Hinter den Kulissen des Offensichtlichen

von Redaktion

Es sind nicht nur die harten Themen, aber auch: Anfang des Jahres ist die Rosenheimerin Karola Kellner mit ihrem Podcast „Kellner wie der Ober“ gestartet. Ein Format, dass der 49-Jährigen viel abverlangt, aber auch viel zurückgibt.

Rosenheim – Einem schmissigen Bläserintro folgt die Ankündigung: „Kellner wie der Ober – der Talk. Garantiert ohne Zusatzstoffe“. Anschließend begrüßt Karola Kellner die Zuhörer zu „unserem Talk“, wie sie sagt. Am 6. Januar startete ihre Podcastreihe, rund einstündige Gespräche mit Gästen, denen die Rosenheimerin begegnet ist, während sich ihre Vita zusammenfügte. Zur Premiere hatte sie den Schauspieler Markus Brandl eingeladen, früher einer der Bergretter in der gleichnamigen ZDF-Serie.

Geschichten,
die es wert sind,
erzählt zu werden

Die Idee für den Podcast habe sie schon länger umgetrieben. „Eigentlich wollte ich damit im Frühjahr letzten Jahres beginnen und dann kam die Pandemie und hat mich zunächst vor andere berufliche Herausforderungen gestellt“, sagt Kellner. Es gebe „wahnsinnig viele Geschichten“, die es wert seien, erzählt zu werden. Deswegen der Postcast. Oder in ihren Worten: „Ein kleiner Blick hinter die Kulissen des Offensichtlichen.“

Wichtig sind der Rosenheimerin persönliche Gespräche von Angesicht zu Angesicht, „face-to-face“ wie es Kellner auszudrücken pflegt. „Wir haben ein wunderschönes Setting bei Hicktown Records, einem professionellen Tonstudio in Nicklheim. Dort treffe ich mich mit meinen Gästen, und wir machen es uns gemütlich.“ Und so fühlt sich das offenbar auch für die Zuhörer an: als säßen sie mit „am Küchentisch“. Zumindest berichtet Kellner über entsprechende Rückmeldungen aus dem Kreis ihrer inzwischen rund 600 Abonnenten.

Die Themen ihre ersten beiden Podcast-Folgen könnten nicht unterschiedlicher sein. Während sie zur Premiere mit dem gebürtigen Rosenheimer Brandl  gemeinsam eher in Persönlichem schwelgt, geht es in der zweiten Folge schon fast an die Substanz. In dieser spricht sie mit der Vorsitzenden des Bad Aiblinger Vereins „Mut & Courage“, Irene Durukan. Über Zivilcourage, Trauerbegleitung aber vor allem über den Suizid von Durukans Vater. Auf solch  emotionalem Minenfeld ist es der 49-Jährigen wichtig „niemanden zur Schau zu stellen“ und dennoch einen Einblick geben zu können. „Das ist eine Gratwanderung, aber ich denke, das bekomme ich ganz gut hin“, sagt sie. Und gepaart mit ehrlichem Interesse sei dieses Vorgehen die Grundlage für ihre Gespräche. „Meine Gäste lassen uns teilhaben an sehr persönlichen Geschichten und Erlebnissen. Dafür sollte man ihnen Respekt zollen“, sagt Kellner. Auch sie sei bei bestimmten Aussagen berührt und bewegt. „Daran ändert das Mikrofon nichts.“

Auch beim Gespräch mit Schauspieler Markus Brandl geht es nicht nur um schöne Jugenderinnerungen. Selbst wenn Brandl, um bei den Worten Kellers zu bleiben, heute „smart“ rüberkommt, durchlebte er in der Jugendzeit eine Phase, in der er sich weitestgehend einigelte. Damals litt er unter der Hautkrankheit Neurodermitis. „Die Haut war damals wahrscheinlich auch ein Ausdruck von Trauer“, berichtet der Darsteller.  Der  geliebte Stiefvater des Schauspielers verließ die Familie und kehrte nach Italien zurück. Für den 45-Jährigen ein Trauma.

Dass die Rosenheimerin diese Erlebnisse aus ihren Gesprächspartnern kitzelt, liegt wohlgemerkt jenseits reiner Sensationslust. Im Gegenteil: Kellner schafft es in den ersten beiden Folgen ihres Podcasts ebenso, Perspektiven aufzuzeigen. Bei Brandl die Tatsache, dass seine Haut heute nicht mehr von Ekzemen gezeichnet ist, bei Irene Durukan der Umstand, dass sich die Welt auch nach dem Freitod eines nahen Angehörigen weiterdreht, die Trauer einsetzt und seelische Wunden heilen, klafften sie auch noch so tief.

Michael Altinger spricht über

den Verfall

Wenngleich: Zur jüngsten Folge, die am Sonntag, 7. Februar, erschien, gab es wohl deutlich mehr zu Lachen. Denn Karola Kellner sprach mit dem Kabarettisten Michael Altinger: über den körperlichen Verfall im Alter, das schönste Geschenk in Kindertagen oder einen deftigen Streich, den man als Jugendlicher gemacht hat. „In den Folgen danach werden mich Leute beehren, die wiederum eine ganz andere gesellschaftliche Rolle und einen speziellen Blick auf Themen und Dinge haben. Ich bin selbst schon sehr gespannt, wie die nächsten Gespräche laufen werden.“

Den Postcast „Kellner wie der Ober“ gibt es im Internet unter https://kellner-wie-der-ober.podigee.io/

Die Jugend in Brannenburg verbracht

Geboren 1971 in Rosenheim, besuchte sie das dortige Ignaz-Günter-Gymnasium. Es folgte eine kaufmännische Lehre, bevor sie zunächst in Bamberg, später in München, soziale Arbeit studierte. Die zweifache Mutter verbrachte den Großteil ihrer Jugend in Brannenburg und lebt heute in Rosenheim. Dort arbeitet sie als Kommunalberaterin, Sozialpädagogin und Künstlerin. Unter anderem verantwortete sie die Entwicklung des sogenannten„Rosenheimer Modells“ zur Jugendbeteiligung im ländlichen Raum . jek

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