Rosenheim – Die gesamte Veranstaltungsbranche in Deutschland ist nach der Automobilindustrie der zweitgrößte Wirtschaftszweig mit über 1,5 Millionen Beschäftigten und 200 Milliarden Euro Umsatz. Dazu gehören nicht nur die Künstler, sondern auch die Veranstalter, die Licht- und Tontechniker, Grafiker, die Caterer und Garderobieren. Das dringe in der Corona-Pandemie nicht ins Bewusstsein der politisch Verantwortlichen. „Wir werden nie so richtig gehört!“, betont Mathias Hof von „Tonwerk“ stellvertretend für viele Veranstalter und Veranstaltungstechniker in Rosenheim.
Ausgewählte
Bauwerke
Die Veranstalter in ganz Deutschland wollen sich mit einer bundesweiten Aktion, der „Night of Light“, Gehör verschaffen: In allen Städten in Deutschland, in denen derartige Unternehmen ihren Sitz haben, also auch in Rosenheim, werden in der Nacht vom Montag, 22. Juni, von 22 bis 1 Uhr als flammender Appell Event-Locations und Spielstätten sowie ausgewählte Gebäude und Bauwerke rot illuminiert.
„Alarmstufe Rot“ für
Veranstaltungsbranche
Die Farbe Rot soll ausdrücken: Die Veranstaltungswirtschaft befinde sich auf der „Roten Liste“ der aussterbenden Branchen. Es herrsche „Alarmstufe Rot“ für einen Milliardenmarkt mit Millionen Beschäftigten. Und die Farbe Rot steht für die Leidenschaft der Veranstalter: Sie brennen für das, was sie tun.
In Rosenheim werden der Ludwigsplatz mit Brunnen und dem Künstlerhof, der Ballhaussaal, das Mittertor, der Max-Josefs-Platz, das Kultur- und Kongresszentrum, das „Blickpunkt“-Gebäude, die Inntalhalle, die Städtische Galerie, in Bad Aibling das Kurhaus rot leuchten.
Zahlreiche regionale Firmen und Veranstaltungsstätten haben für Rosenheim und Umgebung bereits zugesagt, die Aktion zu unterstützen: knapp 20 Veranstaltungstechnikfirmen, Agenturen wie „Crossgammy“ oder das „Soulkino“, das Rosenheimer Kulturforum sowie Veranstaltungsstätten wie das Ballhaus, der Künstlerhof, die Inntalhalle, das Kultur- und Kongresszentrum, die Städtische Galerie und das Kurhaus Bad Aibling. Dabei sind auch Caterer wie Prinzipal und Pepi Kalteis aus Amerang. Die Webseite night-of-light.de zeigt, wie viel Zuspruch diese Aktion bundesweit hat.
Was ist das Ziel dieser flammenden Aktion? „Wir wollen mit den politisch Verantwortlichen in einen Branchendialog treten“, heißt es in der Pressemitteilung. Seit dem 10. März sei einem kompletten Wirtschaftszweig faktisch die Arbeitsgrundlage entzogen. Jegliche Art von Großveranstaltungen ist aufgrund der Covid-19-Krise untersagt. Ob Business-Events, Tagungen, Kongresse, Konzerte, Festivals oder Theateraufführungen – überall dort, wo Menschen zusammenkommen, um gemeinsam Darbietungen zu erleben oder sich zu relevanten Themen auszutauschen, dürfen Veranstaltungen nur unter umfangreichen, behördlichen Auflagen durchgeführt werden.
Selbst Messen und kleine Events, die momentan wieder erlaubt sind, unterliegen notwendigen und strengen Hygiene-Vorschriften. Dies führe allerdings dazu, dass Veranstaltungen – wenn überhaupt – zurzeit nicht mehr wirtschaftlich durchführbar sind, betont Kathrin Weimar, die mit ihrer Firma „Crossgammy“ das Rosenheimer Ballhaus, Auer’s Livebühne in Neubeuern und das Irschenberg-Festival bespielt. „Echte Hilfe anstelle von Kredit-Programmen“ sei gefordert, heißt es in der Pressemitteilung der Veranstalter.
Gesundheit habe
„oberste Priorität“
Die Gesundheit der Menschen sei auch seine oberste Priorität, sagt Hof. „Aber es ist auch für mich unverständlich, wenn man sich die Lockerungsmaßnahmen ansieht, und dann das, was kulturell passiert. Es kann nicht sein, dass in einem Flieger 350 Leute sitzen, wir aber zum Beispiel im Ballhaus nicht mit 200 Leuten eine Veranstaltung machen dürfen, die genügend Abstand voneinander haben.“
Unter zehn Prozent
des üblichen Umsatzes
Seine Firma mit zehn Angestellten werde überleben, sagt Hof optimistisch, kleinere aber nicht. „Wir haben momentan unter zehn Prozent des normalen Umsatzes“, meint Hof. „Mit Veranstaltungen mit 50 oder auch jetzt 100 Personen verdient man kein Geld. Und mir blutet das Herz, wenn ich die Situation der Soloselbstständigen anschaue.“ Deswegen sei diese rotflammende Aktion eine Art „Mahnwache“: Rosenheim wird am Montagabend erröten.