Rosenheim – Der „Winter in Rosenheim“ soll offenbar vorerst weitergehen. Trotz Lockdown. Das hat die Stadt auf Nachfrage bekannt gegeben. Und das, obwohl die Meinungen darüber, dass es überhaupt eine solche Veranstaltung gibt, auseinander gehen. Das wurde auch in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses deutlich.
Abuzar Erdogan, der Fraktionsvorsitzende der SPD, fühlt sich übergangen. Er kritisiert, dass das Gremium nicht in die Entscheidung miteinbezogen wurde, ob es in der Stadt einen „Winter in Rosenheim“ geben soll oder nicht. Zwar könne er nachvollziehen, dass man für Weihnachtsstimmung sorgen will, trotzdem wisse er nicht, ob er das Konzept gutheißen könne.
Ähnlich schätzte der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler/UP, Robert Multrus, die Situation ein. „Wir machen den Bürgern keine Freude“, sagt er. So sei es „wenig sinnhaft“, Speisen an den Ständen zu verkaufen, wenn die Menschen sie dann – aufgrund der Maskenpflicht in der Fußgängerzone – nicht essen könnten. „Wir tun uns mit dieser Aktion keinen Gefallen. Auch wenn es in bester Absicht passiert ist“, ergänzt Peter Rutz, der Fraktionsvorsitzende der Grünen.
Etwas anders denkt Herbert Borrmann, Fraktionsvorsitzender der CSU, über den „Winter in Rosenheim“. Er erinnert an die vielen Menschen, die auch weiterhin in der Stadt arbeiten und mittags versorgt werden müssten. „Jeden Tag eine Butterbreze zu essen, ist auch nicht das Gelbe vom Ei.“ Das Hauptproblem seien nicht die Stände am Max-Josefs-Platz, sondern die Partys am Wochenende.
Und genau die sind es auch, die Oberbürgermeister Andreas März (CSU) in einer Videobotschaft in den sozialen Medien kritisierte. „Das letzte Wochenende hat gezeigt, dass leider nicht alle Menschen verantwortungsbewusst mit dieser Situation umgehen.“ Zu viele Menschen hätten den Glühwein auf dem Max-Josefs-Platz gleich vor Ort konsumiert. „Diese Unvernünftigen haben niemandem einen Gefallen getan. Ein solches Verhalten geht nicht.“ Genau aus diesem Grund soll wohl neben dem Alkoholkonsum auf öffentlichen Plätzen, in der Fußgängerzone, Grünanlagen und Naherholungsgebieten auch verboten werden, dass hier Alkohol zum Mitnehmen verkauft werden darf.
Der „Winter in Rosenheim“ aber soll bleiben. Vorerst. „Die Stände sind nicht das Problem und locken keine Massen in die Innenstadt“, sagte März im Ausschuss. Diese Einschätzung teilt nach Angaben von März das Gesundheitsamt. „Wir brauchen in diesem faden Corona-Alltag eine Gratwanderung aus so viel Weihnachtsstimmung wie möglich und so wenigen Kontakten wie nötig“, ergänzte der Oberbürgermeister. Genau aus diesem Grund sollten die Menschen auch in den kommenden Tagen die Möglichkeit haben, ihre Steaksemmeln, Schokofrüchte und gebrannten Mandeln in der Innenstadt zu kaufen. Aber eben nur für den Verzehr zu Hause oder im Büro. Und nicht – wie in der Vergangenheit – in der Nähe des Standes und ohne Maske. hei