Rosenheim – Gute Nachrichten zum Wochenende: Nachdem Rosenheim bei der Sieben-Tage-Inzidenz – die Zahl von Infizierten pro 100000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen – seit zehn Tagen unter der „Frühwarnstufe“ von 35 liegt, hat die Stadt die Corona-Einschränkungen gelockert. Groß darüber ist die Freude vor allem bei den Gastronomen.
Andreas März
mahnt zur Disziplin
Per Videobotschaft hat sich Oberbürgermeister Andreas März an die Rosenheimer gewandt. Er sitzt an seinem Schreibtisch, hält einen Stift in den Händen. Es ist eine erfreuliche Botschaft, die er aufnimmt. Eine, die Hoffnung macht. Wenigstens ein bisschen. „Wir können die Beschränkungen in unserer Stadt wieder lockern“, sagt er. In den folgenden 60 Sekunden zählt er auf, was das für die Bürger konkret bedeutet. Im öffentlichen Raum und in der Gastronomie sind wieder Gruppen von zehn Personen erlaubt, die auch zusammen an einem Tisch sitzen dürfen. Bei privaten Veranstaltungen, wie Hochzeiten, Beerdigungen, Geburtstagen, Vereinssitzungen und Abschlussfeiern sind wieder mehr Menschen zugelassen. 100 in Räumen und 200 unter freiem Himmel. Außerdem entfällt die Pflicht zum Zweittest: Für Rückkehrer aus Risikogebieten endet die Quarantäne bereits nach Erhalt des ersten negativen Testergebnisses. „Das heißt aber nicht, dass wir uns nicht an die Hygieneregeln halten müssen“, sagt März und mahnt weiterhin zur Disziplin. Eben dass sich der Positivtrend auch weiterhin fortsetzt. Damit endet das Video. Die Botschaft aber bleibt, sorgt für Erleichterung und ein vorsichtiges Aufatmen.
„Es ist eine sehr positive Nachricht“, sagt Martin Kupferschmied vom Happinger Hof. Bereits am vergangenen Montag habe er beim Gesundheitsamt angerufen, habe sich nach dem Stand der Dinge und möglichen Lockerungen erkundigt. Denn: Für Oktober hat Kupferschmied eine Veranstaltung mit 100 Leuten in seinem Kalender stehen. „Hätte ich die auch noch absagen müssen, wäre das eine Katastrophe gewesen“, sagt er. Er spricht davon, wie schwer ihn die Corona-Krise getroffen habe. Davon, dass von den 30 geplanten Hochzeiten gerade einmal zwei stattgefunden haben.
Zwar sei die Hochzeitssaison mittlerweile vorbei, helfen würden ihm die Lockerungen trotzdem. „Unsere Stammtische können jetzt wieder besetzt werden“, sagt der Wirt.
Dieser Ansicht ist auch Georgia Brodka vom Wirtshaus „Zum Augustiner“. Zehn Personen in einer Gruppe sei eine gute, runde Zahl. Es sei ein kleiner Lichtblick, vor allem nachdem die Lage Anfang September alles andere als rosig war. „Jeder sprach vom Corona-Hotspot Rosenheim. Da sind uns Gastronomen die Umsätze eingebrochen“, sagt sie. Zuletzt habe sich die Lage allerdings wieder beruhigt. Falls sich die Situation doch wieder verändert, müsse man flexibel reagieren.
Nachtgastronomie
profitiert vorerst nicht
Froh über die Lockerungen ist auch die katholische Gemeindereferentin Hannelore Maurer. In ihren Aufgabenbereich fällt unter anderem die Seelsorge. Die Corona-Krise habe auch das Trauern erschwert. „Manche Leute waren froh, dass sie den Abschied im kleinen Kreis feiern konnten“, sagt sie. Aber es hätte eben auch diejenigen gegeben, die unter der Besucherbegrenzung gelitten haben. Besonders Menschen mit einem großen Familienkreis dürften sich über die Lockerungen freuen, sagt Maurer.
Von den Lockerungen vorerst nicht profitieren wird die Nachtgastronomie. Das jedenfalls sagt Tom Ottitsch von der Tati‘s Bar. „Für uns macht das erst mal keinen Unterschied.“ Nach wie vor dürfe er in seinem Lokal keine Privatveranstaltungen abhalten. Hinzu komme, dass seine Tische so klein seien, dass mehr als fünf Personen sowieso keinen Platz hätten. „Für größere Lokale sind die Lockerungen sicherlich sinnvoll“, sagt er. Weil er aber eben nur ein kleines Lokal betreibt, bleibt seine Bar bis auf Weiteres geschlossen.