Rosenheim – Die Staatsforsten stehen vor einer unlösbaren Aufgabe: Die Eschen sterben und werden zu einer Bedrohung. Doch nach einer ersten Fällung gibt es Widerstand aus der Bevölkerung. Ein Kompromiss scheint nicht in Sicht.
Verkehrssicherheit nicht gewährleistet
Heide Bergdolt (50) setzt sich für die Dinge ein, die ihr am Herzen liegen. Sie hat Briefe an Oberbürgermeister Andreas März (CSU) geschrieben, hat mit Mitarbeitern der Bayerischen Staatsforsten telefoniert und eine Bürgerinitiative gegründet. Alles mit dem Ziel, die Baumfällungen zu stoppen, die derzeit im Auwald und in Oberwöhr stattfinden. Hintergrund der Aktion ist, wie berichtet, das sogenannte Eschentriebsterben. Dabei handelt es sich um eine Baumkrankheit, die die Eschen befällt und zum Absterben bringt. „Die Verkehrssicherheit im Bereich der Mangfall und des Mangfallkanals in Rosenheim ist deshalb nicht mehr gewährleistet“, sagt Jörg Meyer, Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten. Er hat, gemeinsam mit seinen Kollegen, den Auftrag erteilt, die Bäume zu entfernen – in Abstimmung mit der Stadt Rosenheim. Doch bereits nach den ersten Fällungen hatte es Proteste gegeben. Unter anderem von Heide Bergdolt.
„Ich bin nicht gegen die Maßnahme, sondern gegen die Art und Weise des Vorgehens“, sagt sie. Bereits vor einigen Wochen kritisierte die Sprecherin der Bürgerinitiative, dass mit der Sicherungsmaßnahme der Charakter und Erholungswert des Waldes komplett zerstört werde. Hinzu komme, dass bei der Fällaktion – wie sie sagt – „nicht nur kranke Eschen, sondern auch viele gesunde Bäume gefällt wurden.“
Dinge, die Heide Bergdolt so nicht hinnehmen will. Also hat sie E-Mails an die Stadträte geschrieben und um einen Ortstermin gebeten. Außerdem verteilte sie Flugblätter mit der Überschrift „Wir wollen die Dinge in Ordnung bringen“ und der Aufforderung, Mandalas an Oberbürgermeister März zu schicken.
All das hat bewirkt, dass es mittlerweile einen Ortstermin gegeben hat, an dem neben Oberbürgermeister März auch Stadträte, das Umwelt- und Grünflächenamt, das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, der Bund Naturschutz sowie mehrere Verantwortliche des Forstbetriebs Schliersee teilnahmen. „Wir haben intensiv über die Themenbereiche Naturschutz, Verkehrssicherheit, Holzerntetechnik und Bodenschutz diskutiert“, sagt Forstbetriebsleiter Jörg Meyer. Da die Sicherheit für die „vielen Waldbesucher derzeit nicht mehr gewährleistet ist“, habe es bei der Ortsbesichtigung schließlich die „Einsicht für ein Fortsetzen der Verkehrssicherungsmaßnahme“ gegeben.
„Die Sicherheit unserer Bürger steht an erster Stelle. Daher waren und sind die Maßnahmen der Bayerischen Staatsforsten absolut notwendig, auch im Innern des Waldes, da es auch hier vielgenutzte Wege und Trampelpfade gibt“, sagt Oberbürgermeister März.
Kritik gibt es trotzdem. Vor allem an besagten Fällungen im Inneren des Waldes. „Das massive Vorgehen passt vielleicht zu einem Wirtschaftsforst, aber nicht zu einem Landschaftsschutzgebiet“, sagt Steffen Storandt vom Bund Naturschutz. Er schlägt vor, den Auwald in eine Naturwaldfläche umzuwandeln. Eine Empfehlung, die auf ein Gesetz des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zurückgeht. „Eine natürliche Waldentwicklung ist dort ausdrücklich das Ziel“, heißt es auf der Seite des Ministeriums.
Umdenken in
der Bevölkerung
Für Forstdirektor Korbinian Wolf ist eine solche Umwandlung keine Option. „Die Fläche passt nicht in das Konzept. Die Erholungsnutzung in diesem Gebiet ist so hoch, dass sich der Wald ohnehin nicht ungestört entwickeln könnte“, sagt er. Zumal auch ein Naturwald nicht von der Verkehrssicherheitspflicht befreit ist. Heißt: Die kranken Eschen müssten so oder so gefällt werden.
„Trotzdem wäre es wichtig, wenn diese Fällungen in einem angemessenen Maß erfolgen würden“, widerspricht Heide Bergdolt. Für die Zukunft fordert sie eine schonende Bewirtschaftung. Bis dahin will sie sich weiter einsetzen für die Dinge, die ihr am Herzen liegen.