Freie Wähler wollen vermehrt auf Holzbau setzen

von Redaktion

Haupt- und Finanzausschuss Stadt will bei künftigen Projekten die Verwendung des Baustoffs prüfen

Rosenheim – In der Stadt soll künftig mehr auf Holzbau gesetzt werden. Jedenfalls wenn es nach den Freien Wählern/UP geht. Neu ist der Vorschlag nicht – doch mit der bisherigen Umsetzung sind die Stadträte nach wie vor nicht zufrieden.

Robert Multrus hat die Nase voll. „Ich habe den Eindruck, dass sich die Verwaltung nicht für den Holzbau begeistern kann“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler/UP. So liege der Fokus der Verwaltung eher auf den Nachteilen des Holzbaus und nicht darauf, dass Rosenheim seinem Namen „Holzstadt“ gerecht wird. In seinem Antrag forderte er die Verwaltung deshalb auf, für jede Hochbaumaßnahme der Stadt –unabhängig ob Neubau, Erweiterung oder Sanierung – die Möglichkeit zu prüfen, ob eine Holzkonstruktion, eine Fassaden- oder eine Dachbegrünung infrage kommen könnte. Die Verwendung von Holz unterstütze das beschlossene Ziel der zukünftigen Kohlenstoffdioxid-Neutralität Rosenheims. Begrünte Dächer und Fassaden schaffen zudem Ausgleichspotenziale für eine Überhitzung der Stadt. Gründächer dienen außerdem im Falle eines Starkregenereignisses als Retentionsflächen. Es sind Forderungen, die auch die Rosenheimer Grünen unterstützen – schon seit mehreren Jahren. „Es muss sich etwas ändern. Wir sollten mit dem Holzbau in die Zukunft investieren“, sagte der Fraktionsvorsitzende Franz Opperer. Er forderte, dass grundsätzlich geplant werden sollte, mit Holz zu bauen.

Auch die Finanzen
im Auge behalten

Etwas anders schätzt Herbert Borrmann, Fraktionsvorsitzender der CSU, die Situation ein, gerade im „Hinblick auf die Finanzen“. „Wo es möglich ist, sollten wir den Holzbau bevorzugen. Aber wir müssen uns auch die Kosten anschauen.“ Trotzdem vermisse er das „Engagement der Stadt“ und schlug eine Zusammenarbeit mit der Hochschule vor.

Die Stadt selbst weist die Vorwürfe zum Teil von sich, erinnerte daran, dass die Verwendung des Baustoffs Holz in der Vergangenheit projektbezogen von der Verwaltung und den beauftragten Planungsbüros unter Einbeziehung aller standortbezogenen Vor- und Nachteile mit geprüft wurde. Bis jetzt sei die verwaltungsinterne Entscheidung jedoch häufig gegen eine Holzkonstruktion gefallen. So verursacht ein Holzbau gegenüber konventioneller Massivbauweise in der Regel Mehrkosten in Höhe von circa 15 Prozent. Diese Mehrkosten können nur dann gerechtfertigt werden, wenn keine nennenswerten Nachteile für die Nutzung des Gebäudes entstehen. Ein großer Nachteil könnte beispielsweise die hohe Wärmeentwicklung im Gebäude in den Sommermonaten sein. Laut Stadtverwaltung kann deshalb eine „entsprechend hochwertige Lüftungsanlage erforderlich sein“, die wiederum „erhebliche Mehrkosten mit sich bringt“.

Trotzdem versprach die Verwaltung, auch weiterhin zu überprüfen, ob einer Errichtung in Holzbauweise sowie eine Dach- und Fassadenbegrünung Sinn mache. Die Ergebnisse sollen dem Stadtrat anschließend vorgelegt werden.

Gründächer gibt es bereits auf dem Erweiterungsbau der Mädchenrealschule, den Mensen am Karolinen- und am Ignaz-Günther-Gymnasium, dem Erweiterungsbau der Prinzregentenschule und der Aula der Grundschule Happing. Und auch das Dach des neuen Fahrradparkhauses am Bahnhof soll begrünt werden.

Etwas anders verhält es sich mit der Fassadenbegrünung. Hier setzt die Stadt auf Rankpflanzen. Sofern die Pflanzen im Bereich der Fenster wuchsen, bestehe ein erhöhter Zeitaufwand für den notwendigen Rückschnitt. Außerdem müsse mit vermehrten Störungen durch Insekten, aber auch Mäusen gerechnet werden, die bei geöffneten Fenstern in die Räume gelangten. Anna Heise

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