Rosenheim/Lazise – Das Coronavirus hat Italien besonders schlimm getroffen. Mittlerweile hat sich die Lage zumindest ein bisschen entspannt. Doch die Angst vor einer zweiten Welle bleibt. Julia Lorenzer (41) aus Rosenheim, die in Italien lebt, berichtet über die Situation in Lazise.
Aufatmen nach
dramatischen Szenen
„Als ich Mitte März die Lage in Lazise beschrieb, steuerte Italien auf den vorläufigen Höhepunkt der CoronaKrise zu: Es galt eine strikte Ausgangssperre, die Straßen waren wie leer gefegt. Eine gespenstische Stille lag über Rosenheims Partnerstadt, während sich in den Krankenhäusern Norditaliens – vor allem in der nahen Lombardei – dramatische Szenen abspielten.
Erster Spaziergang
wieder am See
Im Mai wurden die Maßnahmen der Regierung gelockert, man konnte sich endlich wieder freier bewegen. Zum ersten Mal nach sieben Wochen konnten mein Mann und ich wieder ans Seeufer gehen, das nur wenige hundert Meter von unserer Wohnung entfernt liegt. Ganz Lazise atmete auf. Doch blieb die Stimmung eigenartig. Der Sommer kam – und es gab keine Touristen. Manche ältere Bewohner der Stadt erzählten mir, sie fühlten sich in die 60er-Jahre zurückversetzt, in die Zeit, bevor der Fremdenverkehr zu boomen begann. Manche genossen die Ruhe, viele hatten jedoch große Angst davor, dass es in diesem Jahr gar keine Tourismussaison geben würde. Am Gardasee ist das nun mal der Wirtschaftsfaktor Nummer eins. Seit einigen Wochen ist nun beinahe wieder Normalität eingekehrt. Hotels und Campingplätze sind geöffnet, Urlauber aus Deutschland und Österreich, aber auch aus Belgien, den Niederlanden und Dänemark flanieren durch die Gassen. Nicht nur für die Betreiber von Geschäften, Bars und Restaurants ist das eine gute Nachricht. Doch die meisten sehen auch die andere Seite der Medaille: Je mehr Menschen kommen, desto schwerer wird es, die noch immer geltenden Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten.
Im Veneto sind die Zahlen der gemeldeten Corona-Neuinfektionen momentan vergleichsweise gering. Aber was, wenn das Virus nun erneut eingeschleppt wird? Leider verhalten sich nicht alle Urlauber so, wie man es sich wünschen würde. Manchmal herrscht im centro storico schon wieder dichtes Gedränge, einige Ladenbesitzer sind es leid, andauernd auf die Maskenpflicht in ihrem Geschäft hinweisen zu müssen.
Andererseits gibt es auch Restaurantbetreiber und Geschäftsleute, die nichts mehr von Beschränkungen wissen wollen und nur noch ein Motto kennen: „Qui il virus non c‘è più! – Das Virus gibt es hier nicht mehr!“
Bei aller Freude über das wieder anlaufende Geschäft steckt das Trauma dieses Frühjahrs vielen meiner einheimischen Bekannten noch in den Knochen. Deshalb können sie den Leichtsinn dieser Leute nicht verstehen.
Verantwortung übernehmen
Trotz all dem gilt: In erster Linie freuen sich unsere Freunde in Lazise über die Gäste aus Rosenheim und aus ganz Europa. Und es ist ja keineswegs zu viel verlangt, Verantwortung zu übernehmen und sich an die Regeln zu halten, die wir alle von zu Hause kennen. Dann heißt es auch in diesem Sommer: Benvenuti a Lazise!“