Rosenheim – Im Rosenheimer Gewerbegebiet Oberfeld ist gestern der Spatenstich für den neuen Standort der Wendelstein Werkstätten des Caritasverbands erfolgt. Im Beisein hiesiger Kommunal- und Landespolitiker gab Einrichtungsleiter Martin Zoßeder den Startschuss für das Projekt, das zwischenzeitlich auf der Kippe stand.
„Es ist kein Spatenstich, wie man ihn sich wünscht, aber ein Spatenstich, den man sich wünscht“, sagte der Einrichtungsleiter der Wendelstein Werkstätten, Martin Zoßeder. Damit meinte er den Umstand, dass die Veranstaltung unter Corona-Bedingungen stattfinden musste. Entstehen soll bis zum Sommer 2023 eine Werkstatt für 120 Menschen mit Behinderung. Platz finden soll im Gebäude die Aktenvernichtung, die ihren bisherigen Standort an der Hochgernstraße verlässt.
Künftig wieder
vier Standorte
Ebenso soll die Fachabteilung „Profil“ einziehen. Diese umfasst Menschen, die im Laufe ihres Lebens einen Hirnschaden erlitten. Für die Abteilung sollen 36 Arbeitsplätze, zudem sechs Plätze im Berufsbildungswerk entstehen. Hinzu kommt eine Arbeitsgruppe für Logistik und die zentrale Verwaltung der Wendelstein Werkstätten. Mit der neuen Betriebsstätte verfüge die Einrichtung der Caritas wieder über vier Standorte. Das Werk „Mitterfeld“ in Rosenheim habe die Hilfsorganisation schließen müssen. Statik und Brandschutz hätten dies erfordert, wie die Wendelstein Werkstätten berichten. Die Beschäftigten dort habe man seinerzeit auf die verbliebenen drei Standorte aufgeteilt, was mitunter zu einer Überlastung dieser geführt habe. Außerdem verzeichneten die Wendelstein Werkstätten besonders im Bereich der Betreuung von Menschen mit schweren Behinderungen eine große Nachfrage, wie diese bereits im Vorfeld mitteilten. Auch für Plätze für Unfallgeschädigte und Personen mit Hirnverletzungen bestehe Bedarf.
Den Bau hatte die Caritas ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt eine Arbeitsgemeinschaft der Architekten „studio lot“ aus Altötting und „opposite office“ aus München.
„Es waren emotionale Achterbahnfahrten, die wir durchlitten haben“, sagte Thomas Schwarz, Vorstandsmitglied beim Caritasverband der Erzdiözese München und Freising. Damit meinte er wohl auch die Unsicherheit, die aufkam, als das Projekt im vergangenen Jahr kurzzeitig Gefahr lief, zu scheitern. Das „Zentrum Bayern Familie und Soziales“ lehnte einen gestellten Förderantrag im November vergangenen Jahres ab. Damit fehlte eine Summe von 2,2 Millionen Euro für die Finanzierung des Vorhabens, für das die Caritas bereits zwei Millionen Euro investiert hatte. Mit einem zweistelligen Millionenbetrag rechnet der Verband für das Vorhaben. Auch dem Einsatz des hiesigen Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner habe man zu verdanken, dass die Summe am Ende doch bewilligt worden sei, betonte Einrichtungsleiter Zoßeder. Hierdurch sei es möglich gewesen, im Dezember doch den begehrten Förderbescheid zu erhalten. In der Bundesrepublik kämen auf 1000 Einwohner im Schnitt fünf Menschen mit Behinderungen in einer Werkstatt, in Bayern circa drei, in Oberbayern „noch weniger“, sagte Martin Zoßeder. Er zog damit eine positive Bilanz der Arbeit seiner Einrichtung. Im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands seien deutlich mehr körperlich oder geistig Beeinträchtigte in den ersten Arbeitsmarkt integriert. 15 Prozent der Beschäftigten in den Wendelstein Werkstätten seien auf dem Weg dorthin. Im Umgang mit behinderten Menschen habe sich gesellschaftlich in den vergangenen Jahrzehnten „Gott sei Dank unheimlich vieles zum Positiven gewendet“, sagte Landrat Otto Lederer. „Und obwohl sich vieles zum Guten wendet, ist es immer noch so, dass es Menschen mit Behinderungen heute nicht leicht haben“, meinte er. Deshalb sei dieses Bauvorhaben ein wichtiger Meilenstein. „Weil mit den Wendelstein Werkstätten Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit gegeben wird, ihren Alltag zu gestalten, sich selbst einzubringen und dadurch eine Wertschätzung zu erfahren.“