Mit seelischer Unterstützung

von Redaktion

Wie der älteste Pflegedienst in Rosenheim die Corona-Krise meistert

Rosenheim – In vielen Bereichen hat sich die Corona-Lage entspannt. Nicht jedoch in der Pflege zu Hause. Weil Betreuungskräfte aus osteuropäischen Ländern Probleme oder Angst haben, nach Deutschland zu kommen, zahlreiche Deutschkurse ausgefallen sind und es nicht genügend deutsches Fachpersonal gibt, hat auch der Rosenheimer Hauskrankenpflegeverein Engpässe.

Von Rumänien
nach Deutschland

Rudolf Berchtenbreiter (87) aus Rosenheim ist auf Hilfe angewiesen. Das gibt er ganz offen zu. Er sitzt in seinem schwarzen Ledersessel, blättert in der Zeitung. Auf dem Tisch stehen Medikamente und Salben, daneben liegt ein Stapel Bücher. Er liest viel, schaut fern, geht zu den heiligen Messen in der Kirche und telefoniert mit seinen beiden Söhnen. Eine Haushaltshilfe kümmert sich um das Bügeln und Waschen. Zweimal im Monat bereitet eine Köchin Essen für ihn vor, friert es anschließend ein. Um die Pflege kümmern sich, schon seit 15 Jahren, die Schwestern des Rosenheimer Hauskrankenpflegevereins. Auch an diesem Morgen.

Franziskus-Schwester Cristiana Pal (47) trägt eine weiße Tracht, dazu eine weiße Kopfbedeckung und eine graue Jacke. Sie ist eine examinierte Krankenschwester und Altenpflegerin, kam vor neun Jahren vom Orden „Surorile Fanciscare Misionare de Assisi“ aus der Ordensprovinz in Rumänien nach Deutschland. „Ich wollte schon immer in der Pflege arbeiten. Das liegt mir sehr am Herzen“, sagt sie. Nach dem Umzug nahm sie zahlreiche Deutschstunden, spricht die Sprache mittlerweile fließend.

Seit fünf Jahren kümmert sie sich um Rudolf Berchtenbreiter. Jeden Tag steht sie vor seiner Tür, hilft ihm beim Aus- und Anziehen der Kompressionsstrümpfe. Jeden Dienstag gibt es eine Vitaminspritze, jeden Freitag hilft sie ihm beim Duschen. „Wir hatten noch nie Schwierigkeiten miteinander“, sagt Rudolf Berchtenbreiter und fügt hinzu. „Ich vertraue ihr“.

Pflegerin, Vertraute
und Bezugsperson

Nach dem Besuch bei Berchtenbreiter geht es für Schwester Cristiana weiter zu ihren anderen Patienten. Manche besucht sie nur einmal in der Woche, um andere kümmert sie sich täglich. Sie hilft beim Frühstück zubereiten, kauft ein und erinnert an das Einnehmen von Medikamenten. Oft muss sie Verbände abnehmen und neue anlegen. „Ich habe Patienten, für die ich nur zehn Minuten brauche, mit anderen verbringe ich mehrere Stunden“, sagt sie. Sie ist Pflegerin, Bezugsperson und Vertraute. „Franziskaner-Schwestern haben einfach eine ganz besondere Auffassung vom Dienst“, sagt Berchtenbreiter.

Eine Meinung, die Anton Kohwagner (71), der erste Vorsitzende des Hauskrankenpflegevereins, teilt. „Der christliche Gedanke steht bei allen unseren Mitarbeitern im Vordergrund. Gerade die Schwestern sehen ihre Aufgabe nicht als Job, denn sie haben eine ganz besondere Einstellung zu ihrem Dienst am Menschen“, sagt er.

Ältester Pflegedienst
in Rosenheim

Der Hauskrankenpflegeverein ist der älteste Pflegedienst in Rosenheim, wurde im Jahre 1914 gegründet. Viele Jahre lang wurde die Arbeit nur von Ordensschwestern übernommen.

Weil sich aber die Alterspyramide über die Jahre hinweg änderte, stieg auch der Bedarf an Pflegekräften. „Zu den Ordensschwestern kamen im Laufe der Jahrzehnte viele weltliche Schwestern dazu“, sagt Kohwagner. Heute sind circa 40 Mitarbeiter im Hauskrankenpflegeverein beschäftigt.

Im Jahre 2010 verließen die verbliebenen Franziskusschwestern aus Vierzehnheiligen, Schwester Agnella und Schwester Ulrike, aus Altersgründen die Stadt Rosenheim. Weil es aber ein Anliegen des Vereins war, auch weiterhin Franziskus-Schwestern zu beschäftigen, bemühten sich Vorstandsmitglieder und der Ehrenvorsitzende Michael Kleeberger, Franziskanerinnen vom Orden „Surorile Franciscane Misionare de Assisi“ aus der Ordensprovinz Rumänien, in Rosenheim anzusiedeln. Mit Erfolg. 2011 kamen drei Ordensschwestern nach Rosenheim, Schwester Cristiana, Schwester Tatjana und Schwester Clara.

Gemeinsam mit den weltlichen Schwestern kümmern sie sich um die rund 80 Patienten, die der Hauskrankenpflegeverein betreut. Viel Arbeit für die Pflegekräfte. Anton Kohwagner weiß das. Genau deshalb habe er sich, gemeinsam mit der Vorstandschaft, im Herbst vergangenen Jahres darum bemüht, eine vierte Franziskus-Schwester aus Rumänien nach Rosenheim zu holen. Auch dieses Vorhaben sei erfolgreich gewesen, sagt Kohwagner. Weil aber sämtliche Deutschkurse aufgrund der Corona-Krise abgesagt wurden, sei es noch nicht möglich gewesen, Schwester Adriana in die Arbeit des Hauskrankenpflegevereins einzugliedern. Laut Kohwagner sei sie aber bereits mit auf Pflege-Tour, damit Sie die Patienten kennenlernt, die bayerischen Gepflogenheiten und dabei auch die deutsche Sprache ein wenig lernt.

Wie wichtig der Hauskrankenpflegeverein für die Stadt ist, weiß auch Anton Heindl, der Vorsitzende des Rosenheimer Gewerbeverbandes. Seine Familie ist seit Jahrzehnten Mitglied und er selbst seit drei Jahren in der Vorstandschaft tätig.

500 Masken vom
Gewerbeverband

Auf seine Initiative hin bekam der Hauskrankenpflegeverein Rosenheim erst kürzlich eine Spende über 500 Mund-Nase-Schutz-Masken vom Gewerbeverband. „Es sind Spenden, wie diese, auf die der Verein angewiesen ist“, sagt Kohwagner. Denn der Hauskrankenpflegeverein finanziere sich nicht nur durch den Erlös seiner Tätigkeit, sondern auch durch die Beiträge der 900 Mitglieder und durch Spenden aus der Bevölkerung.

Artikel 9 von 10