Ein Gin-Garten als Rettungsanker für Nachtgastronomie

von Redaktion

Interview Korbinian Vogl und Christian Rech eröffnen heute auf der Loretowiese ein Freiluftlokal auf Zeit

Rosenheim – „Lösungen müssen genau so schnell kommen wie die Krise gekommen ist“, sagt Korbinian Vogl. Der Gastronom (28) aus Rosenheim eröffnet heute, Freitag, um 16 Uhr einen „Gin-Garten mit Streetfood“ auf der Loretowiese. Seit fünf Jahren betreibt Vogl das Flötzinger Bräustüberl und seit drei Jahren den „Hans Wurst“ in der Ruedorfferstraße. Gestern wurde auf der Loretowiese noch fleißig gewerkelt.

Wie ist die Idee des Gin-Gartens entstanden?

Während das Bräustüberl seit ein paar Wochen wieder im eingeschränkten Corona-Betrieb öffnen darf, ist der „Hans Wurst“ nun schon Monate geschlossen. Er dürfte zwar öffnen, aber da die Kunden hauptsächlich vorher oder nachher im Rosenheimer Nachtleben feiern, macht das keinen Sinn. Wir sind also zum Nichtstun gezwungen und unsere Mitarbeiter bekommen im besten Fall Kurzarbeiter-Lohn. Da das Corona-Virus im Freien wohl am wenigsten ansteckend ist, wollten wir etwas draußen machen. Dabei sind wir auf den Biergarten der Flötzinger Brauerei gekommen, der in normalen Zeiten nur zum Herbstfest genutzt wird. Doch in diesen Zeiten ist ja gar nichts mehr normal. Die Brauerei war sofort bereit, uns den Garten zur Verfügung zu stellen. Einzige Bedingung war, noch einen weiteren Nachtgastronomen ins Boot zu holen.

Wer ist noch mit dabei bei diesem Projekt?

Die Jungs um Stefan Rech haben vor wenigen Monaten die Lausa Bar übernommen, renoviert und dann kam Corona und die konnten seither nicht mehr aufsperren. Wie das Ganze aussehen soll, da waren wir uns schnell einig. Wir wollten Abwechslung bieten, also keinen normalen Biergarten, auch um den bestehenden klassischen Biergärten keine Konkurrenz zu machen. „Gin-Garten mit Streetfood“ ist das Ergebnis. Und alle haben sofort gebrannt, wieder was tun zu können. Also haben wir Paletten geschliffen, Tische lackiert, Lichterketten und Lampions aufgehängt, und, und, und… Endlich war wieder was zu tun und eine Perspektive geschaffen.

Könnte der Gin-Garten die Rosenheimer über die Wiesn hinwegtrösten?

Der Ausfall der Wiesn kann sicher mit nichts kompensiert werden, weder für die Gäste noch für die Rosenheimer Wirtschaft. Hier sind ja so viele vor Ort betroffen, Taxifahrer, Hoteliers, Trachtenläden, Metzger, lokale Handwerksfirmen, Bedienungen, Schankkellner – so viele, dass man eigentlich gar nicht darüber nachdenken darf. Wir wollen auch gar nichts ersetzen. Wir wollen nur im Rahmen unserer Möglichkeiten für unsere Gäste eine schöne Zeit schaffen und für uns und unsere Mitarbeiter eine Existenz. Zumindest über den Sommer. Wie es danach weitergeht, darüber wollen wir aktuell nicht nachdenken. Aber wir bleiben kreativ und motiviert, das ist sicher.

Wie viele Plätze wird es geben ?

Die Platzzahl ist durch die Corona-Auflagen beschränkt. Wir reden daher aktuell nur von Tischen. Denn wenn zwei Personen an einem Achter-Tisch sitzen, kann man niemanden dazu setzen und die nächsten Plätze sind mindestens 1,5 Meter entfernt. Das schränkt uns natürlich extrem ein. Aber wir wollen nicht jammern. Wir sind froh, nicht mehr zum Nichtstun verdammt zu sein. Im Gin-Garten soll es ja eh chillig zugehen, daher ist es locker bestuhlt, entspannt und ruhig. Geplant ist, dass der Gin-Garten von 16 bis 22 Uhr geöffnet hat – natürlich nur bei schönem Wetter. Interview: Janina Sgodda

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