Rosenheim/Kolbermoor – Die Zahl der Fische in der Mangfall nimmt ab. Grund ist unter anderem die steigende Population des Gänsesägers, erklärt Jürgen Halder vom Technischen Bauamt der Stadt Kolbermoor. „Früher gab es diese Tiere eigentlich nicht an der Mangfall.“ Sie zeigten sich höchstens mal im Winter, da die Seen, an denen sie lebten, zugefroren waren.
Kleine Fische
sind Mangelware
Das hat sich in den letzten Jahren in der Region geändert: Mittlerweile stellen diese Fischfresser ein „massives Problem“ dar. Eine Plage? Nein, als Plage will Halder die steigende Zahl nicht bezeichnen.
Die Zunahme hat zur Folge, dass in der Mangfall fast keine Fische leben, die zwischen drei bis 25 Zentimeter groß sind. Da die Gänsesäger Fische in dieser Größe fressen. So seien von den Mangfallbrücken häufig Fische in einer Größe zwischen 30 und 45 Zentimeter zu beobachten – andere nicht.
Das bringe die Altersstruktur der Fische im Gewässer durcheinander: Denn eigentlich sollen die kleinen Fische zahlenmäßig weit vor den großen Fischen liegen – „die großen sollen die Speerspitze bilden“, erklärt Halder. Das hat zur Folge, dass es schwierig ist, den Jungfischbestand zu erhalten – obwohl seitens der Fischereivereine immer wieder Jungfische ausgesetzt werden. Allerdings nicht in Kolbermoor, da die Mangfall im Ort sehr langsam fließt, so Halder. Vielmehr werde das beispielsweise in Bad Aibling vorgenommen. So haben die Mitglieder des Kreisfischereivereins Bad Aibling heuer etwa 10000 Bachforelleneier aus einheimischer Abstammung während der natürlichen Laichzeit in der Mangfall ausgebracht. Neben den Gänsesägern warten aber noch andere Fischfresser an den Ufern der Mangfall, wie der Graureiher, Silberreiher, Eisvogel, Haubentaucher und Kormoran – allerdings in geringem Maße.
Rudel treiben
Beute zusammen
Die Gänsesäger sehe man eher an der Mangfall. Dort gehen die Tiere auch gemeinsam auf Fischjagd, dabei hat Jürgen Halder sie schon einmal beobachtet: „In Rudeln treiben die Vögel die Fische zusammen und schnappen sie sich dann.“ Die Tiere haben einen Sägeschnabel, mit dem sie ihre Beute auch unter Wasser bestens festhalten können.
Die Tiere seien
„hochintelligent“
Aber wie will man das Problem in den Griff bekommen? Das ist schwierig: Man habe schon versucht, die Gänsesäger mithilfe von Schreckschusspistolen zu vertreiben, aber das war erfolglos. „Da die Tiere hochintelligent sind und merken, dass dem Schuss nichts folgt“, erklärt Jürgen Halder, der auch Fischereiaufseher beim Anglerbund Rosenheim ist.
Die Gänsesäger unterstehen dem Jagdrecht, sind eine ganzjährig geschützte Art. Kurz: Man darf sie nicht schießen. Und jetzt? Jürgen Halder und seinem Team sind die Hände gebunden: „Man kann bloß zuschauen, wie der Bestand schrumpft.“