Den Rosenheimern stinkt‘s gewaltig

von Redaktion

Geruchsbelästigung durch Kläranlage – Mitarbeiter suchen nach Ursache

Rosenheim – Den Rosenheimern stinkt es gewaltig – und zwar schon seit einigen Monaten. Der Grund: Die Kläranlage in der Leonardstraße sondert unangenehme Gerüche ab. Die Ursache dafür aber kennt niemand. Sehr zum Ärger der Anwohner. Im Werkausschuss wurde jetzt über den Sachstand informiert.

Offene Fenster
nur selten möglich

Den Geruch würde Claudia Sieberath überall erkennen. Schlimm sei er. Leicht chemisch, wie frisch gedüngt. An manchen Tagen nicht zum Aushalten. Seit 25 Jahren wohnt sie in Langenpfunzen und damit in unmittelbarer Nähe zur Kläranlage. „Über die Jahre ist der Geruch kontinuierlich stärker geworden. Richtig schlimm ist es seit dem vergangenen Jahr“, sagt sie. An manchen Tagen sei es so extrem, dass sie die Fenster schließen müsse.

Bei Ostwind ist’s besonders schlimm

Noch schlimmer ist die Situation für eine 70-jährige Rosenheimerin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Seit 50 Jahren wohnt sie westlich der Kläranlage. Sie weiß, wie sich der Geruch in den vergangenen Jahren verändert hat. Da gewesen sei er schon immer. Mittlerweile aber spricht sie von „einem Dauergestank“. Bei schönem Wetter sei es besonders schlimm, dann, wenn ein leichter Ostwind weht. „Manchmal geht es um 19 Uhr los, manchmal um 21 Uhr und ab und zu auch mitten in der Nacht“, sagt sie. Dann müsse sie alle Fenster schließen, werde häufig sogar aus dem Schlaf gerissen. „Wir versuchen, den Geruch so gut es geht zu verdrängen. Sonst ist das Leben nicht lebenswert“, sagt sie. Doch glücklich ist sie mit der Situation nicht. Immer wieder habe es Gespräche mit den Mitarbeitern der Kläranlage gegeben.

Doch auch die scheinen mit der Situation überfordert zu sein. „Wir haben bis jetzt noch keine Erklärung für den Geruch“, sagt der Rosenheimer Werksleiter Werner Willeitner. Was er weiß, ist, dass es seit 2019 vermehrt Beschwerden gegeben hat – von zahlreichen Anwohnern.

Daraufhin habe er, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern, sukzessiv versucht, Dinge zu ändern. Man habe Geruchsproben genommen, Messungen und Berechnungen gemacht. Doch eine Antwort, woher der Geruch kommt, gebe es nach wie vor nicht. In den kommenden Monaten sei eine Infrarot-Messung der Faultürme geplant, um mögliche Lecks festzustellen. Außerdem wurde ein externes Ingenieurbüro beauftragt, für eine Geruchsimmissionsprognose sowie eine Geruchsmessung an den entsprechenden Emissionsquellen des Klärwerks. Ebenfalls vorgesehen ist eine Neukonzeptionierung der Lagerplätze, eine Abdeckung des Sandfangs sowie die Installation eines Sandwäschers für das Kanalräumgut. Die Ursachenforschung läuft also auf Hochtouren. Bis das Problem gefunden ist, könnte es aber trotzdem noch etwas dauern.

Die Mitarbeiter der Stadtentwässerung setzen bis dahin auf einen „konstruktiven Dialog mit den Anwohnern“, sagt Willeitner. Den lobte auch Stadtrat Georg Soyer (CSU) im Werkausschuss.

Im vergangenen Jahr habe es so bereits zweimal einen offenen Austausch im Klärwerk gegeben. Die Anwohner haben ihre Sorgen kundgetan, haben genau angegeben, wann der Geruch am schlimmsten ist.

Die Mitarbeiter der Stadtentwässerung haben daraufhin ein Online-Eingabeformular für Geruchsmeldungen eingerichtet. Die Anwohner können hier neben Datum, Uhrzeit und Dauer der Belästigung auch die Art des Geruchs und die Intensität angeben. Zur Auswahl stehen faulig, süßlich, muffig, stechend, verwesend und chemisch. Ebenfalls angegeben werden sollten das Wetter, die Lufttemperatur sowie die Windrichtung und Windstärke. Schlüsse aus den Meldungen hätten die Mitarbeiter noch keine ziehen können. „Bis jetzt ergibt sich aus den Angaben kein rundes Bild“, sagt Willeitner.

Die beiden Frauen haben von dem Formular noch keinen Gebrauch gemacht. „Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt“, sagt Sieberath.

Sie freut sich über das Angebot, wie auch über die geplanten Veränderungen in der Kläranlage. Doch was bleibt, ist die Sorge um die Zukunft. Auch und gerade weil im Jahr 2022 die Gemeinde Raubling an die Kläranlage in Rosenheim angeschlossen wird. „Ich befürchte einfach, dass der Geruch dadurch noch schlimmer wird“, sagt sie.

Werksleiter
gibt Entwarnung

Werksleiter Willeitner gibt Entwarnung: „Aufgrund der Kapazitäten sowie der modernen Anlagentechnik können die Abwässer aus Raubling im System der Rosenheimer Kläranlage integriert werden, ohne dass es zu einer wahrnehmbaren Änderung des Betriebszustands oder der Reinigungsleistung käme.“ Eine Gefahr der Zunahme der vom Klärwerk ausgehenden Geruchsemission bestünde also nicht.

Stadträtin Daniela Dieckhoff (Grüne) fragte nach, ob zusätzlicher Bewuchs nicht helfen könnte, den Geruch einzudämmen. Das verneinte Willeitner.

Stadträtin Judith Kley-Stephan (Grüne) sagte, man müsse „die Kirche im Dorf“ lassen und den „Geruch abwägen“. So könne auch das Ausbringen von Gülle der Grund für den Geruch sein. Hier widersprach Soyer, sagte man müsse „die Anwohner ernst nehmen“ und die Angelegenheit „nicht ins Lächerliche“ ziehen. „Die Anwohner in Langenpfunzen können durchaus zwischen dem Geruch von Klärschlamm und Gülle unterscheiden.“

Er regte an, die Anwohner auch über weitere Entwicklungen zu informieren. Ein Wunsch, dem sich Claudia Sieberath und die restlichen Anwohner nur anschließen können. Bis es soweit ist, müssen sie sich aber mit dem Geruch abfinden – und aktiv bei der Suche nach der Ursache helfen, indem sie ihre Beobachtungen in das Online-Formular eintragen.

Das Formular ist auf der Homepage der Stadt unter der Rubrik Ämter und Dienststellen; Formular Geruchsbelästigung zu finden.

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