Kolbermoor – Ein junges Rehkitz ist jetzt an den Folgen mehrerer Hundebisse gestorben. Es war in einen Garten an der Filzenstraße gekommen, der direkt am Tonwerkgelände liegt, und hat „jämmerlich nach seiner Mutter geschrien“, sagt die Gartenbesitzerin. Die Kolbermoorerin, die anonym bleiben möchte, alarmierte den zuständigen Jagdpächter Günter Puzik sowie Jäger Jürgen Halder.
Tier piepst
nach seiner Mutter
Die beiden Männer kamen und haben das Kitz in eine Decke gehüllt und ins hohe Gras auf das Tonwerk-Gelände gesetzt. „Wenn es bis 19 Uhr noch da ist, rufen sie mich an. Habe ich zu ihr gesagt“, sagt der Jäger. Dies war der Fall. Die Frau rief an, um zu sagen, dass sie vermutet, dass es nun tot ist. Halders sofortige neuerliche Kontrolle bestätigte die traurige Nachricht. Das rund drei Monate alte Rehkitz war mehrfach gebissen worden – „das haben wir vorher gar nicht sehen können“, sagt Halder.
Aber von vorne: In der Früh hörte die Anwohnerin der Filzenstraße ein „Piepsen“. Dem kläglichen Gejammer ging sie nach und entdeckte ein Rehkitz auf dem Hof. Minuten später stand das „steckerldürre“ Tier auf der Terrasse. „Wir haben uns gefragt, wo die Mutter ist und zunächst gewartet.“
Letztlich lag das schwache Tier „zusammengekrümmt in einer Ecke nahe der Hauswand“. Daraufhin hat die Kolbermoorerin Jagdpächter und Jäger angerufen – die prompt kamen. „Was machen wir jetzt“, war die erste Frage, die den Jägern durch den Kopf schoss. In der Hoffnung, dass doch noch alles gut werde, haben sie es in eine Decke gehüllt und das Kitz ins hohe Gras gelegt – vielleicht würde die Geiß doch noch auftauchen. Aber die kam nicht.
Wäre es zu diesem Zeitpunkt noch am Leben gewesen, „hätten wir es rückblickend aufgrund der Verletzungen erlösen müssen“, sagt Halder.
Denn: Bei der genaueren Untersuchung stellten die Fachmänner „mehrere Bisse fest – „die ganz eindeutig von einem Hund stammen“, sagt Halder. Am Hintern und an den Beinen hatte der Hund das Kitz erwischt – erst bei genauerer Betrachtung zu erkennen.
Anhand der Verletzungen geht Halder davon aus, dass die Bisse mehrere Tage alt waren. Kurz: Das Rehkitz hatte einen längeren Überlebenskampf hinter sich. Bis es sich in den Garten schleppte. „Vielleicht kannte es unseren Garten“, sagt die Anwohnerin. Rehe kommen immer wieder vorbei und fressen die Rosenknospen. Vielleicht war die Mutter darunter.
Aber wo ist die Mutter? Das lässt sich nicht sagen, erklärt Halder. Es kann sein, dass die Mutter nach ihrem Kitz geschaut hat, dann aber gemerkt hat, dass es nicht mehr aufsteht. „Sie kann es ja nicht wegtragen.“ Schließlich lässt die Geiß dann von ihrem Kitz ab. Halder hat nachdem er das Rehkitz untersucht hat, noch im Umkreis nach der Mutter gesucht – gefunden hat er nichts.
Wie auch? Auf dem großen Gelände. Aber sind dort denn viele Hunde ohne Leine unterwegs? „Die kann man gar nicht zählen, so viele sind es“, sagt die Anwohnerin. Und das bestätigt auch ihre Bekannte Manuela Faltermeier, die gleich um die Ecke wohnt. „Es ist der Wahnsinn“, schimpft Faltermeier gegenüber unserer Zeitung. Und wenn man die Besitzer fragt, warum die Tiere nicht angeleint sind, wird man blöd angeredet.“
Diese Erfahrung hat auch schon Halder gemacht, der übrigens auch einen Hund hat, der allerdings aber immer angeleint ist. So hat er auch auf der Spinnereiinsel oft Hundehalter darauf aufmerksam gemacht, ihre Vierbeiner anzuleinen. Aber die seien oft uneinsichtig.
Auf dem Gelände der Spinnereiinsel stehen Schilder, die auf die Leinenpflicht hinweisen. Die stehen bisher noch nicht auf dem Tonwerkgelände.
Aber auch dort herrscht Leinenpflicht, sagt Halder. Für das Gelände ist das Landratsamt Rosenheim zuständig – dennoch: Halder will sich bei der Stadt dafür einsetzen, dass Schilder aufgestellt werden. Ob das was bringt? „Sicher ist, das es nicht das letzte Rehkitz ist, dass an den Folgen von Hundebissen verendet.“
Die Bilder des schreienden Rehkitzes lassen die Anwohnerin nicht mehr los: Das habe ihr das Herz zerrissen. Es hat mich immer mit seinen großen Augen angeschaut. Leider konnte ich nicht mehr helfen.“