Vereins Pro Arbeit ist dies nicht neu. Sie arbeiten seit 23 Jahren mit Jugendlichen, begleiten sie während der Schulzeit und auf dem Weg ins Berufsleben und kennen auch die Schwachstelle im System.

Der Vereinsvorsitzende Harald Neu beschreibt es so: „Viele Jugendliche strengen sich durchaus an. Aber es ist wie beim Marathonlauf. Die letzten Meter sind entscheidend, um durchs Ziel zu kommen. Und einigen, die alle Hilfsstationen durchlaufen haben, geht eben auf den letzten Metern das Unterstützungsangebot aus.“ Hier setzt das neuartige Modellprojekt an.

Mit einem schlechten Schulzeugnis, oftmals ohne familiären Rückhalt, fehlen ihnen nach Verlassen der Schule die aufmunternden Worte der Schulsozialpädagogen, der Beistand der Lehrer und neue Erfahrungen in einem Praktikum. Wer bisher alles lässig genommen und den Einstieg ins Berufsleben „erfolgreich“ abgewehrt hat, steht unvermittelt allein da, ohne Job und ohne Selbstwertgefühl. „Einer, dem niemand etwas zutraut, hat auch kein Selbstvertrauen“, weiß Heiner Koula. Der Handwerksmeister wird im Juli Nachfolger des noch amtierenden Präsidenten des Rotary-Clubs Rosenheim, Dr. Guido Pfeiffer. Als Ausbilder in seinem Schneidereibetrieb hat Koula häufig erlebt, wie Erfolge das Selbstwertgefühl steigern: „Da näht so ein junger Kerl ein Knopfloch und kann es gar nicht fassen, dass er das selbst gemacht hat. Plötzlich kann er auf etwas stolz sein.“

Die eigenen Wünsche mit den persönlichen Fähigkeiten abzugleichen und ein Blick auf das Abschlusszeugnis sollen bei der Entscheidung helfen, welche Ausbildung überhaupt in Frage kommt. Das werden Sozialpädagogen mit den Jugendlichen klären. Die 326 dualen Ausbildungsberufe bieten in Deutschland ein breites Spektrum.

Die jungen Leute lernen in den Beratungsgesprächen nicht nur, dass es ratsam ist, vor einem Vorstellungsgespräch zum Friseur zu gehen und ein frisches Hemd anzuziehen. Auch Umgangsformen werden eingeübt. Dazu gehören Flexibilität und Einsatzbereitschaft, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Wer sich auf der anderen Seite als Arbeitgeber bereit erklärt, einem Kandidaten aus diesem Programm eine Chance zu geben, findet beim Verein Pro Arbeit fachliche Hilfe, wenn die Dinge nicht laufen wie sie sollten. Dafür finanzieren die Rotarier mit ihrer Spende über drei Jahre hinweg eine Sozialpädagogen-Halbtagsstelle.

Augenmerk auf
ein Wohnprojekt

Besonderes Augenmerk erfährt dabei ein Wohnprojekt der Malteser in Bad Aibling, wo junge Geflüchtete mit positiv beschiedenem Asylbescheid betreut werden. Dort lernen sie Deutsch, machen sich vertraut mit dem Leben in der neuen Heimat und beginnen danach im Idealfall eine Ausbildung. Auch ihnen bietet das von den Rotariern unterstützte Modellprojekt eine Chance, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Für sie und alle anderen Jugendlichen ist die langjährige Erfahrung des Vereins bei der Vermittlung von Ausbildungsstellen eine hervorragende Basis. „Unsere Leute wissen, welche Firmen ansprechbar sind, wer zu wem passt und wo Praktikumsstellen bestenfalls in eine Ausbildung münden“, erläutert Claudia Georgii, Geschäftsführerin von Pro Arbeit.

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