Rosenheim – Mit viel frischer Luft sollen die Schulen der Pandemie trotzen. Damit Schüler und Lehrer wissen, wann wieder gelüftet werden muss, will die Stadt Rosenheim jetzt Kohlendioxid-Sensoren besorgen. Auch Luftreinigungsgeräte soll es bald geben.
Über eine App mit dem Sensor verbinden
Kurz nach Unterrichtsschluss wirft Florian Ludwig einen Blick auf seinen Computer. Er studiert den Graph, schaut, wann die Kohlendioxid-Werte besonders hoch waren und wie sich die Werte durch das Stoßlüften verändert haben. „Mittlerweile habe ich ein ganz gutes Gefühl dafür entwickelt, wann es Zeit ist, zu lüften“, sagt Ludwig. Er ist Lehrer am Karolinen-Gymnasium und sitzt für die CSU im Rosenheimer Stadtrat.
Zu Beginn des Schuljahres setzte er sich für die Beschaffung von Raumluft-Sensoren für die Klassenzimmer des Karolinen-Gymnasiums ein. Mittlerweile stehen diese – entwickelt von innFactory und komro – in mehr als zehn Räumen. Die Lehrer können sich über eine App mit dem Sensor verbinden und sich so über die aktuelle Luftqualität informieren. Dort wird laut Ludwig eine Skala angezeigt, die bei einem kritischen Kohlendioxid-Wert in den roten Bereich springt. Er und seine Kollegen wissen dann, dass es Zeit ist zu lüften. Nach circa drei Minuten erkenne man in den meisten Fällen bereits eine Senkung des Wertes. „Wir haben uns bewusst gegen ein optisches und akustisches Signal entschieden, sobald ein bestimmter Wert überschritten wird“, sagt Ludwig. Dadurch bleibe der Unterricht ungestört.
Ein Sensor koste 100 Euro. Geld, das durchaus investiert werden sollte, wie Ludwig in der jüngsten Sitzung des Stadtrates sagte. So könne man zwar auch günstigere Geräte für 30 Euro erwerben, diese hätten aber weder eine integrierte App noch eine Skala-Anzeige. Hinzu komme, dass die Sensoren am Karolinengymnasium nicht nur die Raumluft messen, sondern auch die Kohlendioxid-Konzentration, die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit. Diese Geräte könnten also auch nach der Corona-Krise weiter verwendet werden. Welche Sensoren die Stadt letztendlich beschafft, wird sich zeigen. Fest steht, dass die Verwaltung bereits seit einigen Wochen Möglichkeiten prüft, die Lüftung von Klassenzimmern technisch besser zu unterstützen. Auch weil Grüne und ÖDP sie in einem gemeinsamen Antrag zum Handeln aufforderte. Im Oktober gab die Bayerische Staatsregierung zudem bekannt, für die Beschaffung von Kohlendioxid-Meldern und mobilen Luftreinigungsgeräten Geld zur Verfügung zu stellen. Dabei beschränke sich die Förderfähigkeit für Luftreinigungsgeräte auf Klassenzimmer, die nicht ausreichend durch gezieltes Fensteröffnen gelüftet werden können. Die Rede ist beispielsweise von Räumen, die nur Oberlichter oder sehr kleine Fensterflächen haben. In Rosenheim gibt es laut Verwaltung insgesamt zehn davon. Für die Beschaffung dieser zehn Geräte würden Kosten zwischen 35000 und 42000 Euro anfallen. Die Förderung beträgt 35000 Euro. Die Verwaltung schlug in der Sitzung des Stadtrates vor, die Geräte trotz der verbleibenden Kosten von bis zu 7000 Euro für die Stadt zu beschaffen. Dennoch solle überprüft werden, ob sich die Anzahl der benötigten Geräte durch organisatorische Veränderungen an den Schulen noch verringern lasse.
Kosten in Höhe
von 83000 Euro
Neben den Luftreinigungsgeräten will die Stadt außerdem Kohlendioxid-Sensoren kaufen. Und zwar für alle 550 Klassenzimmer und Fachräume. Die Förderung beträgt hier pro Schüler 7,27 Euro. Rosenheim könne somit mit einer Förderung in Höhe von maximal 54168 Euro rechnen. Die Stadt will sich jetzt verschiedene Angebote einholen, schätzt die Kosten aber auf rund 83000 Euro. Der Eigenanteil liege somit bei etwa 30000 Euro. Einstimmig sprachen sich die Stadträte dafür aus, dass die Verwaltung einen entsprechenden Förderantrag bei der Regierung von Oberbayern stellt.
Der Fraktionsvorsitzende der CSU, Herbert Borrmann, gab der Verwaltung mit auf den Weg, dass sie sich um eine zügige Beschaffung kümmere. Er befürchte, dass es aufgrund der hohen Nachfrage zu Lieferschwierigkeiten kommen könnte.
Die Stadt will außerdem weitere Förderprogramme für Kitas und andere öffentlichen Einrichtungen prüfen.