Bestürzung über Werk von Sprayern

von Redaktion

Wirt des Happinger Hofs sagt: „Das ist ein Riesenschaden“

Rosenheim – Beschmierte Straßenschilder, vollgesprühte Hauswände und linksradikale Parolen: Junge Erwachsene haben in der Nacht auf Mittwoch im Ortsteil Happing ihr Unwesen getrieben. Die Polizei hat die mutmaßlichen Täter – dank eines Hinweises aus der Bevölkerung und eines Hubschraubereinsatzes – gefasst. Die Bestürzung über das Geschehene aber bleibt.

Fassungslosigkeit
und Entrüstung

Martin Kupferschmid (51) ist seit 30 Jahren Wirt im Happinger Hof. Eine Situation wie diese hat auch er noch nicht erlebt. „Ich bin entrüstet“, sagt er. Am Telefon erzählt er von besprühten Hauswänden, von mit Stickern beklebten Straßenschildern. Davon, dass linksradikale Parolen wie „Nazis raus“ oder „Fck AfD“ seit Dienstagnacht auf der gelben Hauswand direkt am Eingang des Gebäudes prangen. „Das ist ein Riesenschaden“, sagt Kupferschmid. Er muss die Fassaden säubern, die Sticker von den Schildern kratzen lassen. Das alles soll, geht es nach Kupferschmid, so schnell wie möglich passieren. „Man kennt solche Vorfälle sonst nur aus der Zeitung. Jetzt ist es direkt bei uns“, sagt er. Die Fassungslosigkeit hört man auch Tage später noch in seiner Stimme.

Dass sich die Vorfälle in der Nacht auf Mittwoch ereignet haben müssen, davon ist Kupferschmid überzeugt. Die letzten Gäste seien Dienstagnacht, gegen halb eins, nach Hause gegangen. „Da war noch nichts zu sehen“, sagt der Wirt. Am nächsten Morgen habe ihn ein Nachbar telefonisch über die Schmierereien informiert.

Besagter Nachbar wohnt nur wenige Meter vom Happinger Hof entfernt. Er ist 51 Jahre alt, will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Auch an seinem Haus haben sich die Jugendlichen verewigt. An seinem Holzzaun steht in weißer Schrift der Satz „Nazis raus“. An der Hauswand die Worte „Fight Fascism“ (Faschismus bekämpfen), aufgemalt mit schwarzem Graffiti-Spray. „Ich habe dafür einfach kein Verständnis“, sagt der Rosenheimer. Er habe Verwüstungen „in diesem Umfang noch nie erlebt“. „Das sieht nach einem richtigen Kreuzzug aus“, sagt er.

Anzeige
gegen Unbekannt

Der 51-Jährige vermutet, dass sich die Tat zwischen 23 Uhr und 6 Uhr morgens ereignet haben muss. „Um 23 Uhr bin ich von der Arbeit nach Hause gekommen. Da war noch nichts“, sagt er. Gegen 6 Uhr habe er das Haus verlassen und die Schmierereien sofort bemerkt. „Ich habe die Polizei informiert und Anzeige gegen Unbekannt erstattet“, sagt er. Er will in den kommenden Tagen eine Spezialfirma beauftragen, die sich der Sache annimmt – sobald er die Formalitäten mit seiner Versicherung geklärt hat.

Auch vor der Kirche St. Martin in der Inntalstraße machten die Jugendlichen nicht Halt. Wie der Verwaltungsleiter für die Stadtteilkirchen Rosenheim Am Wasen und Am Zug, Florian Weindl (40), mitteilt, sei auch die Kirchenmauer „mit verschiedenen Farben“ beschmiert wurden. Er spricht von einem „größeren Schaden“. Seit vier Jahren arbeitet er in der Verwaltung, einen solchen Fall habe er noch nicht erlebt. „Dass so etwas in Happing passiert ist komisch. Solche Fälle gibt es bei uns eigentlich nicht“, sagt Weindl.

Doch nicht nur in Happing hat es zahlreiche Graffitis und Schmierereien gegeben. Wie die Polizeiinspektion Rosenheim in einer Pressemitteilung ausführte, hat es in den vergangenen zwei Wochen im gesamten Stadtgebiet über 50 Fälle von Sachbeschädigungen gegeben (siehe auch Bericht auf Seite 10).

Das sagt der Experte

Laut Aldo Unterberger (75) von der gleichnamigen Malerei kostet die Entfernung von Graffiti rund 150 Euro. Mit einer Drahtbürste wird die Farbe abgebürstet und anschließend überstrichen. Problematisch wird es laut Unterberger nur, wenn es sich bei der Farbe der Fassade um einen selbstgemischten Ton handelt. „Dann kann es schon mal vorkommen, dass wir die gesamte Fassade neu streichen müssen“, sagt er. Das wiederum würde dann teurer werden.

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