Rosenheim – Die Crystal Apotheke im Erdgeschoss des neuen Ärztezentrums „Medical Cube“ in der Luitpoldstraße 6 muss sechs Wochen nach der Eröffnung komplett renoviert werden. Der Grund ist ein Wasserschaden. Warum die beiden Inhaber trotzdem nicht ans Aufgeben denken.
Zahlreiche
Trockner aufgestellt
Auf den ersten Blick sieht alles aus wie immer. An der Wand prangt der Schriftzug „Crystal Apotheke“, ein Schild am Eingang gibt Auskunft über die Öffnungszeiten. Davor stehen Ludmila und Josef Langthaler. Sie strahlen in die Kamera, und das, obwohl ihnen in den vergangenen Wochen immer seltener zum Lachen zumute war. Denn im Inneren der Apotheke, dort wo vor drei Monaten noch reger Betrieb war, zeigt sich ein eher trauriges Bild. An der Decke klaffen Löcher, überall hängen Kabel und auf dem Boden liegen zahlreiche Bauutensilien. Von den modernen Holzmöbeln, der Theke mit den 200 verschiedenen Teesorten und der Medical Launch fehlt jede Spur. „Wir mussten alles rausreißen“, sagt Josef Langthaler. Er erinnert sich noch genau an den 15. Oktober. Seine Frau hätte gerade den Notdienst absolviert, als es auf einmal zu tropfen begann. „Es war, als ob jemand den Wasserhahn kurz aufgedreht hat“, sagt Josef Langthaler. Das Wasser sei die Fassaden und Säulen heruntergelaufen und aus den Deckenlampen herausgeflossen. Sofort habe er dem Mieter im Obergeschoss – einem Fitnessstudio – Bescheid gegeben und darauf hingewiesen, dass es irgendwo ein Leck gibt. „Die konnten es gar nicht glauben“, erinnert er sich. Gemeinsam habe man die Gutachter verständigt und die ersten Notmaßnahmen eingeleitet. Die Decke musste aufgeschnitten werden, überall wurden Lüfter aufgestellt. Während Ludmila und Josef Langthaler auf die Ergebnisse des Gutachtens warteten, machte sich eine Fachfirma auf die Suche nach der Ursache. „Wir wussten nicht, ob ein Baufehler vorliegt, ein kompletter Pfusch am Gebäude existiert oder nur ein Rohr durchgebrochen ist“, sagt Ludmila Langthaler.
Eine Woche später dann die Gewissheit: Ein Leck in einem Rohr des Fitnessstudios hatte die Apotheke unter Wasser gesetzt. Weil der Schaden durch Trockenmaßnahmen allein nicht behoben werden konnte, musste unter anderem der Boden samt Fußbodenheizung herausgerissen werden. Im zweiten Schritt folgt dann der Austausch von den Lichtern und Teilen der Decke. „Der Schaden liegt bei 500000 Euro und wird hoffentlich von der Versicherung übernommen“, sagt Josef Langthaler.
Trotz allem weiß er, dass es noch schlimmer hätte kommen können. „Man wächst an jeder Katastrophe“, ist sich das Paar sicher. Nach zwei Tagen voller Trauer und Hilflosigkeit haben sich die beiden aufgerafft, neue Pläne geschmiedet und überlegt wie sie auch weiterhin für ihre Kunden da sein können. „Seit dem Rohrbruch hat es keinen einzigen Tag gegeben, an dem die Apotheke nicht besetzt war“, sagt Ludmila Langthaler.
Kunden
unterstützen Ehepaar
Sie habe Medikamente persönlich ausgeliefert, zahlreiche Pakete verschickt und die Zeit genutzt, um einen Kalender für ihre Kunden zu basteln. Alle 20 Tage hat sie zudem die Notdienste durchgeführt. „Mir war wichtig, dass die Leute nie Mitleid mit mir haben.“ Sie sei eine Kämpferin, jemand, der sich nicht so schnell aus der Bahn werfen lasse. Anerkennung dafür bekommt sie von ihren mittlerweile fast 150 Stammkunden. „Jeden Tag kommt jemand vorbei oder schreibt mir eine E-Mail. Das bestärkt mich und ich bin unendlich dankbar für diese Unterstützung.“
Und noch etwas motiviert sie: Die Wiedereröffnung ist zum Greifen nah. Läuft alles nach Plan, will das Ehepaar Mitte Februar wieder aufsperren. „Ich kann es kaum erwarten“, sagt Ludmila Langthaler. Denn ihren Traum von der eigenen Apotheke hat sie seit dem Rohrbruch nie aus den Augen verloren. Und auch das Aufgeben sei von Anfang an keine Option gewesen.