Teures Lichtermeer

von Redaktion

Rosenheim übernimmt ausnahmsweise die Kosten für die Weihnachtsbeleuchtung

Rosenheim – Weihnachten ist zwar erst in 91 Tagen, die Vorbereitungen aber laufen schon jetzt auf Hochtouren. Damit die Stimmung nicht unter der Corona-Krise leidet, hat sich die Stadt bereit erklärt, die Gesamtkosten für die Weihnachtsbeleuchtung in Höhe von 81500 Euro zu tragen. Angesichts der angespannten Haushaltsituation ein mutiger Schritt.

Einzelhändler sollen
unterstützt werden

Oberbürgermeister Andreas März (CSU) will sich von der Corona-Krise nicht das Weihnachtsfest verderben lassen. Im jüngsten Haupt- und Finanzausschuss hat er deshalb vorgeschlagen, dass die Weihnachtsbeleuchtung in diesem Jahr gänzlich durch die Stadt finanziert werden soll. Dadurch sollen die Einzelhändler, die die Corona-Krise besonders hart getroffen hat, unterstützt werden. Denn wer bis jetzt eine Weihnachtsbeleuchtung vor seinem Geschäft haben wollte, hat die Kosten selber getragen.

Laut Stadtverwaltung übernahmen die Geschäftstreibenden am Ludwigsplatz, am Max-Josefs-Platz, in der Heilig-Geist-Straße und in der Münchener Straße im vergangenen Jahr 36352 Euro der Kosten. Ein weiterer Teil wurde durch den Wirtschaftlichen Verband und das City-Management übernommen. Die Stadt beteiligte sich im vergangenen Jahr mit 36613 Euro. Mit diesem Geld wurden unter anderem der Aufbau des Christbaums auf dem Max-Josefs-Platz, die Stromkosten sowie die Einlagerung und der Ersatz der Glühbirnen finanziert.

Weil die Einzelhändler aufgrund des Lockdowns aber große Umsatzeinbußen hinnehmen mussten, bietet die Stadt jetzt ihre Unterstützung an. „Wir wollen ausnahmsweise die Kosten der Geschäftstreibenden sowie des City-Managements übernehmen“, teilt die Verwaltung mit. Und zwar nicht nur für die Innenstadt, sondern auch für die Innstraße und das Esbaumviertel. Beide Straßenzüge organisierten ihre Beleuchtung bislang selbst. Der Gleichberechtigung wegen hat sich die Stadt auch hier bereit erklärt, die Kosten in Höhe von rund 6200 Euro zu übernehmen.

Wie wichtig dieses Entgegenkommen der Stadt für den Rosenheimer Einzelhandel ist, weiß auch Paul Adlmaier, der Vorsitzende des City-Managements. „Viele Händler hätten die Kosten in diesem Jahr nicht selber stemmen können“, sagt er. Eine Stadt ohne Weihnachtsbeleuchtung sei aber auch für ihn nicht vorstellbar gewesen. Zum einen weil viele Einzelhändler in der Weihnachtszeit ihren Hauptumsatz machen, zum anderen, weil die Menschen in der Corona-Zeit Zuversicht brauchen. Und genau die würde das „schöne, warme Licht“ der Beleuchtung ausstrahlen.

Eine ähnliche Meinung hat Daniel Artmann CSU-Stadtrat und Zweiter Bürgermeister der Stadt. So sei es wichtig, die Menschen auch weiterhin in die Stadt zu ziehen. Das findet auch CSU-Fraktionsvorsitzender Herbert Borrmann: „Die Weihnachtsbeleuchtung hilft den Einzelhändlern, ist aber auch für die Bürger.“

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Franz Opperer, spricht von einer „netten und schönen Idee“. Gleichzeitig sehe er die Situation aber auch kritisch. „Nicht allen Einzelhändlern geht es durch die Corona-Krise schlecht“, sagt er. Sein Vorschlag: Die Geschäfte können – auf freiwilliger Basis – ihren Anteil an der Weihnachtsbeleuchtung selber zahlen, falls sie dazu in der Lage sein sollten. Zudem gab er zu bedenken, dass es an der Zeit wäre, über eine komplett neue Beleuchtung nachzudenken. In diesem Punkt stimmte ihm Borrmann zu. Auch er würde sich wünschen, dass die momentane Beleuchtung in Zukunft durch LED ersetzt werde.

Einzig Sonja Gintenreiter (Grüne) sprach sich gegen den Vorschlag der Verwaltung aus. Sie verwies auf die angespannte Haushaltslage, sagte, dass es einen Christkindlmarkt, so wie man ihn kenne, in diesem Jahr sowieso nicht geben werde und es deshalb auch keine Beleuchtung auf dem Max-Josefs-Platz brauche.

Keine „schwarzen
Löcher“ in der Stadt

Gegen die Stimme von Gintenreiter sprachen sich die Stadträte für den Vorschlag des Oberbürgermeisters aus. Mit dem Beschluss entfällt heuer die Diskussion um die „schwarzen Löcher“ die ansonsten die Stadt alle Jahre erneut einholt. Immer wieder gab es Kritik an Einzelhändlern – vorwiegend überregionale Ketten – die sich partout nicht an den Kosten für Lichterketten und Leuchtsterne beteiligen wollten. Vor deren Geschäften blieb es in der Adventszeit dunkel.

Apropos Christkindlmarkt: Eine definitive Entscheidung, ob der Markt in diesem Jahr stattfinden wird, gibt es laut Klaus Hertreiter, Geschäftsführer des Wirtschaftlichen Verbandes, noch nicht. „Wir führen zur Zeit intensive Gespräche. Noch ist alles offen“, sagt er. Mit einer Entscheidung rechnet er Anfang Oktober. Die Ungewissheit also bleibt. Vorerst. Für die Weihnachtsbeleuchtung aber ist immerhin schon einmal gesorgt.

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