Rosenheim – Jedes Jahr erkranken in Deutschland 13000 Menschen an Leukämie. Dabei ist eine Transplantation von gesunden Stammzellen oft die einzige Überlebenschance für die Patienten. Ein Gespräch mit Dr. Cornelia Kellermann von der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern zum heutigen Welttag der Knochenmarkspende.
Warum ist es so wichtig, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen?
Je mehr Menschen im weltweiten Spendernetz gespeichert sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Spender für einen Patienten zu finden. Es warten noch immer etwa 20 Prozent der Leukämiekranken vergeblich auf einen passenden Spender. Außerdem müssen permanent Spender aus der Datenbank gelöscht werden, weil sie die zulässige Altersgrenze überschritten haben oder weil sie selbst erkranken.
Wie beeinflusst die Corona-Pandemie die Registrierung von Stammzellspendern?
Wegen des Lockdowns mussten wir alle Typisierungsaktionen in diesem Jahr absagen. Das hat bei der Spendergewinnung einen erheblichen Einbruch verursacht. Unter Einhaltung eines Hygienekonzeptes fangen wir gerade wieder damit an, vor Ort Aktionen durchzuführen. Man kann sich aber auch online unter www.akb.de ein Set zum Registrieren bestellen.
Was passiert nach der Registrierung als Stammzellspender?
Die Probe des Spenders wird analysiert. Die Gewebemerkmale werden in einem weltweiten Spendernetz anonymisiert gespeichert. Diese Datenbank wird laufend aktualisiert. Wenn es eine Übereinstimmung zwischen einem Patienten und einem Spender gibt, wird dieser benachrichtigt.
Wer kann Stammzellspender werden?
Jede gesunde Person zwischen 17 und 45 Jahren kann sich als Stammzellspender registrieren lassen. Wenn man zur Blutspende zugelassen wird, erfüllt man automatisch die Kriterien für die Stammzellspende. Es kann allerdings Jahre dauern, bis es zur Spende kommt. In diesem Fall wird der aktuelle Gesundheitszustand des Spenders gecheckt. Man darf zum Beispiel keine schweren Allergien, Krebs- oder Immunsystemerkrankungen haben. Registrierte Stammzellspender dürfen nach den gesetzlichen Vorgaben nur bis zum 61. Geburtstag für eine fremde Person spenden. Außerdem liegt die Grenze für die Registrierung bei 45 Jahren. Denn je älter eine Person ist, desto seltener wird sie als Stammzellspender angefordert. Die Stammzellen junger Spender haben größere Erfolgsaussichten für den Patienten.
Was ist der Unterschied zwischen einer Knochenmark- und einer Stammzellspende?
Die Bezeichnungen beschreiben zwei verschiedene Methoden der Stammzellgewinnung. Sie können zum einen durch die Entnahme eines Blut-Knochenmark-Gemisches aus dem Beckenkamm gewonnen werden. Das ist ein 60-minütiger Eingriff unter Vollnarkose. Diese Methode wird aber nur noch in 20 Prozent der Fälle angewandt. Zum anderen gibt es die periphere Blutstammzellspende. Dabei werden die Stammzellen aus dem peripheren Blutkreislauf quasi herausgefiltert und das restliche Blut in den Körper zurückgeführt. Interview: Alexandra Schöne