Rosenheim – Ein junger Mann aus Bronze in einer etwas altertümlichen Kleidung mit Pagenfrisur und Mütze sitzt lässig auf einer hohen Brunnensäule und schlägt schelmisch blickend die Laute. Ringsherum herrscht geschäftiges Treiben. Der „Lautenschlagerbrunnen“, ein Werk des Münchner Bildhauers Toni Preis, bildet die fast dörfliche Mitte des Salinplatzes, einem Geschäftszentrum mit Läden, Gastronomie, Büros und Wohnungen, das Richard Wurm senior (1921 bis 2016) nach acht Jahren Planung und eineinhalb Jahren Bauzeit kurz vor Ostern 1987 eröffnen konnte.
Wasserspeiende Teufelsfratzen
Einen Tag nach der Eröffnung des Salinplatzes enthüllte der Rosenheimer Unternehmer am Gründonnerstag, dem 16. April 1987, in Anwesenheit von Toni Preis den Lautenschlagerbrunnen. Der Schriftsteller und Regisseur Georg Lohmeier (1926 bis 2015) – auch bekannt unter dem Pseudonym Tassilo Herzwurm –, der den Kontakt zwischen Richard Wurm und dem Bildhauer hergestellt hatte, hielt eine launige Rede und merkte an, dass die wasserspeienden Teufelsfratzen im Säulenfuß böse Geister vom Salinplatz fernhalten sollen.
Das Motiv des Lautenspielers war der ausdrückliche Wunsch von Richard Wurm, da seine Familie dieses aus dem Arabischen stammende Zupfinstrument und seine Musik sehr schätzt. So gestaltete Toni Preis ein rundes Brunnenbecken, in dessen Mitte sich eine hohe Säule auf einer Kugel erhebt, darauf thront die Bronzeskulptur des Lautenschlagers. Einige Ziermotive wie ein wellenartiges Ornament am Brunnenbecken, sechs Teufelsfratzen als Wasserspeier auf der Kugel und ein Wellenband im oberen Teil der Säule setzen belebende Akzente.
Die Renovierung
missfällt dem Künstler
Ursprünglich sahen die Teufelsgesichter recht witzig aus, mit weit geöffneten Mündern und Zahnlücken, aus denen das Wasser lebendig in das Brunnenbecken sprudelte. Im Laufe der Jahre waren mittlerweile so einige Renovierungen notwendig geworden. Etwa die Münder sind zugespachtelt geworden. Aus dünnen Leitungsröhrchen fließt nun das Wasser recht scharf und gepresst in den Trog, was Künstler Toni Preis selbst, der bei der Umgestaltung nicht zu Rate gezogen wurde, überhaupt nicht gefällt.
Doch der Münchner Bildhauer entwarf nicht nur die Brunnenanlage, er meißelte Becken und Säule auch eigenhändig aus Wachenzeller Dolomit, einem sehr robusten Kalkstein, der nördlich von Eichstätt abgebaut wird, und wegen seiner Beständigkeit gegen Frost und Salz gerne für Plattenbeläge, Fassadenverkleidungen, Brunnen und Grabmale verwendet wird. Auf dem oberen Rand des Brunnenbeckens ist in Versalien der Name des Finanziers „gestiftet v. Richard Wurm“ und des Künstlers verbunden mit der Jahreszahl „19 Toni Preis 87“ eingraviert.
So wurde der Lautenschlagerbrunnen mit seiner traditionellen Formensprache zur lebendigen Mitte des sich dreieckig weitenden Salinplatzes, wo er mit den historisierenden Häuserfassaden, die Erker, Sprossenfenster und schmiedeeiserne Balkongitter zieren, korrespondiert. Platanen, Kandelaber und die Tische und Stühle der umliegenden Restaurants rahmen den Brunnen und schaffen ein gemütliches Ambiente, das zum Verweilen einladen soll. Auf dem früheren Salinengelände zwischen Bahnhofstraße und Salinstraße, wo sich zuvor nur eine alte Tankstelle und das damals heruntergekommene Hotel Greckl, einst ein Schmuckstück der Nachkriegsjahre, befunden hatten, war ein attraktives Geschäftszentrum entstanden.
Da immer wieder achtlos in das Brunnenbecken geworfener Müll die Abläufe verstopfte, erhielt der Lautenschlagerbrunnen schon ein gutes halbes Jahr nach seiner Inbetriebnahme ein kräftiges Schutzgitter. Da ist der Hinweis „Kein Trinkwasser“ auf dem Beckenrand nicht mehr wichtig, man kommt schließlich sowieso nicht näher an das Wasser heran.
Weitere Anlage für
die Stadt Neumarkt
Kurz nach der Aufstellung des „Lautenschlagerbrunnens“ war Bildhauer Toni Preis wieder einmal in Neumarkt in der Oberpfalz, wo er 1974 und 1975 im Rahmen eines Bildhauersymposions unter dem Motto „Lebensbrunnen – Urnenfeld“ eine große Anlage auf dem Friedhof geschaffen und seither eine ganze Reihe von weiteren Aufträgen ausgeführt hatte. „Als ich dem damaligen Oberbürgermeister ein Foto meiner neuesten Schöpfung, dem Brunnen in Rosenheim zeigte, wollte Kurt Romstöck unbedingt auch einen Lautenspieler mit Brunnen für seine Stadt haben“, erzählt Toni Preis. So wurde ein weiterer Abguss der Bronzefigur für Neumarkt angefertigt und Preis entwarf, etwas Unterschied musste dann schon sein, eine Brunnenanlage mit einem großen, runden Bodenbecken und einer niedrigen Säule am Rand als Sitzplatz für den Musikanten.
Bereits im November 1987 konnte diese Brunnenvariante in der Parkanlage Ludwigshain aufgestellt werden. So gibt es seit 1987 zwei Brunnen mit der Bronzefigur des Lautenschlagers, einen in unserer Stadt und einen in Neumarkt in der Oberpfalz. Doch Rosenheim hat das Original.