Rosenheim – Von Politikverdrossenheit keine Spur: Das ist der allgemeine Tenor, der bei Gesprächen mit jungen Vertretern von Rosenheimer Partei-Jugendorganisationen mitschwingt.
Die OVB-Heimatzeitungen haben vier junge Erwachsene gefragt, was sie antreibt und wie sie ihre Jugendorganisation im Politikgeschehen sehen.
Plattform zum Debattieren gefunden
Lucian Muresan, 20, Student, Junge Union Rosenheim: „Ich bin seit vier Jahren bei der Jungen Union (JU). Vorher war ich auf der Suche nach einer Plattform, wo ich debattieren, mich über Themen austauschen kann. Das habe ich bei der JU schließlich gefunden. Persönlich gehe ich gerne auf Stadtratssitzungen und bleibe so auf dem Laufenden. Es ist gut, einfach dabei zu sein. Ich finde, die Jugend von heute ist extrem politisch interessiert. Aber engagiert ist sie nicht. Es ist das eine, sich am Nachmittag mal bei irgendeiner Demo anzuschließen. Aber dass man aktiv etwas in die Hand nimmt und nach Lösungen sucht, das vermisse ich ein Stück weit. Jugendorganisationen von Parteien sind für mich essenziell. CSU-Generalsekretär Markus Blume ist zum Beispiel mal zu uns in eine Sitzung gekommen. Er hat sich Zeit für uns genommen. „Die da oben“ brauchen auch die Resonanz und das Feedback von unten. In die Rosenheimer Politik sind wir auch eingebunden. Bei jeder Sitzung der JU haben wir Aktuelles aus dem Stadtrat auf der Tagesordnung. Dafür laden wir eigentlich immer einen Stadtrat ein.“
Felicia Ludwig, 18, Abiturientin, Junge Ökologen Rosenheim-Chiemgau: „Ich habe den Kreisverband Junge Ökologen (JÖ) Rosenheim-Chiemgau 2019 gegründet. Ich fand, dass die ältere Generation der Ökologisch-Demokratischen Partei frischen Wind braucht. Die zentralen Aspekte meines Engagements sind die Umwelt und der Tierschutz. Wenn wir jetzt nicht handeln, wann dann? Beim Thema Brenner-Nordzulauf bin ich auch gegen eine neue Bahntrasse. Sie würde die Artenvielfalt zerstören. Ich bin der Meinung, dass es reichen würde, dass man das alte Netz ordentlich überdenkt und ausbaut. Ich glaube, dass es viel Mut braucht, Haltung zu einem Thema zu zeigen und ihre Meinung zu sagen. Einigen Jugendlichen scheint dieser Mut leider zu fehlen. Für mich ist Fridays For Future (FFF) das aktuellste Beispiel dafür, dass Jugendliche sehr wohl politisch engagiert und bereit sind, zu handeln. Ich habe zum Beispiel einen Verweis riskiert, um zu einer FFF-Demo zu gehen. Ich denke auf alle Fälle, dass wir parteiintern ernstgenommen werden. Es ist aber auch eine kleine Partei, da wächst man innerhalb mehr zusammen.“
Simon Wilz, 16, Schüler, Grüne Jugend Rosenheim: „Ich bin seit ungefähr drei Jahren politisch interessiert. Letzten Sommer bin ich zur Grünen Jugend gekommen, weil mir dort die Kombination verschiedener Themen, die mir am Herzen liegen, zugesagt hat. Das sind unter andrem Umweltschutz, Antirassismus und Bildungspolitik. Politisiert wurde ich auch durch Fridays For Future. Durch die Proteste werden entscheidungstragende Politiker daran erinnert, dass sie endlich handeln müssen. Außerdem beschäftigt mich das Thema Fake News. Ich möchte dazu beitragen, dass Debatten in der Gesellschaft wieder faktenbasiert geführt werden. Man bekommt leider oft zu hören, dass die Jugend nicht an Politik interessiert sei. Dass sie nicht politikverdrossen ist, zeigt sich aber gut an den „Fridays For Future“- und „Black Lives Matter“- Bewegungen. Beide bestehen hauptsächlich aus jungen Leuten. In Rosenheim halte ich ein attraktives Radverkehrsnetz für besonders wichtig. Ich teile die Ziele des Rosenheimer Radentscheids und hoffe, dass sich bald einiges ändert. Darüber hinaus wünsche ich mir einen ÖPNV, der auch am Wochenende fährt und von allen Schülern, Studierenden und Azubis kostenlos genutzt werden kann.“
„Wir können
etwas bewegen“
Reka Molnar, 19, Studentin, Jungsozialisten Rosenheim-Land: „Ich war schon immer ziemlich antifaschistisch, auf Demos aktiv und an Politik interessiert. Anfang 2017 bin ich der SPD und damit auch den Jungsozialisten (Jusos) beigetreten. Ich habe mir gedacht: ‚Nicht meckern, sondern machen.‘ Die Ausrichtung der Jusos stimmt mit meinen Werten Antifaschismus, Feminismus und Internationalismus überein. Deshalb habe ich mich dafür entschieden. Durch die Juso-Anträge, die wir an die SPD schicken, können wir die Arbeit in der Partei beeinflussen.
Ein Beispiel: Das Berufsbildungsgesetz, das die SPD durchgesetzt hat, war ursprünglich eine Juso-Idee. Wir können also etwas bewegen und bewirken. Ich bin zwar bei den Jusos Rosenheim-Land, wohne aber in Rosenheim und verfolge dort das Geschehen genau.
Klimaschutz und ÖPNV-Angebot
Ich finde, man sollte mehr auf den Klimaschutz achten und den ÖPNV verbessern und erhalten, gerade in Zeiten von Corona. Man sollte sich nicht mehr so stark auf den Autoverkehr fokussieren. Leute, die sagen, dass die Jugend nicht politisch interessiert oder engagiert ist, liegen für mich ganz klar falsch. Die Fridays For Future-Bewegung zeigt das genaue Gegenteil. Diese Demos werden aktiv von jungen Leuten organisiert und gestaltet. Außerdem arbeiten viele in Parteien oder Jugendorganisationen.“