Rosenheim – Sie jagen Raser, PS-Angeber und Verkehrsraudis: Die Beamten der Ermittlungsgruppe „Autoposer“ machen Rosenheims Straßen sicherer. Auch am Wochenende. Ein Abend mit der Rosenheimer Polizei.
Mit 160 km/h rast der 20-jährige Mann aus Brannenburg von der Autobahn in Richtung Rosenheim. Er überholt mit seinem schwarzen Audi A3 mehrere Autos auf der rechten Fahrspur, schert kurz danach teils gefährlich wieder ein. Von der Miesbacher Straße fährt der junge Mann weiter in Richtung Stephanskirchen. Den Fuß vom Gas nimmt er während der gesamten Zeit nicht. Was er nicht bemerkt: Den schwarzen VW, der ihn schon seit einiger Zeit verfolgt. Ein ziviles Dienstfahrzeug der Polizei, das an diesem Abend im Rahmen einer Polizei-Aktion unterwegs ist.
Schnellgutachten und
Punkte in Flensburg
„Das ist der typische Autoposer“, sagt Polizeihauptkommissar Robert Maurer, den Blick fest auf den schwarzen Audi vor ihm gerichtet. In der linken Hand hält der Beamte die rote-weiße Kelle, auf der in weißen Buchstaben die Worte „Halt Polizei“ stehen. Sein Kollege Polizeihauptmeister Andy Pyka sitzt am Steuer. Mit beiden Händen umfasst er das Lenkrad, drückt das Gaspedal durch. Der Tacho zeigt eine Geschwindigkeit von 150 km/h an – auf einer Strecke, auf der eigentlich nur 80 km/h erlaubt sind. Mittlerweile haben die beiden Männer den Abstand verkürzt und fahren direkt hinter dem Audi. Um Schlimmeres zu verhindern, setzt Maurer das Blaulicht aufs Dach, hält die Polizeikelle aus dem Fenster und weist den Audi-Fahrer an, rechts ranzufahren. Der kommt der Aufforderung nach.
Maurer kontrolliert Führerschein und Fahrzeugschein. Pyka schaut sich das Auto genauer an. Schon während der Verfolgung ist ihm aufgefallen, dass der Wagen tiefer gelegt ist und der Auspuff nicht den Vorgaben entspricht. Das Problem: Keine dieser Veränderungen hat der 20-Jährige in seinen Fahrzeugschein eingetragen lassen. Das wiederum zieht laut Pyka ein Erlöschen der Betriebserlaubnis mit sich. „Die Fahrt ist für ihn hier zu Ende“, sagt Maurer. In den kommenden Tagen wird ein Schnellgutachten erstellt, um alle technischen Mängel aufzulisten. Außerdem muss sich der 20-Jährige für gleich mehrere Verkehrsverstöße verantworten. Ihm drohen ein Bußgeldverfahren, Punkte im Verkehrszentralregister sowie ein Fahrverbot.
Es war der vielleicht spektakulärste Einsatz des Abends, aber nicht der einzige. Insgesamt elf Verstöße konnten die sechs Polizisten, die im Rahmen der Aktion unterwegs waren, feststellen. Fast fünf Stunden lang kontrollierten sie getunte Fahrzeuge und überwachten die bekannten Treffpunkte der Szene. „Es war verhältnismäßig ruhig. Aber das ist dem Wetter geschuldet“, sagt Maurer. So würden Regen und Gewitter die meisten Autoposer abschrecken. Aber eben nicht alle.
Auf der B15 fiel den Polizisten ein VW-Fahrer aus Garching auf, der verbotswidrige Distanzscheiben verbaut hatte. Die Messung ergab einen Abstand von fünf Zentimetern zwischen Achse und Felge. Das führt laut Maurer zu einer deutlichen Spurverbreiterung und ist „in dieser Art und Weise nicht zulässig“. Aus dem Polizeibericht wird später hervorgehen, dass gegen den 22-jährigen Mann ein entsprechendes Bußgeldverfahren mit Punkten in Flensburg eingeleitet wurde.
Mehrere technische
Veränderungen
Einen 26-jährigen Audi-Fahrer kontrollierten die Beamten wenig später in der Salinstraße in Rosenheim. Auffällig hier sei vor allem die Beleuchtung gewesen: ein feststehender Blinker (US-Style). Im Rahmen der Kontrolle stellten die Polizisten außerdem fest, dass der 26-Jährige die Blinker über sein Handy steuerte. Auch das führt, laut Maurer zum Erlöschen der Betriebserlaubnis.
In der Aisinger Straße zogen die Beamten der Ermittlungsgruppe „Autoposer“ einen BMW-Fahrer (27) aus dem Verkehr. Weder das eingebaute Fahrwerk, noch die Spoiler am Heck und an den Seiten hatte der Rosenheimer eintragen lassen. Die Polizisten forderten ihn auf, die technischen Veränderungen schnellstmöglich zu beheben. Auch er muss mit einem Bußgeldverfahren rechnen.
Zurück in der Miesbacher Straße kontrollierten die Polizisten einen 22-jährigen Audi-Fahrer aus Hausham. Auch an seinem Auto wurden mehrere technische Veränderungen und Umbauten festgestellt. Außerdem war das Fahrzeug so tief gelegt, dass zwischen Rahmen und Fahrbahn keine acht Zentimeter mehr blieben, sagt Maurer. Er ist zufrieden mit dem Einsatz, lobt die Arbeit der Ermittlungsgruppe „Autoposer“, die vor vier Jahren ins Leben gerufen wurde. Damals hatten 20 Fahrer im Alter von 18 bis 28 Jahren aus dem Landkreis ihr Unwesen auf den Rosenheimer Straßen getrieben. Die Ermittlungsgruppe, die unter Federführung der Rosenheimer Polizei entstand, soll die Fahrer dazu bringen, ihr Verhalten zu ändern und sie – sofern sich keine Besserung einstellt – von der Straße zu holen.
Hilft das nichts, folgen hohe Geldbußen, Führerscheinentzug und das Stilllegen des Fahrzeugs. „Nur so bekommen wir die Raserszene in Rosenheim in den Griff“, sagt Maurer.