Rosenheim – 12000 Schlafsäcke, 530 Zelte, 1400 Feldbetten, 2500 Isomatten, 2000 Decken und zwei Sanitärcontainer: 16 ehrenamtliche Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks haben Hilfsgüter nach Griechenland gebracht, um das Leid der Menschen in Moria zu lindern. Mit dabei: Die Rosenheimer THWler Jörg Necker und Maximilian Heick.
Im Auftrag des Auswärtigen Amtes
Die Telefonverbindung ist schlecht. Es rauscht, dann meldet sich Jörg Necker aus knapp 2000 Kilometer Entfernung. Im Hintergrund hört man Anweisungen in verschiedenen Sprachen, außerdem das Verrücken von Gegenständen. „Wir sind gerade beim Ausladen“, sagt Necker. Er steht gerade in einer riesigen Lagerhalle in der Nähe von Athen, erzählt er am Telefon. Hier werden die verschiedenen Hilfsgüter zwischengelagert, bevor sie nach Lesbos transportiert werden. Auf der Insel ist die Lage nach dem Brand in dem Flüchtlingslager Moria weiterhin ernst. Tausende Menschen leben auf der Straße. Damit die griechischen Behörden die obdachlos gewordenen Menschen auf der Insel Lesbos unterbringen können, transportierte das THW jetzt im Auftrag des Auswärtigen Amtes und des Bundesinnenministeriums Hilfsgüter von Deutschland nach Griechenland.
72-Stunden-Reise nach Athen
Mit dabei ist auch Jörg Necker. Der 38-jährige Rosenheimer ist seit 20 Jahren beim THW, hat schon etliche Auslandseinsätze hinter sich. „Für mich gehört das fast zum Alltag dazu“, sagt er. Dass er auch nach Athen reist, sei für ihn von Anfang an klar gewesen. „Ich will mich humanitär engagieren und dafür sorgen, dass die Leute auf Lesbos wieder eine einigermaßen feste Unterkunft haben“, sagt er. Schon ein kleines Lächeln der Betroffenen sei Lohn genug.
Deswegen stört es ihn auch nicht, dass er fast 72 Stunden unterwegs war, um nach Athen zu gelangen. Vor genau einer Woche machte er sich, gemeinsam mit 15 weiteren ehrenamtlichen Helfern auf den Weg. Mit acht Fahrzeugen transportierten sie rund 170 Tonnen Hilfsgüter. „Die Fahrt war schon anstrengend“, sagt Necker. Daran hätten auch die zahlreichen Pausen und die ständigen Fahrerwechsel nichts geändert.
Von Rosenheim ging es über Österreich nach Italien. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Bologna führte die Fahrt weiter nach Ancona. „Dort ging es dann auf die Fähre nach Patras“, sagt Necker. Insgesamt 23 Stunden verbrachten die Männer auf der Fähre. Man habe sich ausgeruht, Besprechungen durchgeführt und einen Plan gemacht, wie man die Lkws am Zielort am besten auslädt. Auch der heftige Seegang durch den Wirbelsturm „Ianos“, von dem die Einsatzkräfte überrascht wurden, verlief glimpflich.
In Patras angekommen, fuhren die Ehrenamtlichen die vierstündige Strecke nach Athen. Nach einer Nacht im Hotel ging es für Necker und seine Kollegen ins Lagerhaus. „Wir haben erst den ungarischen Hilfskräften geholfen, danach waren wir dran“, sagt der 38-Jährige. Die Stimmung vor Ort sei normal. Auch und gerade weil Athen „weit weg ist“, die THWler „von der Situation auf Lesbos nichts mitbekommen“.
Mittlerweile ist es um Necker herum lauter geworden. Das Ausladen der Sattelzüge läuft auf Hochtouren, wie er erzählt. Laut dem 38-Jährigen sind bereits 140 Lkw-Ladungen angekommen, weitere sollen folgen. Sobald das neue Camp auf Lesbos aufgebaut ist, werden die Hilfsgüter auf die Insel transportiert. „Das machen die Griechen aber in Eigenregie.“ Er und seine Kollegen machen sich nach dem Ausladen wieder auf den Rückweg. Von Athen geht es zurück nach Patras, von dort auf die Fähre nach Ancona und weiter nach Rosenheim.
Dort angekommen, heißt es für Jörg Necker erst einmal entspannen, bevor es zurück in den Arbeitsalltag geht. Seine Hoffnung: „Wenn ich in den nächsten Tagen einen Bericht über Lesbos anschaue, dann sehe ich vielleicht ein Zelt, dass wir abgeladen haben.“ Dafür nimmt er eben auch eine insgesamt sechstägige Reise ohne Murren in Kauf.