Schwieriger Weg zum Traualtar

von Redaktion

Alois und Jessica Unterlinner haben zwei Nachthochzeiten gefeiert

Rosenheim/Pang – Heiraten in Corona-Zeiten ist kein leichtes Unterfangen. Umorganisieren, anders planen, oft spontan und wesentlich aufwendiger als ursprünglich gedacht etwas realisieren – daran mussten sich auch Alois und Jessica Unterlinner aus Pang in den vergangenen Wochen erst einmal gewöhnen. Trotzdem ziehen sie es durch, wie sie sagen, und freuen sich riesig auf ihren großen Tag am 10. Oktober. „Es gibt keine Alternative“, sind sie überzeugt.

Aussiedlerhof in
den Panger Feldern

Eine normale Hochzeit wäre es so und so nicht geworden. Die beiden bewirtschaften einen Aussiedlerhof in den Panger Feldern. Mit Leidenschaft führen Alois (30) und seine Eltern die Milchviehwirtschaft am Esterfeld, die ihren Ursprung an der Dorfstraße hat. Jessica (27) stammt aus dem hessischen Vogelsberg und zog als 16-Jährige mit ihrer Familie nach Rosenheim. Angestellt ist sie zudem im öffentlichen Dienst, nebenbei arbeitet sie als DJane. Ergänzt haben beide den bestehenden Betrieb um eine Freilandhühnerfarm.

Geplant war eine richtig große, bayerische Bauernhochzeit. Mehr als 160 Leute hätten bis um Mitternacht zusammen gegessen, getrunken, gelacht und getanzt. Ganz so viele werden es nicht. Essen, Trinken, viel Musik und selbst gemachten Eierlikör gibt es trotzdem. Statt in die „Weinstube“ geht es aber in die „Desinfektionsstube“, teilt die Einladung mit. Ein kleiner Seitenhieb auf dieses Virus, das gerade so viel durcheinanderwirbelt, nicht bösartig gemeint, nicht verharmlosend, sondern einfach nur gedacht als Zeichen dafür, dass etwas anders ist, als es mal geplant war.

Leicht ist das für die beiden Rosenheimer nicht immer. Egal ob beim Gottesdienst am Vormittag oder bei der Feier am Abend. Gerne hätten sie alle Freunde, Bekannten und Nachbarn eingeladen. Aber es geht eben nicht. „Die Menschen haben Verständnis dafür und sind uns nicht böse“, sagt Jessica. „Es hilft ja nichts“, fügt Alois hinzu. Das junge Paar hält sich eben strikt an die aktuellen Auflagen und versucht, auf seine eigene Art mit der Thematik locker und besonnen umzugehen.

Änderungen bei
der Nachthochzeit

So gab es auch bei der sogenannten Nachthochzeit einige Änderungen. Um die maximalen Besucherzahlen einzuhalten, die aufgrund der verschärften Regelungen aktuell in Rosenheim gelten, wurde die Hochzeitsgesellschaft geteilt. Statt einmal, feierte das Brautpaar eben zweimal – am Freitagabend mit der Verwandtschaft, am Samstagabend mit Freunden und Bekannten.

Hochzeitsbaum
erinnert an Pflichten

Umso größer ist die Freude darüber, dass die beiden trotz der Einschränkungen einen Hochzeitsbaum erhalten haben. „Das ist wirklich eine große Ehre“, zeigen sich beide demütig. Die rund 32 Meter hohe Fichte hat Nachbar Florian Gilg vom Frimmer-Aussiedlerhof spendiert. Diese südbayerische Tradition wird in den ländlich geprägten Stadtteilen nach wie vor hochgehalten.

Das „Stangerl“ soll das junge Ehepaar an die ehelichen Pflichten erinnern – allen voran das Nachwuchsbekommen – und ist während einem Spaziergang durch die Panger Felder schon von Weitem sichtbar. Täglich werden sie darauf angesprochen und täglich wird ihnen gratuliert – zu einer Hochzeit, die etwas anders als angedacht stattfindet, aber mindestens doppelt so viel Glück und Freude bringen soll als geplant. aez

Artikel 6 von 11