„Tickende Zeitbombe“: Schüler gefährdet?

von Redaktion

Initiative kritisiert FOS/BOS – Schulleiter Dr. Marko Hunger weist Vorwürfe zurück

Rosenheim – Viele Eltern haben sich gegen eine Maskenpflicht an Schulen gewehrt, andere fordern sie nun wieder: Weil die FOS/BOS Rosenheim angeblich gegen die geltenden Hygienemaßnahmen verstößt, hat sich Teresa Pöller, Sprecherin des Vereins „Schüler – Eltern – Bürger“ nun in einem offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder sowie an die Kultus- und Gesundheitsministerien gewandt. Der Verein fordert vehement die Wiedereinführung der Maskenpflicht in den Schulen.

Ohne Abstand
auf den Gängen

Der Verein erhebt schwere Vorwürfe gegen die FOS/ BOS, gar von einer „tickenden Zeitbombe“ ist die Rede. Durch die Nichteinhaltung der Hygieneregeln gefährde die Schule etwa 1500 Mädchen und Buben, heißt es in dem Schreiben. „Daheimbleiben müssen ist also nur eine Frage der Zeit.“ Ohne Masken und vor allem ohne Abstand, dicht nebeneinander, säßen pro Klasse etwa 25 Schüler im Klassenzimmer. Und das bis zu sieben Stunden lang, jeden Tag – „schutzlos einer Ansteckung ausgesetzt“. Selbe Situation auf den Gängen: zu wenig Platz, zu viele Menschen. Oft würden Schüler die Maske gar nicht oder nicht korrekt tragen.

Weiter prangert Pöller (69), pensionierte Volksschullehrerin, an, dass dieser Zustand angeblich vom Gesundheitsamt Rosenheim erlaubt sei, beziehungsweise unter den Drei-Stufen-Plan des Bayerischen Kultusministeriums falle.

Außerdem seien die Digitalkompetenzen der bayerischen Lehrer unzureichend, allen voran an der FOS/BOS. Es hätte so gut wie keinen Online-Unterricht im vergangenen Schuljahr gegeben.

Forderung der
Maskenpflicht

Der Verein fordert: Die Klassen sollen in kleinere Gruppen aufgeteilt werden, die elften Klasse Online-Unterricht erhalten, damit Klassenzimmer frei werden. Und vor allem: Die Kinder sollten wieder mit Masken im Unterricht sitzen.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Verein die FOS/BOS kritisiert und dort eine Maskenpflicht fordert – so zuletzt im Frühjahr (wir berichteten).

Die Schulleitung weist die Vorwürfe aber zurück. „Wir halten uns an die Vorgaben vom Kultusministerium und dem Gesundheitsamt“, erklärt Dr. Marko Hunger. An der Schule gelte aktuell der Rahmenhygieneplan Stufe1: Danach sollten die Kinder nur bis zum Platz eine Mund-Nase-Bedeckung tragen. Hunger weiter: „Der Brief geht an die Politik, dafür fühle ich mich nicht zuständig.“ Von einer Gefährdung könne keine Rede sein. Die Einzeltische hätten so viel Abstand wie möglich, in den Räumen werde durchgehend gelüftet.

Von der Forderung, die elften Klassen nach Hause zu schicken, um so mehr Klassenzimmer zur Verfügung zu stellen, hält der Schulleiter nichts: „Jede Klasse hat einen Anspruch auf Präsenzunterricht.“ Technisch gesehen sei die FOS/BOS eine Vorreiterschule, ist Hunger überzeugt. Durch das Equipment in den Klassenzimmern könnte der Unterricht sowohl von dort nach Hause oder von zu Hause ins Klassenzimmer übertragen werden. Der Online-Unterricht vor den Sommerferien hätte gut funktioniert: „Wir haben jede Stunde nach Plan gehalten.“

Obendrein, so Hunger, sei die vom Verein genannte Schülerzahl falsch: An der FOS/BOS gebe es nur 1100 Schüler und 100 Lehrer. Letztere kontrollierten auf den Gängen auch die Einhaltung des Mindestabstands. „Als Schulgemeinschaft ziehen wir alle an einem Strang.“

Die Antwort des
Kultusministeriums

Unterstützung bekommt die FOS/BOS vom Kultusministerium aus München. Auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen teilte ein Sprecher mit: „Nach den uns vorliegenden Informationen setzt die Schulfamilie der FOS/BOS Rosenheim die Hygienerichtlinien gewissenhaft um.“ Dazu zähle auch das Einhalten der Stufe 1 des Hygieneplans. Außerdem weist das Ministerium darauf hin, dass die Schule im Bereich der Digitalisierung gut aufgestellt sei. „Es wurde in den letzten drei Jahren ein detailliertes Medienkonzept entwickelt und massiv in die digitale Infrastruktur investiert.“ Vom Rosenheimer Gesundheitsamt lag am gestrigen Dienstag bis Redaktionsschluss noch keine Stellungnahme vor.

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