Mit dem Lockdown kommt der Müll

von Redaktion

Durch To-go-Verpackungen wird in Rosenheim wieder mehr Abfall produziert

Rosenheim – Die Teller und Gläser kommen in den Schrank, die Pappschachteln werden wieder rausgeholt. Dieses Gefühl kann man zumindest bekommen, wenn man in der Rosenheimer Innenstadt unterwegs ist. Die Verschärfung der Corona-Maßnahmen führt dazu, dass die Gastronomie wieder auf das Konzept zum Mitnehmen umschwenkt und ihre Speisen und Getränke in Plastik und Pappe verpackt. Ein Phänomen, das man in Rosenheim auch schon beim ersten Lockdown erleben musste.

Pappkartons
ein Problem

„Es ist nicht ganz so schlimm wie schon gehabt“, meint Christian Schwalm, der stellvertretende Pressesprecher der Stadt Rosenheim, der die Problematik bereits kennt. Dadurch, dass die Leute jetzt im Winter vermehrt zu Hause bleiben, sei die Lage aber etwas entspannter als noch im Frühjahr, als sich die Pizzakartons bereits mittags neben den Mülleimern stapelten.

Dennoch ließ sich schon in der ersten Woche nach dem zweiten Lockdown erneut ein signifikanter Anstieg an Abfall feststellen. Den Geschäftsführer des Rosenheimer Baubetriebshofes, Werner Oekler, stellt das wieder vor neue Herausforderungen. „Im Sommer, als die Corona-Regelungen etwas gelockert wurden, hatten wir deutlich weniger Schwierigkeiten als jetzt.“ Den Großteil des neuen Mülls machen demnach vor allem die Pappschachteln aus, die von den Restaurants als To-go-Variante genutzt werden und nach dem Verzehr der Speisen direkt in einen der öffentlichen Mülleimer wandern.

„Eine absolute Verschwendung“, findet Josefine Schneider, die ehemalige Moderatorin der „Fridays-for-Future“-Bewegung in Rosenheim. „Ich hatte zunächst eigentlich das Gefühl, dass der Müll etwas abnimmt, da die Leute dieses Jahr vermehrt zu Hause geblieben sind. Doch die ganzen Verpackungen zum Mitnehmen sind natürlich alles andere als umweltfreundlich.“ Sie kann die Situation der Gaststätten zwar nachvollziehen, würde es aber lieber sehen, wenn auch bei den neuen Angeboten auf Nachhaltigkeit geachtet werden würde. Als Beispiel nennt Schneider sogenannte Recup-Becher, die aus recycelbarem Kunststoff bestehen und mehrmals verwendet werden können.

Bis sich die erneuerbaren Verpackungen aber durchsetzen, muss der für den Müllabtransport zuständige Baubetriebshof kurzfristig auf die angespannte Situation reagieren und verdoppelt daher die Ressourcen. „Wir fahren speziell in der Rosenheimer Innenstadt jetzt zweimal täglich“, berichtet Oekler. So soll die zunehmende Abfallproduktion in geregelte Bahnen gelenkt und Beschwerden über überquellende Mülleimer vermieden werden. Mit möglichen Lockerungen nach November, hofft der Geschäftsführer dann wieder auf ein normales Maß an weggeschmissenen Schachteln und Pappbechern.

Stadt ruft zur
Achtsamkeit auf

Bis dahin lautet der Appell vom Rosenheimer Pressesprecher Schwalm: „Bitte aufpassen! Wenn man sieht, dass fünf Pizzakartons neben einem öffentlichen Mülleimer liegen, dann muss man nicht auch noch drei weitere dazulegen.“ Stattdessen könne man versuchen, den eigenen Müll so zu falten, dass er problemlos in einen der Abfalleimer passt. Noch besser wäre es außerdem, die To- go-Verpackungen gar nicht erst in einer öffentlichen Entsorgungsstelle zurückzulassen, sondern sie mit nach Hause zu nehmen, um sie dort regelkonform zu entsorgen. Auf diese Weise kann laut Schwalm jeder einen Teil dazu beitragen, die Rosenheimer Innenstadt auch in Zeiten von geschlossenen Gaststätten sauber zu halten.

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