Ein Bäcker für 1240 Einwohner

von Redaktion

Nach SPD-Antrag Diskussion über Bedarf eines Nahversorgers in der Kastenau

Rosenheim – In der Kastenau fehlt ein Nahversorger. Das hat die SPD in einem Antrag an Oberbürgermeister März (CSU) kritisiert. So gibt es lediglich einen Getränkemarkt sowie einen Bäcker, der den Stadtteil mit Backwaren und einem kleinen dazugehörigen Lebensmittelangebot versorgt. Die SPD sieht Handlungsbedarf.

2960 Euro für ein
Gutachten der Cima

Robert Metzger (SPD) erinnert sich noch genau an die Zeit, als er im Rahmen seines Wahlkampfes in der Kastenau unterwegs war. Immer wieder seien die Anwohner auf ihn zugekommen und hätten sich über das fehlende und fußläufig erreichbare Einkaufsangebot beklagt. „Das war die Geburtsstunde des Antrags“, erinnert sich der Stadtrat. In diesem sollte die Cima – ein Münchner Beratungsunternehmen für Stadt- und Regionalentwicklung sowie Marketing – beauftragt werden, zu überprüfen, ob ein Nahversorger in der Kastenau gebraucht wird und, wenn ja, wie dieser aussehen könnte.

Die Stadtverwaltung hatte daraufhin ein Angebot bei der Cima eingeholt. „Die Kosten für ein solches Gutachten betragen 2960 Euro“, teilte Oberbürgermeister Andreas März (CSU) in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus mit. Nun sei es an den Stadträten zu entscheiden, ob sie ein solches Gutachten für sinnvoll halten oder eben nicht.

Zuvor hatte die Verwaltung bereits angemerkt, dass die fußläufige Entfernung im Wohngebiet bis zu den Nahversorgern in der Chiemseestraße maximal zwei Kilometer beträgt. Auch für Autofahrer seien diese Supermärkte gut erreichbar, unter anderem deshalb, weil es genügend Parkplätze gebe. „Zwei Kilometer sind für Autofahrer eine gute Entfernung, aber nicht für Fußgänger“, kritisierte Stadträtin und Dritte Bürgermeisterin Gabriele Leicht (SPD). Genau deshalb sei es so wichtig, zu überprüfen, ob man einen Nahversorger in der Kastenau unterbringen könnte.

Doch genau hier hat die Stadt Bedenken. So würde die Wirtschaftlichkeit eines gewerblichen Nahversorgers in der Regel eine Quartiersgröße von rund 5000 Einwohnern voraussetzen. In der Kastenau leben aber gerade einmal 1240 Menschen. „Insofern ist nachvollziehbar, dass sich bisher in diesem Quartier kein Nahversorger etabliert hat“, heißt es aus dem Rathaus.

Dass trotzdem etwas passieren muss, dafür sprach sich auch der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler/UP, Robert Multrus, aus. So würden weder ein Bäcker noch ein Getränkemarkt den „Bedarf abdecken“. Aber er könne eben auch nachvollziehen, dass man „einen Markt nicht erzwingen kann“ und ein Gutachten deshalb wenig Sinn mache. Für die Durchführung eben dieses Gutachtens sprach sich Andreas Kohlberger, Fraktionsvorsitzender der AfD, aus.

So würden sich viele ältere Leute schwer damit tun, zwei Kilometer bis zum nächsten Supermarkt zu gehen. Etwas anders schätzte Peter Rutz, Fraktionsvorsitzender der Grünen, die Situation ein.

So sehe er zwar das Problem, trotzdem sei er sich nicht sicher, ob sich ein Nahversorger in der Kastenau halten würde. „Es wird schwierig sein, dort etwas Neues zu entwickeln“, sagte er. Rutz schlug deshalb vor, das bereits bestehende Angebot in der Kastenau zu erweitern. Doch auch das sei laut Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl gar nicht so einfach. Denn für die Betreiber würde sich die Frage stellen, ob sich der „zusätzliche, logistische Aufwand“ rechnet.

Seit 84 Jahren in der
Kastenau wohnhaft

Fakt ist, dass das Einzugsgebiet zu klein ist und es auch keine geeignete Fläche gibt, auf der ein Nahversorger errichtet werden könnte. Mit 7:4 sprachen sich die Stadträte deshalb gegen die Durchführung eines Gutachtens aus.

Für zwei Kastenauer hält sich die Trauer darüber in Grenzen. „Ich bin mit der Einkaufssituation zufrieden“, sagte eine 84-jährige Anwohnerin, die bereits seit ihrer Geburt in der Kastenau lebt. Mit dem Rad sei sie in sechs Minuten im nächsten Supermarkt, bekomme dort alle Dinge, die sie brauche.

Und auch der ehemalige CSU-Stadtrat Günther Wunsam, ebenfalls Kastenauer, versteht die Aufregung nicht. Sowohl mit dem Auto als auch mit dem Rad sei man in wenigen Minuten beim Supermarkt. Zwar verstehe er, dass es sich um ein Thema handelt, das vor allem ältere Menschen betrifft – aber auch hier gebe es Möglichkeiten, sich helfen zu lassen.

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