Rosenheim – Ein heiteres Studentenleben ist es derzeit nicht. Und das liegt nicht nur am ausgesetzten Nachtleben. Seit Beginn der Corona-Pandemie haben viele Studenten ihre Nebenjobs verloren. Die Bundesregierung hat daher Zuschüsse von 500 Euro pro Monat beschlossen, die Studenten in Notsituationen beantragen können.
Es gibt auch härtere Einzelschicksale
Wie geht es den Rosenheimer Studenten? Jonathan Paulsteiner (28) ist Vorsitzender des Studierendenparlaments Rosenheim und studiert im vierten Semester Betriebswirtschaft an der Technischen Hochschule. Nebenbei arbeitet er noch als Werkstudent. Er selbst habe das Glück, das er Homeoffice machen könne. „Aber es gibt Studenten, deren Werkstudentenjobs weggefallen sind“, sagt Paulsteiner.
Außerdem würden viele Studenten in der Gastronomie jobben, die monatelang geschlossen war und auch jetzt oft nur eingeschränkt in Betrieb ist. „In Summe scheint die finanzielle Situation für Rosenheimer Studenten nicht so gravierend zu sein“, sagt Paulsteiner. Dennoch gebe es härtere Einzelschicksale. „Ich kenne eine Studierende aus Indien, die in ihrem Heimatland war, und nicht wieder nach Deutschland einreisen konnte. Sie muss dennoch Miete bezahlen“, sagt Paulsteiner.
Warum die Rosenheimer Studenten größtenteils glimpflich davon gekommen sind? „Das liegt vermutlich auch daran, dass viele Studierende aus dem Rosenheimer Raum stammen und noch bei den Eltern wohnen“, sagt Paulsteiner. Somit fielen Kosten für Miete und Verpflegung schon einmal weg. Auch sei Rosenheim von den Mieten her nicht mit Großstädten vergleichbar, daher halte sich die Not in Grenzen.
Was Paulsteiner vom Programm der Bundesregierung für Studenten hält? „Ich kenne im Moment niemanden, der das in Anspruch genommen hat.“ Es sei aber auch ein Problem, dass zum Teil zu wenig kommuniziert werde und die Studenten die entsprechenden Informationen nicht oder zu spät erhielten. Von der Hochschule fühlten sich die Studenten aber gut unterstützt.
Derzeit sei das Hauptthema unter Studenten nicht so sehr das Finanzielle, sondern die Frage, wie das Studium weitergehe. „Bei mir wäre das nächste Semester offiziell das Praxissemester. Das habe ich wegen Corona jetzt aber erst mal verschoben“, sagt der 28-Jährige.
Bei ihm sei das angesichts des Vorlesungsangebots kein Problem, er kenne aber auch Studenten, deren Praktikumsplätze seitens der Unternehmen wieder zurückgezogen wurden. Voraussichtlich werden die Prüfungen des Sommersemesters erst im September stattfinden.
TH-Präsident
zeigt sich zufrieden
Wie es weitergeht, ist aus Sicht von Professor Dr. Heinrich Köster, Präsident der TH, noch völlig offen: „Aufgrund der nicht vorhersehbaren Entwicklungen können wir hierzu derzeit keine Aussage treffen.“ Man stelle sich aber darauf ein, den digitalen Lehrbetrieb im Wintersemester zumindest teilweise noch fortzuführen. Insgesamt zeigt sich Köster zufrieden vom Sommersemester, trotz der Umstände: „Wir bekommen diesen Eindruck auch von den Studierenden bestätigt.“
Dennoch, ähnlich wie von vielen Schulen und Eltern gefordert, sieht auch Köster noch Verbesserungsbedarf. Seine Forderung an die Politik ist eine bessere Ausstattung der Hochschulen, um digitale Lehrangebote zu fördern. Die TH sieht nach den Erfahrungen der Corona-Pandemie dringenden Bedarf, die digitalen Lehrangebote zu fördern. Heidi Geyer