Kein Stillstand in der Krise

von Redaktion

Von Fitness bis hin zu Mode: Viele neue Geschäfte in der Rosenheimer Innenstadt

Rosenheim – Es tut sich etwas in der Rosenheimer Innenstadt: Trotz der Corona-Krise gibt es nun einige Geschäfte mit Neueröffnungen. Sabrina Obermoser, Geschäftsführerin des City-Managements, ist vorsichtig optimistisch: „Städte durchleben immer einen Wandel. Corona hat einiges beschleunigt, auch Geschäftsaufgaben, andererseits sind auch neue Geschäftsmodelle entstanden.“ Man müsse weiterschauen, wie sich die Branchen in der Krise entwickeln.

Ein Pop-Up-Store
gegen den Leerstand

Nachdem der Franchise-Unternehmer B.Good Insolvenz angemeldet hatte, sah es auch um die Filiale in der Heilig-Geist-Straße 18 in Rosenheim nicht rosig aus. Das Lokal musste schließen. Nach Monaten des Leerstands ist nun wieder Leben in die Räume zurückgekehrt. Mit einem Pop-Up-Store hat das Fitnessstudio Mcfit ein Vorverkaufsbüro aufgezogen. Das eigentliche Studio, 1700 Quadratmeter groß, wird am 16. Oktober in der Luitpoldstraße 4 im Ärztehaus Medical Cube eröffnet, wie Unternehmenssprecher Pierre Geisensetter mitteilte.

Und was folgt in der Heilig-Geist-Straße nach der Zwischenlösung? Einen konkreten Nachmieter hat Vermieter Dominik Simon noch nicht. Sein Wunsch: Gastronomen aus der Region, da die Einrichtung dafür bereits vorhanden sei. „Es wäre schade, sie herausreißen zu müssen.“

Ein weiteres Fitnessstudio gibt es überdies seit Mitte September in der Nähe der Loretowiese: Pulse-Fitness in der Kaiserstraße 21.

Blickfang in
der Innstraße

Mit einer goldenen Fassade sticht in der Innstraße das Projekt INN 40 ins Auge. Dahinter stecken Stoeger Architekten aus Rohrdorf. Über dem Erdgeschoss befinden sich Wohnungen mit Loggien. Durch das neue Gebäude in der Innstraße erlebe die Straße eine ausgefallene Aufwertung, ist Sabrina Obermoser vom City-Management überzeugt. Im Erdgeschoss befindet sich der Laden Ogansia. Inhaberin Havva Koplay aus Rosenheim bietet Naturprodukte aus verschiedensten Kategorien an, darunter Kaffees mit dem sogenannten Heilpilz Reishi und Halal-Produkte.

Auf natürliche Lebensmittel setzt auch die Bar Alpentrunk: Abdul Iqbal eröffnete sie mitten in der CoronaHochphase in der Kaiserstraße 4. Auf nur elf Quadratmetern Ladenfläche kreiert der gebürtiger Kölner und Wahl-Rosenheimer Cocktails mit Zutaten aus der Region. Ebenfalls in der Kaiserstraße kann man ab jetzt bei Baso Tea Bubble-Tea, Tee mit Perlen aus Stärke, trinken.

Neuigkeiten in
der Textilbranche

Veränderungen gibt es zudem am Ludwigsplatz 29: Hier hat Walter Flaschl altersbedingt nach Jahrzehnten sein Modegeschäft Gigolo aufgegeben. Nachfolger seit Mitte September: Böck Herrenmoden mit einem Outlet-Store – parallel zu dem Geschäft in der Bahnhofstraße 2. Im nächsten Frühjahr werde man dauerhaft an den Ludwigsplatz ziehen, erklärte Geschäftsführer Stefan Glocker. „Wir glauben, dass wir dort das richtige Umfeld für ein Textilgeschäft haben.“

Als Neuling in der Modebranche versucht sich das Ehepaar Doris und Tobias Engelmann in der Bahnhofstraße 4. Sie übernahmen das Skizzo, womit sie sich einen Traum erfüllten. Ein weiteres Bekleidungsgeschäft eröffnete in der Heilig-Geist-Straße 27. Bellissima hat dort neben Traunstein eine zweite Filiale.

Auch Andrea Körber geht mit ihrem Geschäft für Damen-Designermode und Interieur, das sich am Ludwigsplatz 19 befindet, einen Schritt weiter. Im nächsten Jahr verwirklicht sie ein zweites Standbein in dem Gebäude am Ludwigsplatz, in dem sich jahrelang die Postfiliale befand. Ein genauer Termin steht bisher noch nicht fest.

Neu eröffnen wird außerdem die Buchhandlung Rupprecht im ehemaligen K&L-Gebäude in der Münchener Straße 2. Firmeninhaber Johannes Rupprecht teilte auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen mit: „In der Adventszeit ist es soweit.“ Die Mieter im restlichen Teil des viergeschossigen Gebäudes sind noch nicht bekannt.

Noch vor einer Eröffnung steht Optiker-Meister Matthias Jüptner, der in das ehemalige Traditionsgeschäft „Stoff-Reich“ am Mittertor zieht. Geplanter Eröffnungstermin: Ende Oktober.

Neuigkeiten gibt es auch bei „Tavola – Küchenladen am Grünen Markt“ am Ludwigsplatz 20. Wie Inhaberin Teresa Heininger erklärte, ziehe das Geschäft im März nächsten Jahres um und vergrößere sich. Wohin das neue Tavola dann komme, wollte Heiniger nicht verraten. „Noch ist nichts spruchreif, wir werden für unsere Kunden aber in der Region bleiben.“

Eines haben die neuen Ladenbesitzer alle gemein: Durch die Krise ließen sie sich nicht aufhalten.

Die Probleme des Einzelhandels

Der Einzelhandel befindet sich in einer Krise. Das weiß auch Thomas Bugl, Wirtschaftsdezernent der Stadt Rosenheim. Die einzige Möglichkeit, um die Corona-Beschränkungen zu umgehen, sei der Online-Verkauf. Dieser fiele zu Lasten des stationären Einzelhandels. In Rosenheim gebe es noch viele inhabergeführte Geschäfte, so Bugl. „Ich finde es erstaunlich, wie sich die Rosenheimer Einzelhändler mit innerer Stärke gegen die strukturellen Verschiebungen gewehrt haben.“ In der Stadt hätten die Ladenbesitzer eine privilegierte Position im Vergleich zu anderen Städten in Bayern. Neben ihrer überdurchschnittlichen Einzelhandelsmentalität könnten sie auch eine große Kundschaft aus dem Umland abschöpfen. In Rosenheim sei das Angebot sogar noch vielfältiger geworden. Viele Vermieter hätten auch ihre Mieter unterstützt, etwa durch Mietstundung. ahm

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