Wie war der Abschied für Sie?
Er traf mich nicht ganz unvorbereitet. Leider war ja absehbar, dass die SPD bei der Stadtratswahl deutlich Federn wird lassen müssen, sodass mein Wiedereinzug fraglich war. Zwar wurde ich auf Platz sechs vorgewählt, was aber bei fünf Sitzen knapp nicht mehr reichte. Einerseits war der Abschied natürlich eine Zäsur in meiner Biografie, andererseits nach 30 Jahren im Stadtrat auch schon ein, salopp formuliert, deutliches Überschreiten des Mindesthaltbarkeitsdatums.
Was waren Ihre Herzensthemen?
Schon vor meiner Zeit als Stadtrat habe ich mich gegen den um sich greifenden und gleichwohl auch von den lokalen Medien unterschätzten Rechtsradikalismus engagiert. Angesichts des gefährlichen Schulterschlusses zwischen Corona-Leugnern, Verschwörungssektierern und Demokratiefeinden ein weiterhin brisantes Thema. Kommunalpolitisch waren während meiner Zeit als Fraktionsvorsitzender und darüber hinaus die Umwelt-, Verkehrs- und Baupolitik mein thematischer Schwerpunkt. Heute kaum mehr nachvollziehbar, um ein Beispiel zu nennen, war ein Antrag auf die Einführung von Mehrweggeschirr auf dem Rosenheimer Herbstfest höchst umstritten. Ebenso die Initiativen für die Schaffung von Bauland für Einheimische oder die Schaffung günstigen Wohnraums über das „Einfrieren“ des Bodenpreises.
Was haben Sie aus ihrer Zeit als Stadtrat mitgenommen?
Tatsächlich habe ich viel gelernt während dieser drei Jahrzehnte – sowohl fachlich, als auch menschlich. Das sind interessante Erfahrungen, die ich sonst nicht hätte machen können und die auch junge Menschen ermutigen sollten, sich zu engagieren, in welcher Form auch immer.
Geht Ihnen die Politik ab? Was machen Sie mit der dazugewonnen Zeit?
Nachdem die direkte Beteiligung an der Politik rund die Hälfte meines Lebens geprägt hat, davon 14 Jahre als Fraktionsvorsitzender der SPD, geht sie mir schon etwas ab. Trotzdem bleibe ich natürlich ein politischer Mensch. Mehr Zeit bleibt für Familie und Sport. Hinterher fragt man sich aber schon, wie man das vorher alles unter einen Hut gebracht hat.
Was würden Sie sich in Zukunft für Rosenheim wünschen?
Über Sachthemen wie Verkehrs- oder Wohnraumpolitik hinaus ist es heute wichtiger denn je, den Zusammenhalt der (Stadt) Gesellschaft zu wahren auf der Basis unserer demokratischen Werte. Hierfür wünsche ich meinen Kolleginnen und Kollegen eine glückliche Hand.