Wie war der Abschied für Sie?
Ich habe es sehr bedauert, nicht mehr dem Stadtrat anzugehören und war nach der Wahl traurig und frustriert. Aber da die Wahl dann so von Corona überschattet war, hatte ich nicht so viel Zeit zum Nachdenken, da ja die Kitas schließen mussten und meine Kinder somit zu Hause waren. Mit dem Lockdown war dann sowieso alles ganz anders.
Was waren Ihre Herzensthemen?
Da ich selber zwei kleine Söhne habe, lagen mir vor allem kinderbezogene Themen wie ausreichend Kita-Plätze sehr am Herzen. Aber auch der Bereich Jugendhilfe war für mich eine absolute Herzensangelegenheit.
Was haben Sie aus Ihrer Zeit als Stadträtin mitgenommen?
Ich habe vor allem gelernt, dass in der Politik niemand nach dem Privatleben fragt. Als mein zweiter Sohn gerade mal vier Wochen alt war, nahm ich ihn mit zur Stadtratssitzung, da es in der Kommunalpolitik weder Elternzeit noch Mutterschutz gibt. Aber viele haben das gar nicht mitbekommen. Auch wie schwierig es ist, für 17 Uhr die Betreuung kleiner Kinder zu organisieren, wissen wahrscheinlich viele meiner Ex-Stadtratskolleginnen/-kollegen gar nicht.
Geht Ihnen die Politik ab? Was machen Sie mit der dazugewonnen Zeit?
Inzwischen fehlt mir die Kommunalpolitik nicht mehr so sehr. Ich fühle mich nicht mehr gleich angegriffen, wenn im Freundeskreis jemand über „die Stadt“ schimpft oder irgendwelche städtischen Einrichtungen. Die Zeit, die ich dazugewonnen habe, entspannt meine Familie sehr. Der Stadtrat war oft eine Zerreißprobe. Ich merke erst jetzt, wie entspannt es sein kann, wenn man ab nachmittags keine Termine mehr hat.
Was würden Sie sich in Zukunft für Rosenheim wünschen?
Ich wünsche mir, dass Rosenheim die Balance findet, wirtschaftlich ein attraktiver Standort zu sein, aber andererseits in Bezug auf Klima- und Umweltschutz eine Vorreiterrolle übernimmt.