„Pro Arbeit ist eine echte Tochter der Stadt“

von Redaktion

Paten und Pädagogen müssen wegen Corona-Krise kreativ sein – März neuer Schirmherr des Qualipatenprojekts

Rosenheim – Der Eintritt in die Berufswelt funktioniert bei vielen Jugendlichen schon in „normalen“ Zeiten nicht problemlos. Die massiven Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie haben die Situation für junge Menschen, die Unterstützung beim Übergang vom Schul- ins Arbeitsleben benötigen, noch zusätzlich verschärft. Entsprechend hat der Lockdown auch die Jugendsozialarbeit an Schulen vor ganz neue Herausforderungen gestellt. So mussten die rund 70 Sozialpädagogen des Vereins „Pro Arbeit“ nach dem Schließen der Schulen rasch neue Wege finden, um mit ihren Schützlingen in Kontakt zu bleiben.

„Pro Arbeit hat in diesem Jahr einen Digitalisierungsschub erfahren“, brachte es der Vorsitzende Harald Neu bei der Mitgliederversammlung auf den Punkt. Messengerdienste und Videokonferenzen gehören auch hier nunmehr zum Arbeitsalltag. Teilweise wurden die EDV-Anlagen der Schulen ins Homeoffice verlegt. Via Telefon wurde gemeinsam mit den Jugendlichen an den Bewerbungen gefeilt und Vorstellungsgespräche geübt. Online-Arbeitsgruppen haben für den Bereich Berufsintegration und Jobcoaching für junge Geflüchtete Lernpakete zusammengestellt, um den Unterrichtsausfall abzufangen. Und die ehrenamtlichen Qualipaten wurden per Webinar für die virtuellen Austausch-Treffen mit ihren „Kollegen“ fit gemacht.

„Pro Arbeit ist eine echte Tochter der Stadt geworden“, hatte Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März zuvor den Stellenwert des Vereins für Rosenheim und die Region hervorgehoben. Mit seinen für die jeweiligen Problemlagen passgenauen Angeboten sei er der Garant dafür, dass auch Kinder aus schwierigen sozialen Lagen die nötigen Bildungsabschlüsse erreichen können und sich so die Basis schaffen für ein selbstständiges Leben. Dies wiederum bilde die Grundlage für den Zusammenhalt in der Gesellschaft, dem März höchste Priorität einräumt; und dafür brauche es Bildungsgerechtigkeit. „Wir müssen die Stadt als soziale Einrichtung verstehen“, mahnte er an.

Als fest etabliertes Bindeglied zwischen Schule und Jugendhilfe ist Pro Arbeit im Rahmen der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) mittlerweile an 26 Schulen in der Stadt und im Landkreis Rosenheim vertreten. Jährlich betreuen 30 Mitarbeiter dort mehr als 650 Einzelfälle; dazu kommen Gruppenarbeiten für ganze Klassen. Ausdrücklich hob Neu in diesem Zusammenhang das „große finanzielle Engagement der Stadt und des Landkreises“ hervor.

Acht Mitarbeiter mit
Vermittlung betraut

Mit der Ausbildungsvermittlung und dem Vermittlungscoaching im Auftrag der Jobcenter der Stadt und des Landkreises Rosenheim sind mittlerweile acht Mitarbeiter betraut; sie sind zudem im Rahmen der Berufsvorbereitungsjahre an den Berufsschulen tätig, die für viele Jugendliche in ein Ausbildungsverhältnis mündeten. Dank der Nachbetreuung konnte dann so mancher der jungen Menschen davon abgehalten werden, die Lehre wieder abzubrechen.

Breiten Raum nimmt bei Pro Arbeit nach wie vor, die Sprach- und Berufsintegration an den vier staatlichen Berufsschulen in Rosenheim, Bad Aibling und Wasserburg ein. Derzeit unterstützen 29 Mitarbeiter rund 250 junge Geflüchtete dabei, die deutsche Sprache zu erlernen und auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Als vierte Säule des umfangreichen Leistungskatalogs verwies der Vorsitzende auf die Koordination des Qualipatenprojekts, in dem sich aktuell 29 Ehrenamtliche an den vier Mittelschulen im Stadtgebiet engagieren und das mit OB März nun einen neuen Schirmherren bekommen hat.

Mit einer unveränderten Führungsmannschaft startet der Verein nun ins 24. Jahr seines Bestehens: Harald Neu (Vorsitzender), Johanna Mathäser und Hans Holzmeier (beide stellvertretende Vorsitzende), Schatzmeister Erich Schlarb sowie die Kassenprüfer Josef Trost und Mathias Lederer wurden einstimmig in ihren Ämtern bestätigt.

Artikel 11 von 11